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Sabberlätzchen Sabberlätzchen verzücken in ihren verschiedensten Formen und Farben sowohl Grosseltern, die an ihre Enkel denken, aber auch Kinder, die die Kleidungsstücke ihren Puppen umbinden. Geht es allerdings darum, diese Dinger mit den unauswaschbaren Flecken drauf selber anzuziehen, geht das grosse Geschrei los. Vielleicht versuchen die Hersteller Müttern das Leben zu erleichtern, indem sie Winnie-the-Pooh-, Felix-, oder Sesam-strasse-lätzchen fabrizieren. Nähtalente und Geburts-tags-geschenk-Einfaltlose machen sich selber ans Werk und kreieren Lätzchen mit «Zügli» drauf, mit quietschenden Viechern oder blinkenden Lämpchen. Hat man den Kinder nicht irgendwann einmal beigebracht, beim Essen nicht zu spielen? Sind Eltern heute derart am Ende mit der Kindererziehungs-Philosophie, dass sie sich zum Ziel setzen, wenigstens in Ruhe essen zu können? Und warum eigentlich, haben die grossen Designer das Lätz-chen noch nicht entdeckt? Zwar laufen kleine Knirpse in Versace-Skijacken und Dolce&Gabbana-Röckchen auf den Brettern der Welt herum; doch hat schon einmal irgendeiner einen Schreihals in einem Tommy Hilfer-Lätzchen oder einem Armani-Sabber-lappen gesehen? Wohl wollen die grossen Mödeschöpfer jede noch so kleine Marktlücke stopfen; doch Kleider herstellen mit dem einzigen Ziel, sie zu verflecken, wäre ein bisschen zu viel verlangt. Was solls, überlassen wir die Sabber-lätzchen-Produktion Epa, ABM, Jumbo und den lieben Grossmüttern! Dann können wir uns wenigstens eine kleine Kollektion leisten und müssen nicht mit fünfzehn zu sparen beginnen, um unseren Kindern mit fünfunddreissig ein anständiges Lätzchen kaufen zu können. [rg] > erziehung
Sackhegel wenn der machismo ein bisschen leidet, kann mann als überlebensstrategie immer noch den sackhegel hervorzaubern: wie wirr dieses flickwerk im geiste der anwendenden operiert, ist mir zwar ein rätzel, aber es scheint manchmal zu funktionieren. [nicht zu verwechseln mit dem ‹taschen-hegel› aus der bücherei für frontsoldaten: dort war dieser (der ‹weltgeist›-hegel) nicht sonderlich beliebt. seltsam bleibt aber diese bibliothek ohnehin: wer hat diese flick-bücherei zur geistigen erfrischung zusammengestellt? und könnte die bücherliste aufschluss geben über erwartete, präventiv durch leseanregung verhinderte, geistesschäden? oder gar: präventiv aufstand verhindern?] [mvs: 030211] > l.h.o.o.q.
Safety pin Punk culture die sicherheitsnadel gehörte bei den frühen punks genauso zur ikonologie wie der haarschnitt, die abgewrackten kleider und die ‹stümperhafte› musik. die ideologie des schönen und edlen wurde durch die einfache umkehrung blossgestellt: wer nicht ist, was er ist, ist falscher als die ungebildeten, rohen. die sich als kulturträger aufführen, ohne die ‹kultur›, die sie vertreten, zu hinterfragen, sind die entfremdeten maskenträger erstarrter gesellschaftsformen. (interessant wär da noch c. levi-strauss: «das rohe und das gekochte»: die differenz des ‹kultivierten› zum ‹unkultivierten› und adornos ‹ästhetische theorie›. (greil marcus und seine konstruktion von «kultur» aus zusammengeklitterten versatz- und fundstücken können wir da mal vorerst weglassen.) das notdürftig geflickte beschädigte leben als gegenentwurf zur hightech-gesellschaft auf die strasse zu tragen hat möglicherweise mehr mit adorno zu tun als adorno sich je eingestanden hätte es hat adorno dahingestellt, wo sein kulturpessimismus sich als richtig erwies: auf die strasse. die barbarei ist resultat eines dialektischen diskurses, auch wenn man solche worte bei den punks nicht gern gehört hätte oder schlicht ausgebuht worden wäre. barbarei ist nicht ein vorkultureller zustand, er ist der zustand sich auflösender gesellschaften und kulturen mithin auch vom versagen der kulturen unabsichtlich, durch defekte der wahrnehmung, röhrenblick, mitbestimmt und mitverunfallt. dass die andere seite des von adorno kritisierten kulturwesens dann auch punk in die popkultur verwurstet hat (und die kulturindustrie als mächtige kulturdestruktionsmaschine bestätigt hat), soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass bis heute eine subkultur weiterhin auf ‹beschädigtem leben› besteht : nicht weil es spass macht, sondern weil es eine unübersehbare realität ist. [mvs: 020604] > der unfall der polis, und wie die demokratie sie flickte. ein märchen
Samariter anleitung zur improvisation von transportmitteln (überreicht vom schweiz. samariterbund anlässlich der teilnahme am samariterhilfslehrerkurs spiez 1955). da heisst es dann in der einleitung z.b.:«in recht vielen fällen kann man sich nur mit einer improvisation behelfen. die ausbildung der samariter auf diesem gebiet ist deshalb nach wie vor unbedingt nötig.» (ist das nicht paradox?) «das gründliche erlernen der improvisationen hat aber auch noch einen nicht zu unterschätzenden erzieherischen wert. der samariter lernt dabei mit wenig mitteln zweckmässig arbeiten und wird so nach und nach in die lage versetzt, sich überall und in jeder situation zu helfen. es ist hier wie auf allen andern gebieten: die uebung macht den meister.» die perfektion des improvisierens, für alle fälle gewappnet sein. und dann kommt ein akribisches aufzählen aller möglichen und unmöglichen situationen, in denen transportmittel gebastelt werden können müssten: tragen und bahren aus stühlen mit stangen und seilen, komplizierten geflechten, decken und matten. (mein lieblingsgerät ist die fahrradbahre auf s. 126: zwei velos parallel, durch ein viereck aus verstrebten holzstangen stabilisiert, 115 mal 245 cm.) dann zeichnungen zur illustration des korrekten anwendens, das heisst tragen des patienten, der dann wohl schon längst tot wär. (es würde mich schon sehr wundernehmen, ob jemals irgendwo so ein ding gebaut wurde und wozu, aber darüber sagt keiner nichts.) [lh] > sanität
Samariter (Erste Hilfe) ja, wenn hilfe erst käme, dann wären wir schon gerettet. die samariter wissen meist sehr zu genau, wo sie sind, so in ihrer pflichterfüllung. nur, da ist zwar ein unfall. [mvs: 020606] > schön trinken; valentin, karl; keaton, buster
sändele & schüfele so schön ist das leben, bevor die grosse welle kommt. und nach jeder welle wird wieder aufgebaut: cf. erd-beben, lawinen, waldbrände, flutwellen, kriege, liebesdesaster. [mvs: 020606] > utopien, geflickt; kindergarten
sanieren (lat.) gesund machen, heilen. 1. (med.) einen Krankheitsherd (operativ) beseitigen. 2. (bes. beim Militär) nach dem Geschlechtsverkehr die Harnröhre mit einer desinfizierenden Lösung spülen, um eventuell vorhandene Geschlechtskrankheiten abzutöten. 3. einem Unternehmen o. ä. durch Massnahmen aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten heraushelfen. 4. wirtschaftlich gesunden, eine wirtschaftliche Krise überwinden. 5. (ugs.) mit Manipulationen den bestmöglichen Gewinn aus einem Unternehmen oder einer Position herausholen (und sich dann zurückziehen).
