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Vagabund Spricht man heute von «Vagabunden», wird man schräg angeschaut. Der Ausdruck ist veraltet, zu deutsch und zu wenig englisch. «Homeless»,«Alki» oder «Penner» nennen die Zürcher die sans-abris in den Strassen der Stadt, mit denen die übliche Konversation auf «häsch mer en Stutz» «nei, sorry» basiert. Lässt man sich auf ein längeres Gespräch mit den Bettelnden ein, die vor allem vor dem Hauptbahnhof und dem Bahnhof Stadelhofen anzutreffen sind, erfährt man herzzerreissende Lebensgeschichten, hollywoodmässige und nur teilweise glaubhafte Stories; Enttäuschung, Resignation und ein verzweifeltes Festhalten an einem Fünkchen Hoffnung für eine gute Zukunft. Die Zielgruppe der um einen Franken Angebettelten sind auffälligerweise junge Frauen. Warum das so ist, weiss ich nicht, es wäre sicherlich eine psychologische oder ethnologische Studie wert. Vielleicht liegt es daran, dass junge Frauen ein grosses Herz haben, dass in ihnen der noch ungebrauchte Mutterinstinkt geweckt wird, dass ihnen die Lebensweise der Vagabunden Eindruck macht oder dass sie sich derart überlegen vorkommen in ihrer Rolle als Bankangestellte, Kantischülerinnen oder Studentinnen, dass sie sich vor den abgestürzten Kreaturen der Gesellschaft für ihren guten Stand schämen? Das Vagabundenleben scheint die «gesitteten» Menschen zu faszinieren. Die grosse Anzahl an Geschichten und Gedichten, die sich mit den Besitz- und Heimatlosen befassen, wecken Sehnsucht nach Freiheit, Tapferkeit und Ungebundenheit ohne Ängstlichkeit. Ob die Vagabunden allerdings der Ansicht wie Astrid Lindgren & Co. sind, müsste man sie wohl beim nächsten Deal um einen Stutz fragen.
Ich bin ein Vagabund und stinke wie ein Hund aber dennoch habe ich genau wie du ein Mensch-seinsrecht und was machst du? behandelst mich ohne jegliches Recht sehr schlecht achtest meine Menschenwürde nicht wovon doch Gott schon in der Bibel spricht meine Haare sind verfilzt und ungewaschen du kennst mich nur mit leeren Flaschen meine Kleider sind arg zerlumpt und schon uralt im Winter ist es darin furchtbar kalt ich spüre viele böse Blicke und auch Hass du sprichst von zu Hause, wo ist denn das weißt du, wie schnell das alles geht und man auf der Straße lebt Familie kaputt und Geld und Arbeit weg da steckt du genau so tief im Dreck und lebst von dem Mitleid von einigen wenigen ohne zu beschönigen, von den Königen. Ich bin ein Vagabund und stinke wie ein Hund aber dennoch habe ich genau wie du ein Menschseinsrecht und was machst du? [Birgit Mertens]
Aus dem Leben eines Landstreichers Ich fand heut nacht ein Obdach aus Verfallenem Gemäuer Das Dunkel sah zum Fenster raus Es roch nach Spinne, Katz und Maus So trat ich ein in dieses Haus Und machte dort ein Feuer Das schönste Haus, das ich gesehn In meinem ganzen Leben Mit Dach, durch das die Winde wehn Mit Tür, der schon manch Leid geschehn Mit Wänden, die aus Stein bestehn Und Fenstern aus Spinnweben Dort legte ich mich auf den Bauch Und sah die Flammen steigen Der Windgott sang mit leisem Hauch Die Motten tanzten durch den Rauch Die Fledermäuse tanzten auch Mit Mäusen einen Reigen Bald tanzte gleichenschritts auch ich Im Reigen um das Feuer Die Gnomen lachten über mich Und fanden es recht wunderlich Die Mäuse, die verkrochen sich Und fanden’s nicht geheuer Doch sieh, es naht des Morgens Schein Die Nacht geht schon zu Ende Doch soll sie nicht die letzte sein Heut Abend kehr ich nochmals ein Dann ist das Obdach wieder mein Und diese alten Wände [Gereon Janzing]