Sanität Satyre «Die erste Satyre wurde gewiss aus Rache gemacht. Sie zu Besserung seines Neben-Menschen gegen die Laster und nicht gegen den Lasterhaften zu gebrauchen, ist schon ein geleckter abgekühlter zahm gemachter Gedanke.» [Georg Christoph Lichtenberg]
Sätzli, mach doch no äs «und jetzt mach doch no äs sätzli druus.» wenn alles klar ist, aber nicht der grammatik der erziehenden entspricht, dann wird nach einem grammatikschönheitspflästerchen gerufen. die not des verständnisses liegt nicht bei dem ‹nöd äs sätzli› gemachthabenden, sondern bei den in bezug auf etwas erziehenden, die die grammatik (die sprachliche äusserung) als ein machtkonstituierendes zwar verinnerlicht haben, aber nicht reflektieren können oder wollen. subversiv ist dann, in aller erziehungswürdigenden ‹wissen ist macht, und grammatik ist der erste schritt dazu› respektfülligkeit, dass völlig andere lebensweisen andere sprachen finden. das ist nicht neu, aber einige, die durch sprachen gekrochen sind wie durch wüsten ohne fata morganas (was schlimmeres lässt sich vorstellen!), sind wieder zu sprache gekommen. nur nicht mit den sätzlis, da hapert es noch ein bisschen. [mvs: 030606] > schlaflieder; erziehung
Schaden, schaden
Schadenersatz Selbstgestrickte Kindersocken gehen meist dadurch auch kaputt, weil die Füsse länger wachsen und die Spannkraft und die Wildheit der Kinder die Socken ausdehnen und das Gewebe ausdünnen. In diesem Fall trennt man den kaputten Teil ab und flickt sie, in dem gleich ein paar Reihen mehr angestrickt werden, damit die Füsse wieder hineinpassen. [ffv 12022003]
Schandfleck, Schandmal
Scharfrichter Ædeath poems, mikrophysik der macht
Schifffahrt die existenzielle situation. [mvs: 030621] > robinson crusoe; schiffbruch; seenot; bordapotheke
Schlaflied, Lullaby, Berceuse schlaflieder sind die schönsten präventivrituale: dass ja nichts schlimmes in der seelenwelt des kindes geschehe (und dass die eltern wieder mal durchschlafen können). warum es dann doch immer wieder zu albträumen kommt, hängt wohl mit der konstitution der seele und dem alltag zusammen. oder so. das kind fühlt, dass etwas schlimmes bevorstehen wird, wenn es präventiv so sehr besänftigt werden muss.
nighty night, my lovely there are no wolves, there are no bears we’re living in a city
the kinky hoes, our neighbours’ wives are busy with the dickies
the problems here, which we now face are: first we have no rhyme and second: your fucking teddybear is leaking!
you’d better sleep now pal! [mvs: 030607 etc.] > abhalftern; märchen; psychoanalyse; lullaby; lewis caroll; revolution; grundsätzlich: kids are a nuisance & life sucks
Scheff (le chef) der scheff weiss a priori alles besser und ist drum das beste verbesserflickwerkzeug aller zeiten. der scheff ist wegen seiner position wegen selten wegen seines missverhaltens wegens infrage gestellt (manchmal aber trotz allem wegen beiden wegens). der scheff ist das sich selbst für immerdar unfehlbare selbstreparierwerkzeug. der scheff ist der ultimate flick auf allem, was in die hose geht. seltsamerweise wird der chef selten geliebt.
Scheibenwischer Schiedsgericht Schluckauf Jeder kennt dieses nervige Gehickse, dem Herr oder Frau zu werden, gar nicht einfach ist. Beim Schluckauf zieht sich die Atemmuskulatur während des Einatmens ganz plötzlich zusammen. Kurz nachdem sich die Muskeln in Bewegung gesetzt haben, schliesst sich die Stimmritze im Kehlkopf und produziert damit den typischen Hickslaut. Nach einer neuen Theorie französischer Forscher ist das Hicksen ein Überbleibsel der Evolution. Der eigentlich nutzlose Reflex habe sich erhalten, weil er Babys beim Saugen helfe. Was tut man gegen die von den Schweizern liebevoll ‹Hitzgi› genannte Atemstörung? Die Vorgehensweisen sind sehr individuell und hängen von Beweglichkeit und Geschmack ab. Die Massnahmen reichen von auf dem Kopf stehend ein Glas Wasser trinken, Zucker essen, die Luft anhalten, Essig trinken, sich selbst auf die Augäpfel drücken, an seiner Zunge ziehen, bis zum Versuch, sich selbst zu erschrecken (Achtung: gelingt nicht immer). Die einzige wissenschaftlich gesicherte Methode gegen Schluckauf ist laut «New Scientist», in eine Papiertüte zu atmen und so den Kohlendioxidgehalt im Blut zu erhöhen. Die Frequenz der wiederkehrenden Hickser ist bei jedem unterschiedlich. Sie reicht von 460 mal pro Minute bis 100 mal pro Minute. [rg] Schmerzensgeld schöne Leich wie schön wird die leich hergerichtet, damit wir (die überlebenden) noch ein bisschen länger ‹hässlich› dahinleben können. so schön wie die ‹schöne leich› sind wir im ‹leben› ja nie. das könnte man ja als ‹ausschlussflick› bezeichnen: postum wird geklittert, dass die leute selbst im leben akzeptabel werden. (na ja: pampers kommen in biographien auch selten vor.) hier darf man ja wohl auch den nekrolog erwähnen: die schönrednerei des ‹nil nisi bene›. aber ich nehm mal an, dass das den jeweils betroffenen eh wurst ist sonst würden ja sargdeckel reihenweise aufknallen und die betroffenen würden brüllen. oder auch nicht: vielleicht geht da in den kisten erst recht das grosse gekicher los. wer weiss. [mvs:030213] > schweigen; nekrolog; das zunähen der leiche; obduktion Schongang 1 Schonen ist der erste Akt, um das Reparieren hinauszuzögern. So schont man das Neue, wenn es in Mode ist und nimmt es als exquisites Relikt, wenn es out-of-fashion ist. Oder man trägt die Socken und die Wäsche aus, bis sie wahrlich zerfasern. Das alte Gewebe liegt einfach gut auf der Haut und man muss nicht lange überlegen, was man hat und anzieht; es ist praktisch die zweite Haut, die man kennt. Weil es nichts Aussergewöhnliches war, täglich mehrere Kilometer zu Fuss zurückzulegen, waren auch die Sohlen entsprechend schnell abgelaufen. Um die Re-paraturen hinauszuzögern, wurden die Sohlen an Spitzen und Absätzen mit Eisen beschlagen. Auch weitere Schonelemente gibt es kaum mehr: der abnehmbare Kragen, der Bleistiftverlängerer, die Buchhülle, der Ärmel-schoner, die Bartbinde, die Duschhaube, die Kra-wattennadel, die Gamaschen, die Hosenstoss-klammer. [ffv 14022003]
Schongang 2 Der Alltagsmensch macht nach wie vor einen grossen Unterschied zwischen dem Alltagsbesteck und -geschirr und demjenigen, das er am Sonntag oder zu Fest-anlässen aufdeckt. Die soziale Gebrauchsweise impliziert, dass bestimmte Gegenstände geschont und gehortet werden, damit sie zum Festanlass nicht nur vollständig und im ursprünglichen Glanz gebraucht werden können, sondern auch aufgrund ihrer seltenen Sichtbarkeit und ihres exquisiten Gebrauchs den festlichen Charakter erst mitbegründen. Die Aura, die dem gehorteten und damit zumeist leicht angestaubten Sonntagsgeschirr zugeschrieben wird, ist damit auch der Hinweis, dass man durchaus gewillt und fähig war, zu bestimmten Anlässen aus der Welt der selbstauferlegten Armut, Sparsamkeit und Bescheidenheit auszubrechen, und mit ‹goldener› Kelle anzurühren verstand. [ffv 15022003]
Schönheitschirurgie Schönheitspflaster schöntrinken das flickkästchen der triebnot: könig alkohol verhilft männig- und frauelich zu hormonentlastungsf(l)icken und morgenerstaunen: oh je, na sowas. in homöopathischen dosen scheint es doch die gesellschaft am fortpflanzen zu befördern. und auch das kinderlied: «morgä früä wännt zunnä lacht» kommt hier noch zu einem weiteren sinnzusammenhangpurzelbaum : die sonne lacht auch dann (falls es ihr grad beliebt), wenn anderen das lachen längst vergangen ist. [mvs:030422] > erste hilfe, samariter; geburtenrate; wilhelm reich: orgasmus; morgä früa wännt zunnä lacht; antibabypille; arbeitslosenquote Schramme Schreibfehler usw. schreiben: vom runenkritzen, zur handschrift auf papier, zur schreibmaschine, zum computer: mit ihnen verändern sich auch die fehlermöglichkeiten und die korrekturmöglichkeiten (ebenso die fälschungsmöglichkeiten). ausmeisseln, radiergummi, tipp-ex, errata-beilagen, delete: auch die fähigkeiten der schreibenden müssen sich entsprechend verändern. von stein kaputt, papier durchgerubbelt, tipp-ex zu pastös und softwareabsturz gibt es viele irreparable ‹systemabstürze› : gedächtnisverluste verschiedener art mit demselben ergebnis: zurück bleibt material, das an etwas mögliches (potentiell) erinnert aber das mögliche substantiell) vergessen hat. [mvs: 020503] > gedächtnis, amnesie, stottern, floskeln; korrektur; erratum
schrottreif wenns dann gar nichts mehr zu flicken gibt, dann ist die sache reif für den schrott. Ætautologie Schuemächerli, Schuemächerli Schuemächerli, Schuemächerli, was choschte mini Schue? / Drü Bätzeli, drü Bätzeli und d’Nägeli derzue. [Kinderlied]
Schulthek non pro scola, pro vita discimus, oder so hab auch diese kulturruine schon nur noch ungeflickt im gedächtnis, könnt sie, mit etwas nachdenken, auch perfekt flicken, will das aber nicht: der zerfall, das abbrösmeln der im schulthek verwahrten weisheiten ist mir ebensolieb wie die im schulthek zerbrösmeleten butterbrote, die verschimmelten orangen, die ausgelaufenen füllhalter (sagt man dem tatsächlich so: füllhalter? wunderlich : sind schüler nicht auch zu füllende halter von irgendwas?). und um dem schulthek jetzt in diesem diskurs noch zu irgendeinem sinn zu verhelfen: die mädchen hatten rindslederne, enthaarte, gefärbte (blau und rot ge-schminkte) theks, die buben rindslederne, mit haaren bestückte (und meiner war so schön weissschwarz gemustert, dass ich ihn immer entziffern wollte, als seis ein in rindersprache geschriebener text). (ein bisschen anachronistisch heute: nicht nur die frauen enthaaren sich alles von bein, achselhöhle (platos höhlengleichnis! & ‹mehr licht!›, goethe), schamhaar und schnauz auch männer scheinen vom klassisch italiänischen sackkratzer zu kultivierten sackhaarrasierern zu mutieren. wie das in den schulthek passt, ist mir zwar nicht ganz klar, aber schon einleuchtend. und ja, nicht vergessen: bei sensibler haut ist das nicht zu empfehlen.) wittgenstein: «worüber man nicht sprechen kann, darüber soll man schweigen.» (‹vorgang eventuell wiederholen›.) [mvs: 031210] > lernen; wittgenstein; mode; enthaarungscreme; boboli garten; die welt vor füssen; redundanz
Schweigegeld
Schweigen: ein Philosophietrick «reden ist silber, schweigen ist gold.» wittgenstein: «worüber man nicht sprechen kann, darüber soll man schweigen.» (‹vorgang eventuell wiederholen›.)
ob schweigen flickwerk ist oder die einzige richtige antwort: beim sprichwort scheint es die bessere, gelungere möglichkeit aufzuzeigen, ein verbesserungsvorschlag zu einem weniger gelungenen verhalten. bei wittgenstein stellt das schweigen nicht die rede in frage: er definiert nur die einsatzgebiete zweier, auf je verschiedene fragestellungen angewandte, gleichwertige verhaltensweisen. in diesem sinne ist er auch nicht am flicken. dass der ganze «tractatus philosophicus» ein flickversuch am abendländischen denken darstellt und wittgenstein selbst diesen versuch später wieder mit neuen arbeiten infrage gestellt hat, macht deutlich, wie sehr auch philosophie eine baustelle ist. und ich spreche gerne das unsprechbare. alle sprechen, immer, das unsprechbare, gäll. [mvs: 020604etc.] > psychoanalyse; freud, sigmund; stempelfarbe, entfernen von; franz kafka: strafkolonie; oskar panizza
Schweissnaht Die Flicktechniken orientieren sich an den jeweiligen zeitgenössischen Handwerkertechniken. Der Herstel-lung-sort ist also auch der Flickort, wenn auch, bei grösseren Produktionsstätten und Industrien, in einer anderen Abteilung oder, bei Konzernen mit einer grossen Produktepalette, in (supra)nationalen spezialisierten Service- und Reparaturfabriken. Daraus folgt eine Wechsel-wirkung, wobei in der Produktion die Fehler-quelle ausgemerzt wird (positiver Einfluss) oder die Sollbruchstelle verdeutlicht werden kann (negativer Einfluss). In der Folge kann man drei wesentliche Flick-orte unterscheiden: • bei sich zu Hause, eigene Flickmöglichkeiten, unterstützt durch Hobbymärkte und angeeignetes Spezial- und Fachwissen. Eine Subgruppe wäre der Einbezug spezialisierter Techniker, die den Schaden vor Ort im Sinne einer (Ent)störarbeit verrichten und damit das Image der Firma im Sinne eines Kundendienstes sicherstellen. • in der Reparaturwerkstatt des Geschäfts, wo man als Angestellter arbeitet, und dort bestimmte Anlagen zur Verfügung hat, die eine präzisere Flickarbeit zulassen. Allenfalls können auch SpezialistInnen der Firma gegen ein kleines Entgelt, im Sinne eines Freundschaftsdienstes gegen eine Flasche Wein etc. beauftragt oder aus Gefälligkeit aufgrund des gegenseitigen, zukunftsträchtigen ‹Geschäftes› (do ut des), im Hinblick auf eine solidarische Haftung und ein langlebiges Einvernehmen, ausgeführt werden. Eine neuere Form der temporären Indienstnahme und Nutzung von Betriebseinrichtungen sind so genannte Tauschkreise, wo die Ressourcen in einem Tauschpool zur Verfügung gestellt werden, ohne dass ein bilaterales Geschäft zustande kommen muss. Solche Tauschkreise als Teil einer am Fiskus vorbeigeschleusten Schattenwirtschaft verrechnen Produkte, Dienstleistungen, Handreichungen, Gefälligkeiten etc. meist zentral in einer imaginären Währung, entweder in Zeiteinheiten (Aufwand) oder in auf Zeit basierenden fiktiven Geldwährungen (Konto). Somit kann jemand Unterrichtstunden anbieten und von anderer Stelle einen Babysitter anheuern. Ziel ist, dass die Mitglieder solcher meist lokal organisierten Tauschbörsen ein möglichst ausgeglichenes Konto führen. • ausgelagertes Servicecenter mit entsprechender Annahmestelle, die intern die Triage zur Ausführung der Reparatur macht. Diese entscheiden vielfach bereits bei einer rudimentären Vorabklärung auch darüber, ob sich eine Reparatur (wirtschaftlich) lohnt. Dem gegenüber gibt es neue Formen von Reparaturprojekten, die im Verbund von (arbeitslosen) Technikern und (frei gestellten, pensionierten) Handwerkern solche, sich anscheinend nicht mehr lohnenden Reparaturen, nicht zuletzt aus Spass, ausführen. Diese beiden Arten des Flickens sind zumeist (symbolisch) kostenpflichtig, ausser sie sind noch innerhalb einer Garantiezeit zu bewerkstelligen. Nachteil dieser ausgelagerten Form ist die zeitweilige Absenz, z.T. der nicht kalkulierbare Totalverlust des Geräts. Nur in wenigen Fällen (z.B. im Auto- und TV-Gerätereparaturmetier, insbesondere das Fernsehgerät, das zur Grundausstattung eines Haushalts gehört und deshalb juristisch nicht weggenommen darf oder gepfändet werden kann) gehört ein Ersatz(wagen) zum Service dazu. [ffv 15022003]
Schwerter zu Pflugscharen gesellschaftsutopieflick. ich seh die raketen, maschinengewehre, militärkochtöpfe vor mir. die schmieden. die pflugscharen. und wohin werden die jetzt exportiert (will ja keiner, oder) : muss ja wieder geld reinkommen, oder. [mvs: 030301] > konversion; management; dritte welt
Sience Fiction (pseudo-)wissenschaftliche utopien (positive und negative). [mvs: 030308] > organisation; sändele & schüfele; utopien; erwin schrödinger; cyrano de bergerac