Ein Vagabund ist allerdings nicht nur ein Mensch, der in den Landen herumzieht und Abenteuer erlebt. Der Begriff kann auch verwendet werden für ein Schiff, das mitsamt der Segelmannschaft gemietet werden kann. Der Vagabund ist sogar in der Küche anzutreffen, wo er in Form einer Maschine zuverlässig Getreide mühlt. [rg] > sehnsucht
vakuumverpackt Da staunt der ahnungslose Einkäufer, was nicht alles vakuumverpackt ist. Dass Trockenfrüchte, Tees oder Müeslimischungen in luftleeren Tüten von den Regalen in unsere Einkaufwägeli, von dort aufs Förderband, in die Einkaufstasche und später in hungrige Mäuler wandern, daran sind wir uns mittlerweile gewöhnt. Es existieren aber noch ganz andere vakuumverpackte Kuriositäten, über die unsere Ahnen verständnislos die Köpfe schütteln würden: Blütenpollen, Bregenzerwälder Bauernspeck, Kaninchen-Vorderfleisch mit Läufen, Käsespezialitäten, z.B. frische Mini-Röllchen Nature oder mit Holzasche bestreut, in Goldfolie vakuumverpackter Tabak; die Liste mit Artikeln, die ein Verbraucher des 21. Jahrhunderts nach Aufreissen der vakuumierten Verpackung mit absoluter Selbstverständlichkeit in sich hineinfrisst, liesse sich endlos erweitern. Lebensmittel müssen haltbar sein, damit arbeitstätige Mütter nicht mehr zweimal die Woche einkaufen müssen, sondern nur noch alle zwei Monate; Junggesellen bis zum nächsten Besuch der Oma über die Runden kommen und in Studenten-WG’s nicht nach kürzester Zeit die Würste davonkriechen oder das Brot in die Lüfte entschwebt. Die Ernährung im Rhythmus der Jahrezeiten existiert heute nur noch bei alternativen Aussteigern in den Bündner Bergen. Otto Normalverbraucher decken sich das ganze Jahr über mit Kiwis, geschmacklosen Orangen, sauren Trauben und mehr roten als aromatischen Tomaten ein. Und wenn die Bauern ihre Boskoop und Golden-delicious-Äpfel auf den Markt bringen, quengeln die Kinder nach Granny-smith-Äpfeln aus Neuseeland oder die preisbewussten Käufer greifen zu ausländischen Aktionen. Wenn mir dabei schon die Haare zu Berge stehen, fallen sie mir aus, wenn Kinder nicht mehr wissen, woher die Milch kommt, wo der Unterschied zwischen einem Schaf und einer Ziege liegt und dass für ihr abendliches Cordon bleu ein armes Schwein sein Leben lassen musste dabei finden sie Säuli ganz süsse Tiere, aber woher sollen sie wissen, was sie essen, wenn’s ihnen die Eltern nicht erklären? Oder machen auch die Eltern die Verbindung nicht mehr zwischen dem lebenden Tier und dem Stück Fleisch, das sie aus der edel verzierten Packung ziehen? Mangelt es ihnen an Fantasie oder schliessen sie Augen vor dem menschlichen, tierverachtenden Luxusanspruch? «Hätten Schlachthöfe Glaswände, würden viele kein Fleisch mehr essen» der Satz, obwohl oft zitiert und erschreckend wahr, gerät in Vergessenheit, sobald den Leuten das dampfende Fleisch oder die hübsch gegrillte Bratwurst in die Nase steigt. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn keiner mehr Gemüse und Früchte der Saison kauft. Lebensmittel in Konservendosen wer will denn heutzutage noch Karotten schälen oder Apfelmus selber machen? schrecken niemanden mehr ab, vakuumverpackter food, tiefgefrorene Pizzas, pesce und gelato all’italiano, getrocknete israelische Datteln, philippinische Mangos und brasilianische Bananen werden eilig über die Meere geschifft und durch die Lande gekarrt, damit man nie darauf verzichten muss. Gefeit vor jedem Altern und damit beinahe unverderblich sind Lebensmittel gewissermassen vom Leben entbunden. Kunstfood im new designten Zeitalter, in dem wir wohl, vollgestopft mit Medikamenten und lebensverlängernden Mittelchen, nur noch diese vitaminisierten und kalorienlosen, gentechveränderten Lebensmittel ertragen, da wir beim Anblick einer Raupe im Salat oder eines Würmchens in einer Zwetschge sofort tot umfallen würden. [rg]