Scotch Tape (Produktname). Die weltweite Popularität von Scotch Tape machte dieses Produkt der amerikanischen Firma 3M zu einem Synonym für die Familie von rund 900 verschiedenen Klebstreifen. Als Erfinder gilt Richard Drew (18861956), dessen Aufgabe darin bestand, Mitte der 1920er Jahre für Autolackierer eine sichere Maskierungsmöglichkeit herzustellen, damit diese zwei Farben als exquisites Design auf die Karosserie auftragen konnten. Durch den Auftrag von Klebstoff auf das gesamte Band («Take this tape back to those Scotch bosses of yours and tell them to put more adhesive on it!» Damit war der Name für die gesamte 3M-Produktelinie vorgegeben) hielt es besser und die Gefahr, dass Flüssigkeit oder Luft unter den Träger lief, wurde verringert. 1930 verbesserte Drew das Klebband und machte es dank Cellophan, ein vom Schweizer Textilingenieur Jacques E. Brandenberger bereits 1908 erfundenes Verpackungsmaterial, das dieser als wasserabstossendes Material auf Stoff applizieren wollte, transparent. John A. Borden, ein anderer 3M-Ingenieur erfand 1932 die Abreissrolle mit geschärfter Metallklinge. 1961 wurde ein praktisch unsichtbarer, nicht verfärbender und beschreibbarer Klebstreifen auf den Markt gebracht. [ffv 28122003]
Sehhilfe Brille (die älteste bekannte Darstellung einer Brille findet sich auf einem Fresko von 1352 von Tommaso da Modena im Kapitelsaal des Dominikanerklosteres San Niccolò in Treviso; es zeigt den stehend schreibenden Kardinal Hugo de Provence mit einer Nietbrille), Lesebrille, Kontaktlinsen, Haftschalen, Monokel, Lorgnette im engeren Sinne, künstliche Linsen gegen den Grauen Star im medizinischen Sinne, Mikroskop, Feldstecher, Fernrohr etc. im weiteren Sinne. [ffv 29122003]
Sehtest Alle Testreihen und Kontrollanlagen haben zum Ziel, frühzeitig Fehler im System zu entdecken, um diese dann mit relativ geringem Aufwand im Wissen statt in der Not zu lösen. [ffv 30052003]
Sehnsucht sehnsucht ist diese schmerzhafte illusion, dass einem irgendetwas fehlt. man sehnsucht, was man liebt und misst, etwas nahes, verbundenes in absenz, man sehnsüchtigt sich nach irgendetwas, was man nie hatte aber bestimmt haben müsste für etwas mehr zufriedenheit: ein anderes land vielleicht, eines mit mehr sonne und mehr platz und lieberen menschen. und so wandert man dann aus, nach kanada zum beispiel, trinkt ahornsirup statt most, umgeben von rentieren statt kühen und kiefern statt rosskastanien. wonach einen dann schon wieder die sehnsucht packt in form von heimweh, denn weh nach heim hat man ja nur in der (unheimlichen?) ferne, weit weg von dem, was man dann heimat nennt sogar. angekommen im exil, da wo alle wohnen, recht eigentlich: in der ewigen sehnsucht. [lh/gc] > antidepressiva; sofort; tango (argentinischer); todessehnsucht
Seife & Kreide damit stellt man ein kreidigseifiges gemisch her, mit dem die wirbel von streichinstrumenten eingekreideseift werden, je nachdem mit etwas mehr kreide (gegen gleiten) oder seife (gegen festhocken), wonach dann die stimmung optimal wiederhergestellt werden kann. [lh]
Selbstjustiz
selbstreferentiell wo der flick seine orgien feiert: im ausschluss. das sich selbst aus sich selbst erklärende ist ein komplettierungsflick sondergleichen: alles ist geflickt zu dem, was es ‹eigentlich› sein sollte, aber nie ist. aber die zelebration des ‹back to square one› heisst hier auch selbstgenügsamkeit und selbstkastration qua nicht vorhandene neugier. neugier, das eingeständnis des nicht wissens, des nicht verstehens, des ausser sich seins hat hier keinen platz. statt zelebration zerebration lesen und mit roland barthes meinen: «das spontane ist erst mal dumm, weil es auf das schon gewusste, gespeicherte zurückgreift» (frei nach barthes, bin zu faul zum nachschauen) : das zerebrale & das vegetative nervensystem haben schon viele zu marschmusik und techno tanzen lassen: nicht immer ist ein physisches blutbad zu erwarten, manchmal artet es auch wie soll ich das jetzt sagen, ohne selbst in die falle zu laufen in verlorenheit im synapsen-dschungel aus. [mvs: 030214] > management; unschuld, generell; Shrimps & Essig tod durch verbluten ist immer noch eines der grössten risiken für einen soldaten. krebsschalen und essig bilden nun den rohstoff für das neuste verbandmaterial, mit dem sie nach schwerer verwundung vor dem verbluten bewahrt werden sollen. das protein chitosan war bekannt als einer der besten verbandstoffe, es hemmt die bakterienbildung, verhindert entzündungen, speichert feuchtigkeit und bindet proteine, eiweisse, fette und gerüche und ist ausserdem nach cellulose der zweit-häufigste natürlich nachwachsende rohstoff der welt. chitosan stammt aus den chitinpanzern von krustentieren, also shrimps und krebsen. die ersten verbandstoffe aus chitosan waren aber unbrauchbar, sie zerfielen zu schnell wieder in einzelteile. erst die kombination mit essig stellte sich in verschiedenen versuchen als brauchbar heraus. das zweikomponenten-pflaster ist bereits von der amerikanischen food and drug administration (FDA) zugelassen worden und die US-army hat sofort 10’000 der bandagen bestellt und diese umgehend in die golfregion transportiert. [lh] > zombies; bandagen
Sicherheitsgefühl die lustigsten kriminalfilme sind doch immer jene, wo die lieben missetäter irgendwelche uniformen tragen, und sei’s nur ein malerkittel, wie in ‹un milliard dans un billiard›, wo die so verkleideten ganoven von allen herzlich begrüsst werden, wenn sie auf die gerüste von bankhäusern steigen, um jene komischen dosen auf den fenstersimsen zu plazieren, die dann eine nach der andern aufplatzen und einen hampelmann zum vorschein bringen, der hin und her pendelt und gegen die scheibe der bank schlägt und den alarm auslöst den x-ten alarm natürlich, sodass nach der sechsten aufgeplatzten büchse kein polizeifahrzeug und auch kein polizist mehr zur verfügung steht und die ganoven in aller ruhe durch die aufgebrochene vordertüre ihrer lieblingsbijouterie am schrillenden alarmkasten vorbeidefilieren können als wärs ein radio-wunschkonzert. dabei lassen sich zwei sachen aufdecken: a) ein erfüllbares, aber falsches sicherheitsbedürfnis die uniform und b) ein richtiges, aber unerfüllbares sicherheitsbedürfnis die für jeden fall genügende anzahl von polizeiwagen und polizisten. diese filmganoven flicken also an unserem ‹gesunden menschenverstand› herum, sodass wir später einmal, wenn es um unsere eigene ‹bijouterie› geht, über alle uniformiertheit hinweg einen falschen von einem richtigen maler unterscheiden können und auf polizisten schon gar nicht hoffen … [philippe schori]
Sicherheitsnadel
Slang im slang sind wörter oft verbesserungsvorschläge für die bestehende sprache: verballhornungen, kalauer, präzisierungen. poofreading = proofreading (fehler schon eingebaut) für korrekturlesen. [mvs: 030113] > ironie
Sollbruchstelle Die Industrie würde zwar negieren, bewusst Sollbruchstellen in ihre Geräte einzubauen. Doch immer ist irgendwo der wunde Punkt, der sich aus den Faktoren Materialität, Machart, Handlichkeit und Kosten ergibt. So lässt sich, wie ein internetter Freund des Klebens bemerkt, eine Fliegenklatsche genau dort nicht mehr kleben, wo sie ohnehin ihre Schwachstelle hat. Auch ein Flaschenputzer aus Draht ist dort ohne Verstärkung, wo die mechanische Belastung und Drehbewegung am grössten ist. Überhaupt sind mechanische Einwirkungen nebst der Feuchtigkeit die grössten Schädiger. Nicht zuletzt deshalb prüft die schwedische Möbelfirma Ikea jeweils ihre Sessel, indem sie vor den Augen zukünftiger Kunden ein schweres, künstliches Arsch auf den Sitz plumpsen lässt und die fünfstellige Anzahl Belastungen auf einem Display anzeigt. [ffv 28122003]
mit jeder erfindung wird der dazugehörige unfall miterfunden. aus schaden wird man klug, so schlau sind auch die erfinder und techniker. dass dem unfall aber auch noch vorgeschrieben wird, wie und wo er stattfinden soll, wird ihn wenig kümmern. der unfall besteht darauf, dass er unvorhersehbar und unabwendbar ist: diese autonomie, genannt zufall, lässt er sich nicht nehmen. das bewusste einbeziehen von unfällen und bruchstellen in systeme führt zu kreativen prozessen: das ‹unglück› ist nicht das ende der welt, es ist teil der welt. eine neue wendung tritt ein, das spiel bleibt offen. [mvs: 920522] > velounfall
Sorge haben <> kaputt gehen Wir nutzen und verbrauchen Dinge. Und je länger wir Dinge nutzen und gebrauchen, um so lieber gebrauchen wir sie, um so mehr wachsen sie einem in die Hand und ins Herz, werden also Teil der Lebens- und Arbeits-geschichte, sodass ein permanentes Flicken angezeigt ist, um sie im Zustand des Gebrauchs und des Herzens zu halten. Und Dinge, die wir auf diese Art lieb gewonnen haben, verlassen wir auch nicht, wenn wir deren schon lange nicht mehr bedürfen, resp. wenn wir ökonomisch schon längst bessergestellt sind, um das oftmals geflickte Teil mit Leichtigkeit auswechseln zu können. Der Hang an den vernutzten Dingen zementiert die Abhängigkeit. [ffv 11022003]
spachteln
sparen Mit Sparen wird landläufig die Geldökonomie verknüpft. Gut waren diejenigen dran, die in den letzten Jahren eher beim Sparstrumpf blieben, statt sich in der Aktieneuphorie der New Technology zu verrennen. Doch nicht nur die Finanzen sind Ingredienzien der Alltags-ökonomie, auch der Sach- und Materialbestand im Haus-halt oder im Geschäft, in Beruf oder in der Freizeit gehört dazu. Wir leisten uns viel, und immer mehr leisten wir uns dasselbe zumindest doppelt oder gar mehrfach (Autos, Fernseher, Computer, Kameras etc.) Allein von den Kindern erreichen wir diesen Schnitt nicht mehr. Spa-ren ist also keine fortwährende Überlebensstrategie mehr wie im 19. Jahrhundert, sondern nur noch eine kurzzeitige Phase, um sich den kurz gehegten Wunsch zu erfüllen. Die Wünsche sind finanziell viel leichter realisierbar als vor 150 Jahren; die Arbeitszeit, die dafür im Mittel aufgewendet werden muss, ist ein Bruchteil dessen, was man früher einsetzen musste. Weil die Material schonende Bescheidenheit als Kardinaltugend ausgedient hat, haben wir umso mehr die Qual der Wahl, welches von all den multiplen Geräten wir täglich benutzen sollen. [ffv 11022003]
Spital
spleissen aufdröseln zweier tauenden und anschliessendes zusam-men-stechen, zum beispiel wenn nach einer nautischen bruchlandung das seil gerissen ist. das zerfetzte material mit einem guten messer wegschneiden, von den zwei enden je etwa 30 cm mit schnur abbinden, die vier kardelen aufdrehen und mit feuer abbrennen. dann die seele herausschneiden. die kardelen sind gedreht, die seele ist geflochten, auf jeden fall bei besseren seilen, und die kardelen wiederum sind um die seele gedreht. ist die seele weg, können die vier kardelen des einen endes in die vier kardelen des anderen endes gelegt werden, so als würden sich zwei vierbeinige spinnen umarmen, beziehungsweise umbeinen. dann wird jede kardele abwechselnd in das andere seil geflochten, immer schön gegen den dreh im kreis herum. so legen sich dann also die kardelen des einen seils wie schlangen über und unter den kardelen des anderen seils durch, also auf jeder seite acht kardelen, verflochten um eine einzige seele, wonach eine art rippenartiges muster entsteht, ein fliessender übergang, so dass man kaum mehr feststellen kann, wo denn nun das eine seil aufhört und das andere beginnt. [lh] > beziehungen; liebe; gesellschaftsstrukturen
smart materials smart materials sind adaptive werkstoffsysteme, die nach dem kybernetischen rückkoppelungseffekt funktionieren. sie reagieren auf äussere einflüsse und passen sich ihnen von selbst an. so macht die EMPA (eidgenossische materialprüfungsanstalt) zusammen mit dem institut für automatik der ETH zürich zum beispiel versuche mit antischallfenstern, die mit lärm auf lärm reagieren, und zwar um eine halbe wellenlänge phasenverschoben zur störfrequenz, womit die eigenschwingung der scheibe aufgehoben wird. intelligente fenster und fassaden, die ausser lärm auch automatisch die sonneneinstrahlung und den wärmefluss regulieren, werden in ein paar jahren auf dem markt sein. entwickelt werden an der EMPA auch intelligente propeller und flügel, die nach dem vorbild von vögeln und ihren schwungfedern sich laufend aerodynamisch optimieren, oder automatisch gesteuerte fluiddämpfer, welche die eigenschwingungen von brücken regulieren. für smart materials werden nach dem vorbild der natur werkstoffe (gewebe) mit sensoren (nerven) und aktoren (muskeln) ausgerüstet und über einen adaptiven regler (gehirn) gekoppelt. claude lévi-strauss’ beobachtung gilt auch da: die unterscheidung zwischen natur und gesellschaft bleibt in einer jeden umkämpft und prekär. [lh]
Souffleur, Souffleuse wenn die schauspieler und schauspielerinnen von ihrem erinnerungsvermögen verlassen werden wenn der faden reisst dann sagt ihnen der souffleur oder die souffleuse, wie es weitergeht. und das nicht im flüsterton, wie der name suggeriert, sondern laut und deutlich. bei früheren bühnen hatten sie einen zum publikum hin abgeschirmten ‹souffleurkasten› vor der bühne und nur ihr kopf ragte über den bühnenboden. heute sitzen sie meistens in der ersten reihe rechts aussen auf platz nummer 001. beim fernsehen erledigen das die ‹Cue Cards›: ein assistent zeigt dem moderator auf grosse kartons geschriebene stichworte und texte. eine andere, modernere variante ist der ‹teleprompter›: der assistent oder der moderator liefert den kompletten text vom computer auf einen bildschirm über der ka-mera. [mvs: 030312] > hab vergessen; gässe
Spitzensport 1965 stürzte der beste Hochspringer der Welt Waleri Brumel mit einem Motorrad. Sein rechter Unterschenkel und das Fussgelenk wurden unter der Maschine zertrümmert. Nach 37 Operationen konnte er wieder gehen, glitt aber eines Tages aus und brach sich das Bein erneut. Der Orthopädie zersägte sein Schienbein, das um drei Zentimeter geschrumpft war, und dehnte den Knochen in einem langwierigen Streckverfahren auf die ursprüngliche Länge. Vier Jahre nach dem Unfall sprang Brumel wieder 2,06 Meter 22 Zentimeter unter seinem Weltrekord! Niki Lauda, der 1976 auf dem Nürnburgring in seinem brennenden Ferrari fast verkohlt wäre, quetschte sich 42 Tage später mit transplantierter Haut unter den Verbänden wieder ans Steuer. George Forman brauchte zehn Jahre, um die seelischen Zerstörungen zu überwinden, die ihm Muhammad Ali zugefügt hatte. Er wurde Priester, kehrte mit 45 zum Boxen zurück und holte nochmals den Titel. [Weltwoche vom 13.02.2003: «Die Suche nach dem verlorenen Ego» von Peter Hartmann, 19]
Sprache «Indem die Sprache fortwährend auf die letzten Stufen des ihr Erreichbaren steigen musste, um, möglichst ferne von der starken Gefühlsregung, der sie ursprünglich in aller Schlicht-heit zu entsprechen versuchte, das dem Gefühl entgegengesetzte, das Reich des Gedankens zu erfassen, ist ihre Kraft durch dieses übermässige Sich-Ausrecken in dem kurzen Zeit-raum der neueren Civilisation erschöpft worden: so dass sie nun gerade Das nicht mehr zu leisten vermag, wessentwegen sie allein da ist: um über die einfachsten Lebens-nöte die Leidenden miteinander zu verständigen. Der Mensch kann sich in der Sprache nicht mehr zu erkennen geben, also sich nicht wahrhaft mitteilen: bei diesem dunkel gefühlten Zustande ist die Sprache überall eine Gewalt für sich geworden, welche nun wie mit Ge-spensterarmen die Menschen fasst und schiebt, wohin sie eigentlich nicht wollen; sobald sie miteinander sich zu verständigen und zu einem Werke zu vereinigen suchen, erfasst sie der Wahnsinn der allgemeinen Begriffe, ja der reinen Wortklänge, und infolge dieser Unfähigkeit, sich mitzutheilen, tragen dann wieder die Schöpfungen ihres Gemeinsinns das Zeichen des Sich-nicht-Verstehens, insofern sie nicht den wirklichen Nöthen entsprechen, sondern eben nur der Hohlheit jener gewaltherrischen Worte und Begriffe: so nimmt die Menschheit zu allen ihren Leiden auch noch das Leiden der Con-vention hinzu, das heisst des Übereinkommens in Worten und Handlungen ohne ein Übereinkommen des Gefühls.» [Friedrich Nietzsche: Unzeitgemässe Betrachtungen. In: Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe. München 1980, Bd. 1, IV, 5]