Vakzine Impfstoff aus Krankheitserregern. Eine Vakzine gegen HIV sollte vorzugsweise sowohl eine humorale wie auch eine zelluläre Immunantwort auslösen. Momentan richten sich die meisten Anstrengungen darauf, eine potente zelluläre Immunantwort auszulösen. Replikationsdefekte Adenoviren stellen eine Möglichkeit dar, als Vektoren HIV-1 gag-Gene in den Menschen zu transferieren. Dort erfolgt dann die Bildung von gag-Protein, welches seinerseits eine Immunantwort gegen gag-Epitope auslösen kann. In Studien an Affen konnte gezeigt werden, daß adenovirale Vektoren, die das SIV-1 gag-Gen exprimieren, eine gag-spezifische CD4+ und CD8+ T Zell-Immunantwort auslösen können. Eine vorbestehende Immunantwort gegen den Vektor selber kann durch Verwendung einer hohen Vektordosis, durch die Verwendung eines Schimpansen-Adenovirus (LB Abstract # 4) oder den Einsatz eines «nackten» DNA- Vektors, der gag exprimiert, umgangen werden. 85 HIV-negative Freiwillige erhielten einen solchen DNA-Vektor (HIV-1 gag) in zwei verschiedenen Dosierungen mit jeweils 4 Injektionen über 26 Wochen, 24 Probanden erhielten Plazebo. Eine (allerdings nur mäßig stark ausgeprägte) gag-spezifische T-Zellantwort (festgestellt mittels ELISPOT-Test) konnte nur bei 16 von 38 Probanden in der höchsten Dosierung festgestellt werden, wie Emilio Emini (Merck) in seinem Plenarvortrag ausführte. In Rhesusaffen kann nach Gabe eines SIV-gag exprimierenden adenoviralen Vektors ein abgeschwächter Krankheitsverlauf nach intravenöser Infektion mit einem SHIV Isolat beobachtet werden. Aktuell berichtete Emini über Studien mit (replikationsdefekten) Adenovirus Typ 5-Vektoren, die ein Konsensus Clade B HIV-1 gag-Gen exprimieren. Diese Studien dienten der Dosisfindung, außerdem sollte untersucht werden, wie häufig zelluläre Immunantworten induziert werden können und wie breit diese Immunantworten angelegt sind. Außerdem sollte analysiert werden, ob eine vorbestehende Immunantwort gegen Adenoviren die Effizienz der Vektoren beeinträchtigt. In einer Phase I Studie erhielten 12 HIV-negative Freiwillige insgesamt dreimal adenovirale Vektoren appliziert, wobei Plazebo, 108, 109 und 1010 Partikel gegeben wurden. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, daß je mehr Vektorpartikel gegeben wurden, desto rascher eine CD8-Antwort beobachtet wurde. Die Applikation der Vektoren wurde bis auf eine gelegentliche Lokalreaktion an der Einstichstelle gut vertragen. Antikörper gegen den Vektor (z.B. nach früher durchgemachten Atemwegsinfektionen, welche die Effizienz des Vektors beeinträchtigen können) waren bei einem Teil der Patienten ab Woche 8 nachweisbar. Dabei konnte eine CD8-Antwort auch bei vorbestehenden Antikörpern bei Verwendung hoher Partikelmengen (1010) induziert werden. Interessanterweise war die Immunantwort nicht Clade B-spezifisch, sondern richtete sich auch gegen gag von Clade C- und Clade A-Viren. Eine Ausweitung der Studien unter Verwendung von pol und nef Genen ist geplant. Ausstehend sind die Ergebnisse nach Gabe von 1011 Partikeln sowie der Studien an HIV-infizierten Patienten hinsichtlich Sicherheit und Immunogenität, die mit Spannung erwartet werden dürfen.