Sprachgeschlechter nach gut dreissig jahren durchaus berechtigter aufmerksammachung auf sprachlich versteckt transportierte geschlechtsspezifische machtansprüche halte ich die zeit für gekommen, dass ich meine, von meinem geschlecht her bestimmte, formulierungsweise männlich halte. eine männli & wiibli sprache, die halbwegs von der zunge fliesst und beiden geschlechtern gerecht wird, wurde mit künstlerinnen und künstlern, künstlerInnnen und jeder und jedem nicht gefunden. mein vorschlag, nun bald vor jahrzehnten gemacht, dass frauen grundsätzlich auf ihr geschlecht hin bezogen die weibliche form gebrauchen und männer dementsprechend die männliche, werde ich in bezug auf mich in zukunft anwenden, auch wenn ich für männli und wiibli spreche. als institution spreche ich ohnehin nicht: so ist mir das problem, als neutrum für zwei mir fremde geschlechter zu sprechen, nicht gestellt. wer sich dieser problematik der sprache, die mittlerweile zwar reflektiert aber mit sprachbeschneidungen und okulierungen nicht zu lösen ist, gestellt hat, sollte auch wieder, ohne noch in das politisch korrigiergejammer zu kommen, gerade formulieren dürfen. wer sich damit nicht zufrieden geben kann, soll eine neue sprache erfinden: und diese den sprechenden schmackhaft machen. oder wollen wir gleich alle nur noch english sprechen? was für ein verlust an sprachen! die korrektur, die auf sprachebene gefordert wird und ist, liegt im bewusstsein des sprechenden, schreibenden, des hörenden, lesenden. wenn dieses verständnis in bezug auf sprache und politik, auf zusammensein verschiedener geschlechter und lebewesen nicht vorhanden ist, hilft auch eine gespaltene sprache nicht. ich, als mich nicht mal so ganz der spezies homo sapiens sapiens zugehörend empfindendes wesen, müsste jetzt für eine sprache plädieren, die alle bestehende verbalkommunikation zum zusammenbrechen bringen würde. [mvs: 030620] > ironie des verbrechens, ironie des versprechers; klingdon; mikrophysik der macht; gender studies; sprache
Sprichworte und Redensarten • Glück und Glas / wie leicht bricht das • Scherben bringen Glück • Jemandem etwas am Zeug flicken (kleinlichen, hämischen Tadel aussprechen, aber auch in gutem Sinne, einem etwas anhaben, ihn fassen) • Mit dem Alten muss man’s Neue sparen [oberschwäbisch] • Wir werden das schon wieder hinkriegen, -biegen. • Not macht erfinderisch [Volksmund] • aus alt mach neu • wer einen narren leret, der flicket scherben zusamen [Grimmsches Wörterbuch, Bd. 3, 1862, Sp. 1775] • in den Stand der geflickten Hosen kommen (sich verheiraten) • Wenn alles wackelt, was von der Firma abgestaubt worden ist, würde kein Haus mehr stehen. (Frevel, Bettel, Feld- und Holzdiebstahl, Mundraub, Wilderei) • Ein Loch geflickt zur rechten Zeit… [Volksmund] • Die Axt im Haus erspart den Zimmermann [Volksmund] • jem. Löcher in den Bauch reden/fragen (die Antwort ist der Flick) • ein Loch in die (Vereins)kasse reissen (hohe Ausgaben, wobei das Leck kaum zu stopfen ist) • etwas zieht einem die Löcher im Socken zusammen (etwas ist geschmacklich sehr sauer) • sich nicht lumpen lassen (sich grosszügig, freigebig zeigen; die Wendung bedeutete ursprünglich, sich nicht als einen Lumpen, also armseligen Bettler bezeichnen lassen) • eine Scharte auswetzen (real, oder übertragen: einen Fehler, Misserfolg wieder gutmachen)
Sprachflick, dringend Britische Schülerin schreibt Aufsatz im SMS-Stil: My smmr hols wr CWOT Meine Sommerferien waren die reinste Zeit-verschwendung London (pte, 3. Mär 2003 16:57) Für Aufsehen hat ein im SMS-Stil verfasster Schulaufsatz in Grossbritannien gesorgt. Lehrer sehen aufgrund des mit SMS-Abkürzungen gespickten Werks die Lese- und Schreibfähigkeiten britischer Schüler in Gefahr, berichtet die Online-Ausgabe des Daily Telegraph http://www.telegraph.co.uk. Die 13-jährige Schü-lerin erklärte ihren SMS-Aufsatz mit den Worten: «Es war einfacher als Standard-Englisch». «Ich konnte nicht glauben, was ich sah. Die Seite war voll von Hieroglyphen. Viele davon waren einfach nicht zu übersetzen», zitiert das Blatt den namentlich nicht genannten Lehrer. Der Aufsatz begann mit «My smmr hols wr CWOT. B4, we used 2go2 NY 2C my bro, his GF & thr 3 :- FTF. ILNY, it’s a gr8 plc.» Auf Englisch: «My summer holidays were a complete waste of time. Before, we used to go to New York to see my brother, his girlfriend and their three screaming kids face to face. I love New York, it’s a great place.» Übersetzt heißt dies: «Meine Sommerferien waren die reinste Zeit-verschwendung. Zuerst mussten wir nach New York, um meinen Bruder, seine Freundin und deren drei schreienden Kin-der zu sehen. Ich liebe New York, es ist ein großartiger Ort.» Judith Gillespie vom Scottish Parent Teacher Council erklärte, der zunehmende Verfall der Grammatik- und Recht--schreib-Kenntnisse britischer Schüler sei zum Teil auf den SMS-Wahn der Jugendlichen zurückzuführen. Hinzu kommt laut Psychologin Cynthia McVey von der Glasgow Caledonian University, dass Jugendliche keine Briefe mehr schreiben. «Sich hinzusetzen und einen Brief zu schreiben bzw. zu tippen ist für sie ungewöhnlich und schwierig. Daher greifen sie auf für sie Bequemeres zurück. SMS-Texting ist sowohl attraktiver als auch unkomplizierter.» (Ende) [Aussender: pressetext.austria, Redaktor: Sandra Standhartinger
Staub Feind und Schadstoff, der Fehler und Schaden verursacht. Wer nicht glaubt, dass Staub lebt und damit allerhand anrichten kann, schütte den Inhalt eines Staub-saugersacks auf ein weisses Papier, beleuchte es mit grellem Licht, und sehe zu, was dann innert Kürze passiert. [ffv 28122003] > staubmilben, staubsauger, putzsucht Staubsauger «Wenn sie putzt kommt es schon mal vor, dass sie eine Spinne zur unliebsamen Substanz erklärt und sie aus reiner Bequemlichkeit ins Innere des Staubsaugers befördert. Dabei muss sie sich allerdings stets krampfhaft die Vorstellung versagen, wie die Spinne nun, wohl immer noch lebendig, nachdem sie von einem unvorstellbaren Sog ergriffen und durch den dunklen Tunnel geschleudert wurde, in einer weichen, warmen Masse gelandet ist, nicht unangenehm zuerst, wenn dieser höllische Lärm nicht wäre, und wie dann, Partikel für Partikel, die Masse angehäuft wird, über ihr und rund um sie herum, bis sie merkt, dass sie selbst ein Partikel dieser Masse ist, aus welcher sie sich nie mehr wird befreien können, in welcher sie ersticken wird, gepresst werden wird, währenddem sich die Masse unaufhaltsam verdichtet.» [Irene Vögeli: Schmutz-Glossar, Kunstforum 2003] > anthropo-zentrismus; staubmilben, staub; putzsucht Steckbrief Stempelfarbe, Entfernung von 1. blatt mit destilliertem wasser feuchten. 2. ameisensäure und alkohol 1 : 1 auftragen. 3. zwischen fliesspapier austrocknen. 4. calciumhydroxyd oder salmiakgeist 1 : 10 mit wasser neutralisieren. 5. vorgang eventuell wiederholen.