Valentin, Karl & Keaton, Buster die meister der schrägsten analogiemissgeflicktheiten: wenn sprache und auftritt planeten bewegen könnten, dann hätten wir jetzt eitel sonnenschein. oder: wenn nullmetaphern (das dasein im glücksgefühl des überraschtseins durch die unübersetzbare abweichung im ‹normativem denk-strom (kurzschluss = überschluss)) ohne in erzählungen zu verenden alltag und erfüllung allen glücks würden: dann könnte ich mich doch auch wieder ohne sprache ausdrücken. [mvs: 030313 etc.] > marx brothers; unstimmigkeiten; die erleuchtende klorolle; metaphern; jean paul
Veloflickzeug vom aussterben bedroht: dieses nette kleine täschchen, meist unscheinbar grau, immer wie neu und selten gebraucht, mit zwei schlaufen hinter dem sattel von ja, doch meistens herrenvelos befestigt. damit der herr dann auf der velotour eventuelle platten beheben konnte. hätte beheben können. [lh]
das veloflickzeug gehört zu jedem velo das ist wie wenn der mensch mit einem sanitätskasten geboren würde. schräge analogie: die ‹natur› produziert ‹sanitätskästen› in generationenwechseln (anpassungen werden bei neuen ‹modellen› vorgenommen, der mensch flickt an allem herum: vergangenes, gegenwärtiges, zukünftiges wird behandelt). [pa/mvs: 020604]
Velopumpe
Velounfall so alle paar monate habe ich einen velounfall. ganz schnell geht das jeweils, man hat die kommende gefahr vielleicht noch für den bruchteil einer sekunde erkannt: die autotür, die jemand aufmacht, der pfosten zmitzt im weg, der lastwagen, der aus einer unübersichtlichen ausfahrt einem den weg abschneidet, dann kontrollverlust. asphalt. meist sind wir dann beide kaputt, das velo und ich, mehr oder weniger. in der nächsten kneipe lasse ich mich jeweils verarzten und verspreche dann immer, dass ich ein andermal auf ein bier vorbeikomme, aber irgendwie ist mir dann doch nie mehr danach. und so schreibt sich in meinem körper meine unfallbiographie ein, gebrochene knochen, schief zusammengewachsen, narben hier und dort, und eigentlich bin ich froh, dass ich immer wieder einigermassen zusammengewachsen bin. man ist ja doch so schnell dahin, als mensch. [lh]
verarbeiten Dieses Wort ist eines der beliebtesten in der Therapie, die davon ausgeht, dass ein Problem bis auf den Grund und für immer gelöst werden kann, je länger man therapiert (wird). Diesen Begriff kann die Mutter der ermordeten Pasquale Brumann (Mord von Zollikerberg, 1993) begreiflicherweise nicht mehr hören, weil das Wort so tut, wie sie in einem Gespräch erwähnt [cf. Weltwoche 3/2004, 40], als ob Gefühle Rohstoffe wären, die in eine nützliche Form oder ein gutes Produkt verarbeitet werden könnten. Doch Gefühle «sind nie endgültig, wechseln ständig Inhalt und Form. ‹Verarbeiten› ist oft nur der untaugliche Versuch, ein furchtbares Ereignis verdrängen zu wollen. Es geht einem jedoch bedeutend besser, wenn man lernt, mit dem Unabänderlichen zu leben, und es als Teil der eigenen Biografie in Erinnerung behält.» Dies ist eine kluge Bemerkung an die Adresse zu vieler verschlimmbessernden Therapeuten und anderer Sachverständiger, die Probleme immer gelöst haben wollen, um ihren Berufsstand und das dazu gehörende Ethos zu sichern! [ffv 18012004]
Verband & Verband, verbinden 2
Verbot
Verfärbung
Verfahren, jungen Wein alt zu machen Man setzt den Wein der Kälte aus, ohne ihn gefrieren zu lassen, bringt ihn in kleine 34 oder grössere 136 Liter haltende Fässer in ein heizbares, mit Thermometer versehenes Parterrelokal; Thüren und Fenster lässt man offen, so lange die Temperatur der äusseren Luft niedriger, als die im Lokale ist, ohne jedoch unter 4,5° Réaumur zu sinken. Sobald jedoch die äussere Temperatur über die innere steigt, sind nicht allein Thüren und Fenster zu verschliessen, sondern auch mit Strohmatten zu verhängen. Wenn die Temperatur in dem Lokale unter 4,5° R. sinkt, so heizt man so viel ein, als nöthig ist, um die Temperatur nicht noch tiefer sinken zu lassen. Überhaupt kommt es hierbei darauf an, den Wein so lange als möglich einer Temperatur auszusetzen, welche 4,5° R. nahe kommt, da bei einer Wärme unter +5° R. und einer Kälte bis zu 4,5° R. in kurzer Zeit eine grössere Abscheidung der in dem Wein gelösten stickstoffhaltigen Materien stattfindet, als bei gewöhnlicher Kellertemperatur in einem Jahr. [E. Schrader: Bewährte Recepte für Haus- u. Landwirtschaft, Mühlheim a. d. Ruhr]
Vergebung vergessen vergessen ist eine hinterlistige angelegenheit. jetzt wurde ich von einem telefonat (?was für ein wort?) unterbrochen. später mehr. je mehr man vergisst, desto komplexer wird der diskurs (vergessen vernichtet nicht, es ist (das vergessene) nur nicht gegenwärtig ‹es› wird wieder auftauchen, aufschauen, erscheinen: sagt man dem ‹es› (jetzt existentialien? = anwesend, grundsätzlich), auch wenn man sie (die oder das ‹esse›?) nicht wahrnimmt? ein gutes beispiel dafür ist: je theoretischer das nachdenken über vergessen wird, desto vergesslicher wird das nachdenken wenn das nachdenken aber auf bilder stösst, dann wird es unvergesslich (eine gewagte behauptung, eingestanden, aber was sonst ersetzt das brummen des frühkindlich wahrgenommenen teddybären?: ich brumme, stimme sei dank, heute noch wie ein teddybär. in aller selbstvergessenheit.) dazu (zum ‹es› = ‹esse›) gibt es keine vergesslichkeit. ‹esse› ist der permanentflick ohne flickhandbuch. geflickt ist ‹es› aber in permanenz (perpetuitiv). [mvs: 030505] > freud, sigmund; perpetuum mobile
verkachelt siehe diplomatie & vice versa [mvs: 020606] > unstimmigkeiten verkommen ich möcht so sehr verkommen sein, dann könnt mich keiner flicken. [mvs: 030619] > stimmigkeiten; lichtenberg; irreführung; missverständnis; anarchie; unsinn vögelt sinn: zwillinge!