Stigmatisierung Dass geflickte Kleidung negativ stigmatisiert und als Zeichen der Armut und des Betteltums gilt, ist nicht abzustreiten. Dass sie zugleich auch denunzieren kann, zeigt ein Bild aus dem Bilderzyklus «Die Königin Luise in 50 Bildern für Jung und alt» (1896), auf dem französische Revolutionssoldaten in der Pfalz raubend und plündernd 1793 abgebildet sind. Die Soldaten sind als völlig undiszipliniert, barfüssig und schlecht rasiert, grölend und saufend dargestellt und vervollständigen damit die negative Stigmatisierung, die mit zerrissenen, teilweise auffällig mit verschiedenfarbigen Stoffen geflickten Hosen beginnt. Eine Moralfigur für undisziplinierte Kinder stellt auch die Butzen-Bercht dar, ein weiblicher Kinderschreck mit triefender Nase, Buckel und auffälliger Kleidung. Rock und Schürze sind völlig ausgefranst, die Löcher entweder nicht oder nur mit unregelmässigen Stofffetzen geflickt. Die Butzen-Bercht wendet sich auf diesem Holzschnitt vor alle man die weibliche Jugend und schärft ihnen ein, ihre Haushaltpflichten zu erfüllen: «Wollt ihr… Nicht lehrnen in der Schul / nicht nehen oder spinnen / Nicht betten und aufstehen / so sollt nicht entrinnen.» Die karikierende Figur ist wie das personifizierte Ergebnis der Selbstverwahrlosung. [ffv 15052003]
vom Stinkberg zum Rietberg Der Name eines kleinen Strässchens sorgte Anfang des Jahres 2003 in Oberwinterthur für Diskussionen. Eigentlich war das Strässchen, das von der Frauenfelderstrasse entlang der Gemeindegrenze zu Wiesendangen nach Norden führte, namenslos zumindest auf dem Winterthurer Bauamt. Trotzdem steht auf allen offiziellen Plänen der Stadt der Name, den jeder Oberwinterthurer kennt: Stinkbergstrasse. Der Volksmund hat es auf den Punkt gebracht: Das Strässchen bediente früher die Deponie, in die Winterthur und umliegende Gemeinden ihren Müll brachten. Ältere Einwohner erinnern sich noch bestens an den Rauch und an die Düfte, die dem Gebiet entströmten. So stark hat sich der Stinkberg in die Volksseele eingegraben, dass irgendwann selbst die Winterthurer Vermesser fanden, der wenig schmeichelhafte Name gehöre in die städtischen Kartenwerke. Doch damit ist jetzt Schluss: Seit der Winterthurer Stadtrat rund 200 Schrebergärtner von einem anderen Standort auf die inzwischen sanierte Deponie umsiedeln will, ist der Stinkberg Chefsache und darf nicht mehr so heissen. Ein offizieller Tauferlass für die Rietbergstrasse liegt vor. Die städtischen Vermesser sind der Ansicht, dass sich der Aufwand der Umbenennung nicht lohne. Es werde Jahre dauern, bis alle Kartenwerke à jour sind. [Tages-Anzeiger vom 12.02.2003: «Stinkbergstrasse darf nicht mehr so heissen» von Felix Müller, 17]
Stopfei, Stopfkugel Æstopfen stopfen «Sehr praktisch ist die Maschinenstopfe. Mittelst eines Füßchens, das an jeder Nähmaschine angebracht werden kann, und eines Rähmchens, in das die schadhafte Stelle eingespannt wird, kann man hauptsächlich an Wäsche schnell und sauber schadhafte Stellen und kleine Löcher stopfen. Risse in farbigen Stoffen werden oft mit Vorteil mit den ausgezogenen Zettelfäden eines gleichen Stoffstückes gestopft, oder in Ermangelung dessen stopft man mit helleren oder dunkleren Frauenhaaren. Besonders bei Tuch kann man auf diese Art oft so gut und dauerhaft stopfen, daß man den Schaden kaum bemerkt.» [Müller, Susanna: Das fleißige Hausmütterchen, Zürich 1925, 811]
Stopfmustertuch Auf den Flickmustertüchern erlernte frau das Ausbessern von Geweben und die verschiedenen Arten des Einsetzens. Sie waren in sich eher schöne Studien als brauchbare Produkte. Erst nach einer gewissen Zeit verschwanden die Mustertücher zugunsten von tragbaren Textilien wie Turnhemden und Strümpfen. Dadurch war es auch für die Familie interessant, die Mädchen in diesen Unterricht zu schicken, da ein Mehrwert dank neuer und gut ausgebesserter Kleider resultierte. Vor allem während des 1. Weltkrieges erhielt das Reparieren einen hohen Stellenwert, da die Mehrheit der Be-völ-kerung keine neuen Textilien mehr anschaffen oder keine Stopfgarne kaufen konnte und auf die grösstmögliche Ausnutzung der vorhandenen Bestände angewiesen war. Während zu Hause die Mütter um Lebensmittel Schlange standen und vor allem die Töchter die Kleider flickten, entwickelte sich in der Medizin die Reparaturtechnik für Versehrte des 1. Weltkrieges, wobei die geschundenen Länder wie Deutschland dank der Vielzahl verkrüppelter Soldaten den grössten Erkenntnisgewinn hatten. [ffv 14022003]
Störarbeit Wanderarbeiter und Störhandwerker vor allem als Kessel-flicker, Hafenbinder, Schneider, Schuster, Messer-schlei-fer, die zu bestimmten Jahreszeiten die Bauern-häuser aufsuchten und die entsprechenden Dinge, Ge-schirre, Riemen, Sättel, Matratzen, Besteck und Ma-schinen -wieder in Ordnung brachten. Sie wurden meist eine Nacht im Bauernhaus einquartiert und verrichteten die Reparaturen, für die sie statt mit Geld vorwiegend mit Naturalien und Lebensmitteln aus der Vorratskammer bezahlt wurden. Weil sie den gewohnten Ablauf agrarischer Strukturen störten, wurde ihr Handwerk als Stör-arbeit, wenn auch im gutwilligen Sinne, benamst. Es wurde aber festgestellt, dass die Störarbeit meist nicht eine freiwillige Arbeit war, sondern ein Zusatzverdienst darstellte, der ein schlechtes Einkommen, wegen Kon-kurrenz am selben Ort, wegen fehlendem Flair und mangelnder Kompetenz hinsichtlich innovativer Produkt-neuheiten oder wegen der aufkeimenden Industrialisie-rung, die zu günstigeren Preisen ein Massenprodukt herzustellen begannen, ausgleichen konnte. Wer heute noch auf Störarbeit geht, tut dies meist als Service-Angestellter eine Firma. Nicht nur werden sie heute fürstlicher belohnt als früher, und haben auch eine Weg-pauschale eingerechnet, die eine geringe Reparatur allein wegen der Anwesenheit zum finanziellen Fiasko werden kann. [ffv 14022003]
Störfall Strafe Strafen, militärisches «Das Strafen ist eine schwere Sache. Ohne Strafen irgendwelcher Art lässt sich kaum ein disziplinierter Betrieb aufrechterhalten. Wir unterscheiden Disziplinar-strafen, welche vom Truppenkommandanten gefällt, und kriegsgerichtliche Strafen, welche vom Kriegsgericht ausgesprochen werden. Eigentlich sollte nur ein ganz unverbesserlicher Kerl mit Dunkel-arrest gebüsst werden. Kleinere Vergehen und Dienstfehler sind durch Arbeits-erhöhung zu ahnden, als da sind Holzen, Kantonnement-Reinigen, Wassertragen, was aber mit Mass geschehen soll. Es darf aber nicht vorkommen, dass einer fröhlich im trockenen Arrestlokal sitzt, während seine Kameraden draussen im Regenschauer 12 und mehr Stunden herumfahren. Jeder Vorgesetzte soll sich dreimal Rechen-schaft ablegen, ob er gerecht strafe. Nie sollte er in der ‹Täubi› Strafen verhängen, die er bei ruhiger Überlegung wieder aufheben muss. Das letztere ist unmilitärisch. Für die Einsetzung von regimentsweisen Disziplinarstraf-kommissionen, die aus Soldaten bestehen, hat sich heute schon die grosse Zahl erfahrener Offiziere aller Grade ausgesprochen.» [Art.-Oberlt. Armin Meili: Die Demokratisierung der Schweizerischen Armee, Luzern, o.J.] > mikrophysik der macht; korrektionelle nachhaft; gerechtigkeit Strafen, pädagogisches «Wo Gesetz ist, da ist auch Übertretung, und wo Übertretung ist, da folgt Gericht auf Strafe, in der Schule geradeso wie im Staate. Die Schule hat jedoch kein eigenes Strafrecht. Ihre Strafpraxis war von jeher der Abklatsch der staatlichen, und ihre Strafprinzipien schöpfte sie nicht aus der Erziehungs-lehre, sondern aus der Strafrechtslehre. Von den vielen Straf-rechtstheorien aber hat sich noch keine allgemeine An-erkennung errungen. Über den Zweck der Strafe gehen die Ansichten der Strafrechtslehrer auch heute noch auseinander. Das beeinflusst auch die Straftätigkeit der Schule, denn der Strafzweck bestimmt die Strafart. Für Schulstrafen kommen hauptsächlich vier Strafzwecke in Betracht: die Vergeltung, die Ab-schre-ckung, die Witzigung und die Bes-serung. […] In An-lehnung an das bürgerliche Strafrecht stelle ich die Strafmittel der Schule in folgende vier Grup-pen zusammen: Ehrenstrafen, Freiheitsstrafen, Geldstrafen und Körperstrafen. […] Im Leben bleibt freilich die Ver-geltung der Guttaten weit hinter der der Übeltaten zurück, weil diese eben weit stärker empfunden werden als jene. Auch die Schule hat nicht so viele Lohnmittel wie Straf-mittel. Die gebräuchlichsten sind: das Lob, Zeugnisse, die Rangordnung, die Ehrenzeichen und Preise und Freuden-anlässe.» [G. Wiget: Vom Strafen und Lohnen in der Schule, Rorschach, o.J.] > mikrophysik der macht; gerechtigkeit
Strafgesetzbuch Strafpredigt Strassenverkehrsschilder Strumpfstopf «Ein schnellgehender Strumpfstopf ist auch folgender: er wird in gewöhnlichem Langettenstich ausgeführt. Wie jeder Stopf muß er 1/21 cm weit über die defekt Stelle hinausgehen, damit er mehr Halt hat und die Fäden des Grundstoffes nicht ausreißen. Man kann das Loch entweder glatt ausschneiden oder es lassen, wie es ist, und über die zerlöcherten und dünnen Stellen ein regelmäßiges Viereck stopfen. Man zieht den Stopffaden, der etwas dünner sein kann als der Gewebsfaden, zuerst ein paarmal glatt hin und her, faßt dann eine Masche 1/2 cm über dem Lochrand mit der Nadel, bildet eine Langettenschlinge, sticht in die nächste Masche, macht abermals eine Langette usw. In gleicher Weise arbeitet man zurück, nur daß man diesmal keine Maschen, sondern die Schlingen der vorhergehenden Tour faßt. So arbeitet man fort, bis die schadhafte Stelle gedeckt ist. Die Arbeit ist viel weniger mühsam als der Gitterstopf und für schwache Augen angenehmer auszuführen. Besonders gut eignet er sich auch für gewebte Handschuhe aus Zwirn, Seide usw. Sorgfältig gearbeitet, ist er kaum zu sehen und die Stelle wird widerstandsfähiger als wie neu.» [Müller, Susanna: Das fleißige Hausmütterchen, Zürich 1925, 821]
Stützstrumpf Empfehlenswert zu tragen bei einer Schwangerschaft, um die Gewebeausdehnung der Muskelzellen zu unterbinden und Wassereinlagerungen in den Beinen zu reduzieren. Der Körper scheidet somit mehr Wasser aus, als dass er es in den tiefer gelegenen Körperteilen ablagert. Folglich bildet sich das Gewebe nach der Schwanger-schaft schneller zurück und hinterlässt weniger schlaffes Gewebe. Abgesehen davon, dass Stützstrümpfe durchaus sexy wirken können, verdankt der Mann das durchaus einem Stiefelknecht vergleichbare Vor-gehen beim Anziehen solcher straffen Strümpfe, wenn dafür später wieder wohlgeformte Beine den Blick verwirren und die Lenden in Wallung bringen dürfen. [ffv 26122003] > ästhetik; trugbild; anlass (kultureller); beauty; i love you
Stützunterricht Ælernziele; begriffsstutzigkeit; eselsbrücke; sätzli (mach es), subvention; nachhilfe
Subvention Ætaschenspielertrick; zuschuss; armenhaus; speisung der 5000; staat (väterchen); überlebensstrategie Suizid zum selberlebensentsorgungs(flick) erlaub ich mir nichts zu sagen: ich lebe (noch). [lit.: Alvarez, A.: Der grausame Gott. Eine Studie über den Selbstmord] ® [mvs: 030619] > hans im glück; ouroboros; exit; sisyphos
Swissair wird Swiss grounded. und dann ein namensflick. und dann wird weitergeflickt. nach den ersten entlassungen kommen weitere entlassungen. am schluss haben die paar entlassenen manager ein vielfaches der summe, die den arbeitenden zugestanden wäre, abgesackt. alles im zeichen der rettung. kapitalismus folgt den volksmärchen: auch wenn der goldpralle sack schon leer ist, wird er weiter gemelkt. und wunder geschehen: die reichen säcke pressen noch einen tropfen raus, wo schon gar nix mehr zu holen war. das soll uns fröhlich stimmen, weil im anderen märchen wird gesagt, dass der tellerwäscher präsident der vereinigten staaten von amerika wird. (gilt halt nicht for landed immigrants. man muss schon dort geboren sein. sonst könnte ja jeder.etc., auch die tellerwäscher oder schwarzenegger, arnold.) wo sich die märchen in den schwanz beissen, da lass dich ruhig nieder (da hätt ich gerne eine zweite strophe angehängt: aber: es will nicht werden. no future.) [mvs: 030301etc.] > kapitalismus; marx, karl; design; hans im glück; ouroboros
Sisyphos und alle anderen endlosflicke. [lit.: beckett, samuel: thick as a brick, sterne, laurence: tristram shandy] ® [mvs: 030428] > dummheit; tageszeitung; leich, schöne; abhalftern; aspirin; suizid; sehnsucht |