verlassen «Sie hat mich nach 25 Jahren verlassen! Ich habe zurzeit den Boden unter den Füssen verloren. Wer würde mich in seinen Freundeskreis einführen? Suche keine neue Ehe, aber eine Freundschaft oder ein aufgestellter neuer Freundeskreis wäre toll. Ich mag alle geselligen Unternehmungen, nur das Tanzen bereitet mir noch etwas Mühe. Wie wärs mit einem Tanzkurs? Sendet mir bitte eure Vorschläge.» [verlassen@planet.lost] das horoskop für fische gleichen tags lautet: «Was Sie wollen, können Sie auch in die Tat umsetzen». und für waage: «Heute träumen Sie lieber ein bisschen, als dass Sie sich um die Anforderungen des Alltags kümmern». was soll man da sagen?: ich sags mit wassermann: «Finden Sie einen geschickten Mittelweg zwischen Aktiv und Passiv!» [lit.: tagblatt der stadt zürich, 27.11.2003]® [mvs: 031210] > un-stimmigkeiten; trost
verliebt (Augenblick) wenn ich verliebt bin, dann versuche ich erst mal zu brillieren, ganz pavlowsch+superreflektiert, als ob es nur bunte federn gäb, durch erfahrung zwar nicht klug geworden, aber ein bisschen entfedert, versuch ich mit den bunten federn auch noch die fleckflickfedern (mauser) mitzuliefern, damit die ganz groben flicke nicht so auffallen. die ganz groben flicke fallen aber, je besser vermausert, desto besser auf: sie glänzen in der abendsonne ganz besonders. und dann, auf die wortwasserfälle, die verlegen vor sich (?) herabstürzen, sind die augenblicke die lackmusprobe : wer sich in die augen schauen kann und dann noch liebt, ist gerettet (und verliebt). und vor allem: wer im verliebtsein noch gscheite texte schreiben will, soll sich das im glück nochmals anschauen: ist alles pürzelbaum. chomm, gang jetzt hei go liebesbrief schriibe: das isch viel gschiider. [mvs: 030627] > stimmigkeiten; lichtenberg; jean paul; roland barthes; stendhal; de l’amour: über die lemuren; (miss)verständnis; anarchie; mauser; augenblick
Verschleiss Es gibt einen feinen Unterschied zwischen Gebrauch, Verbrauch und Verschleiss. Während etwas, was im Gebrauch ist, genutzt wird, wird etwas, das im Verbrauch ist, abgenutzt. Es löst sich zusehends auf durch den Gebrauch. Der Verschleiss seinerseits ist nochmals eine Stufe stärker: hier wird das Abgenutzte verschlissen, also bis auf die Fasern gespalten, zerrissen und aufgebraucht. Hier schwingt gar eine Prise Absicht, ja mutwillige Zerstörung mit. Verschlissenes ist irreparabel, während Verbrauchtes aufgrund der Reststruktur wieder halbwegs in Stand gestellt werden kann. [ffv 28122003]
verschlimmbessern was in der schule den lehrern ein liebes wort ist, ist den schülern die bestätigung dafür, dass die unsicherheit, in der sie schwebten, berechtigt war. das merkt man meistens erst, wenn man nicht mehr zur schule geht. man könnte ebensogut sagen, dass der lehrer den stoff konfus vermittelt hat und er seine methodik, naja, was nun: überdenken könnte. [mvs: 030702] > autokorrektur
Verschwörungstheorien wenn information oder wissen von herrschender seite als einzige wahrheit dargestellt wird, sich also dem diskurs des fragens und zweifelns zu entziehen sucht, oder wenn etwas so unglaublich scheint, dass es in das vorhandene denkgebäude nicht zu integrieren ist, dann treten die verschwörungstheoretiker auf. recht haben sie immer in bezug auf das denkverbot: wo denken auf befehl ausgeklammert werden soll, stimmt etwas nicht. die vielfalt und widersprüchlichkeit der gegendarstellungen der verschwörungstheoretiker lässt jedoch vermuten, dass auch bei ihnen nicht hochgradig reflektierte motive anlass zum widerspruch sind, sondern dass sie ihr weltbild retten möchten. einige rezente fälle, die noch auf klärung warten: die ermordung von john f. kennedy, die mondlandung (auf dem mond oder in der wüste nevada nachgestellt), alle UFO-ereignisse und die twin towers. [mvs: 040115] > paranoia; fleck, der blinde; röhrenblick
verschwunden, (temporär?) «How are you? I am ok.» «Wie geht es Dir? Mir geht es gut.» die zeitlücke flicken, nicht unbedingt erzählen, was da sich alles ereignet hat. bei katzen hat paul leyhausen das als ‹übergangsschnuppern› bezeichnet wenns den katzen so ein bisschen peinlich oder unangenehm wird, wenn sie eine situation ‹entfliehend› flicken müssen, dann schnuppern sie ein bisschen an der umgebung rum, tun als ob nichts wichtiges los wär. und hoffen, dass nachher alles wieder seinen ‹normalen lauf› nimmt. [mvs: 031104] > übergangsschnuppern
Versicherung Versprechen, Wahl -(Wahlprogramme) gesehen am TV : tony blair erklärt den briten vollmundig, warum der krieg im irak für alle lebensnotwendig ist etc. am 15.02.2003: unten an seinem rednerpult und im hintergrund gross, steht geschrieben: «more teachers more nurses more police» wundersam, wahrlich. [mvs: 030215] > siehe diplomatie & vice versa
versüssen
Virginität herstellen das bestehen (der männer) auf virginität der jungfrauen hat zu vielen flickvarianten geführt: die frauen haben das, gewitzt und klug wie sie waren und sind, ja nicht in büchern publiziert. von zweiter hand kann man das bei bocchiaccio und anderen nachlesen (reinheitswahn der männer). [mvs: 030422] > putzsucht; reinheitswahn der männer; reinheitsgebot; wissenschaftsbetrug; unschuld, versehrte
Vogel-Strauss-Politik
Volkslieder De Polizist het es Loch im Pnöö / mier flickets mit eme Schigg. [Kinderlied] Der Pfaunnenflicker Ein jeda, dea sein Gschäft vasteht, dea leidet keine Not. Wea fleißig flicken geht, verdient sein täglich Brot. Der Pfåunnenflicker, der zieht hinaus und schreit sein «Flick, flick, flick» von Haus zu Haus.
Da kam er in die Stadt hinein zu einem großen Haus, Da schaut bei einem Fenstallein a schwoarzbrauns Madl heraus. Oh Pfåunnenflicker, komm nur herein, es wiard schon wås bei der Nåcht zum Flicken sein.
Das Mädchen bracht ein Pfänndlein, das war bedeckt mit Ruß. Darinnen war ein Löchlein, so groß wie eine Nuß. Oh Pfåunnenflicker, nimm dich in åcht, daß du dås Loch bei da Nacht net greßa måchst.
Und åls dånn die Oarbat fertig woa, die Pfåunn woa wieda gflickt. Da hat sie ihm ein Silberstück wohl in die Hand gedrückt. Dea Pfåunnenflicker schwingt sein Huat und sagt «Adjö, mein Schåtz, dea Flick sitzt guat.»
Aba åls dånn nåch dreiviartl Joahr die Pfåunn woa wieda hin. Er håt a schlechtes Lötzeug ghåbt, jå weil s schon wieda rinnt. Oh Pfåunnenflicker, komm doch zurück, daß du dås Loch bei da Nåcht noch oamål flickst. Oh Pfåunnenflicker, komm doch zurück, daß du dås Loch bei da Nåcht noch besser flickst. [Aus der Sammlung Karl Liebleitner, Wien 1914 Volkskultur Niederösterreich NÖ Volksliedarchiv A 419/24]
Vom Flicken in Müllers Hausmütterchen «Wie viel kann durch pünktliches Flicken erspart werden? Eine Frage, die in der Hand einer sparsamen, verständigen Hausmutter eine wahre Goldgrube ist, d.h. in ihrem Haushalte. Darum ist dies eines der ersten und nothwendigsten Fächer, welches die Reihe der weiblichen Hand-arbeiten aufweist. Vor Allem ist zu einem guten Erfolg im Kleiderflicken nicht nur Erfahrung im blossen Stück-einset-zen nöthig, sondern überhaupt eine genaue Kenntnis von dem Zusammenfügen aller der verschiedenen Kleidungs-stücke und deshalb soll man etwas vom Kleidermachen verstehen, auch wenn man nicht geneigt ist, die Scheere an neue Stoffe anzulegen. Es kann gar manches Alte in ein anderes Kleidungsstück verwandelt und so Alles bis auf den letzten Faden aufgebraucht werden. Das heisst «Haufen», zum Flicken der Leibwäsche muss man stets den Lauf des Stofffadens im Auge behalten. Man schneide genau und fadengerade das blöde Stück heraus und richte so genau den Einsatz. Zum Einsatz wähle man, wenn möglich ein Stück, welches noch so gut sein mag, wie das zu flickende an den stärksten Stellen; so dass man denken kann, dass Alles miteinander aufgehe.» [Müller, Susanna: Das fleissige Hausmütterchen. Zürich 1899, 157]
vorher/nachher Vergleichsbilder sind beliebt, weil sich in den Fotos zuallererst die Glaubwürdigkeit spiegelt. Der Vergleich zwischen einem Anfangs- und einem Endzustand impliziert eine magische Mitte. In dieser Zwischenzeit muss etwas Unfassliches, Zauberhaftes passiert sein. Diese Lücke ist prädestiniert für eine entsprechende Werbung, die der Magie einen realen (Produkte)namen verleiht. Bekannt sind solche Bilder vor allem von Schlank-heits- und Fastenkuren, von Enthaarungen und Be-haarungen durch Haarwuchsmitteln, von Schönheits-operationen und gar Geschlechtsumwandlungen. Hierin lässt sich mit dem Vergleich der Erfolg unmittelbar illustrieren. Weniger bekannt dürften Vergleichsbilder sein, die z.B. bauliche Veränderungen im ländlichen Umfeld dokumentieren, wie also an Stelle einer Häuserzeile mit Riegelbauten plötzlich eine postmoderne Glasfassade steht, oder wie Strassenschneisen eine ehemalige Landwirtschaftszone durchfurchen, oder wie im privaten Umfeld: das dunkle Plumpsklo mutiert in einen kristallklaren Baderaum. Man könnte annehmen, dass in dieser zeitlichen Dauer eine Horde Heinzelmännchen Flick- und Veränderungsarbeit leisten. Ob das Endergebnis im Sinne eines gelungen Erfolges auch die Zeit überdauert, ist nicht in jedem Fall zu eruieren. Doch ist offensichtlich, dass VorherNachher-Bilder stets davon ausgehen, dass das Nachher als Wunschzustand der bessere ist und dass sich die Arbeit am Objekt und Subjekt gelohnt hat. Unter das Rubrum gibt es noch mehr zu subsumieren, das eher den ursprünglichen Zustand als nativen Ursprung idealisiert: z.B. Kindheitsfotos, auf denen der Protagonist zum Mörder, zum Verbrecher, zur Terroristin wird. Dieses Abbild einer heilen Welt verstärkt um so mehr die Fragen, warum es soweit kommen konnte. Hier wird nicht mehr die Frage nach dem magischen Flick aufgeworfen, sondern nach dem Auslöser für die schiefe Bahn. Hier hat sich etwas während der Zeit verschlimmbessert. [ffv 10022003]
Voodoo die zauberkunst, die das leben beeinflusst. [mvs: 030308] > zombies, horoskop |