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Obduktion Im Mauritshuis in Den Haag fallen die Reaktionen der Besucher in der Begegnung mit Rembrandts Dr. Tulip unterschiedlich aus. Während die einen fasziniert vor dem düsteren Gemälde stehen bleiben und die durch Tulips Seziermesser freigelegten Sehnen der Leiche studieren, wenden sich die anderen möglichst schnell einem anderen Werk zu. Die Gedanken an die beunruhigende Szenerie werden weggeschoben, «das ist schon lange her», «das geht mich nichts an», «wäk» oder «die Leiche spürt ja eh nix mehr» dienen dazu, sich von der Darstellung zu distanzieren. Trotz der vielen das Gesicht-Verziehenden und schnell-Wegblickenden Menschen im Mauritshuis, scheint die Obduktion zu faszinieren. Wie sonst liesse sich erklären, dass Prof. Gunther Von Hagens’ öffentliche Obduktion in London im Jahre 2003 auf derart viel Interesse stiess? 500 Zuschauer und einige Kameraleute, die das makabre Geschehen für die sensationslüsternen Live-TV-Hocker aufzeichneten, umlagerten den Seziertisch. Für die medizinischen Banausen, die nach diesem Spektakel lechzten, erklärte ein weissgekleideter Mann am Präptisch per Mikrophon ohne medizinische Fachbegriffe die «Arbeiten» an der Leiche. Nach der eigentlichen Sektion hatten die Besucher die Möglichkeit, (gegen Aufpreis, selbstverständlich) einzelne Organe aus nächster Nähe zu betrachten. Laut Pressemitteilungen war Prof. Gunther von Hagens’ die erste öffentliche Sektion in Grossbritannien seit 170 Jahren. Nach eigenen Aussagen möchte der Anatomie-Professor zur «Demokratisierung der Anatomie» beitragen was man auch immer darunter verstehen mag. Bereits mit seiner Ausstellung «Körperwelten» sorgte der berüchtigte «Anti-Ethiker» für kontroverse Diskussionen. Überall auf der Welt schieden sich die Geister in aktuellen Debatten zur öffentlichen Obduktionsfrage. Nachfolgend ein Beitrag, der mir aus dem Herz spricht: «Es gibt Ärzte, denen man ihre Approbation entziehen sollte. Neben dieser provinziellen Sensationsliesel Dr. Verena Breitenbach auf Prosieben, gehört vor allem Prof. Dr. Gunther von Hagens dazu. Der Heidelberger Anatom ist für mich der unangefochtene Spitzenreiter der Geschmacklosigkeit. Nicht genug, dass er Millionen mit seiner voyeuristischen Präparatensammlung «Körperwelten» kassiert; nicht genug, dass man seine penetranten Talkshow-Auftritte ertragen muss. Nein, es geht noch weiter. Jetzt schickt er sich tatsächlich an, in London eine Leiche unter den Augen der Öffentlichkeit und gegen den Widerstand der Behörden zu sezieren. Anschließend sollen die Organe im zahlenden Publikum (19 Euro pro Nase) zur schaurigen Erbauung herumgereicht werden. Niere, Niere, du musst wandern, von der einen Hand zur andern. Es ist ein Skandal, dass mit der sterblichen Hülle eines Menschen derart Schindluder getrieben werden darf und getrieben wird. Unter dem Deckmantel der Demokratie und Aufklärung zurück in den barbarischen Kommerz des Mittelalters. Für meinen Geschmack entschieden zu weit.» [rg]
Ökonomie des Mangels Der in den Massenartikeln einprogrammierte modische und sachliche Verschleiss basiert darauf, dass Waren, food- und non-food-Artikel, das Haushaltsbudget heute weit weniger be-lasten als früher (was kostet sind obligatorische Ver-sicherungen und Krankenkasse, während die Ausgaben für Frei-zeit, Ferien oder Mobilität einer gewissen Bandbreite unterworfen sind und monatlich modifiziert werden können). Weil wir uns nicht mehr nach der Ökonomie des Mangels richten müssen, ist das Flicken keine flächendeckende Alltagshandlung mehr, sondern Impetus im Kontext einer Liebhaberei. Der Niedergang des Handwerks zugunsten der industriellen, uneinsehbaren Fertigung provoziert und schärft das kulturbürgerliche Bewusstsein für die echte Anti-quität im Ver-gleich zum Massenprodukt eines Konsum-kosmos, der kontinuierliches Vergessen nicht-auratischer Gegenstände bedingt. Damit werden aber auch Zeugen getilgt, die in späterem Zeit-punkt diesem kollektiven Vergessen entrissen werden sollen. [ffv 15022003]
Ökonomie des Notbehelfs Umnutzung von Kriegsmaterial unter maximaler Materialausnutzung (Stahlhelme, Kartuschen, Gasmasken, Munitionskästen, Tarnstoffe, Fallschirme) in friedliche, notwendige Haushaltsgeräte, Kleidung und Spielzeug. Ækonversion; schwerter zu pflugscharen
Onanie
Operation
Opium
Organisation, neu Organization, revised : Antonin Artaud unerklärlich. wie dieser verbesserungsvorschlag re: homo sapiens sapiens wie eine pest in der abendländischen kultur auftreten konnte, ohne grossen schaden anzurichten. wenige sind anfällig für den verwirrenden virus, der ALLES neu organisiert: vom organismus bis zum hirn, vom dasein bis zum sein bis zum nichtsein und, was die resistenz der meisten erklären mag, mindestens teilweise (denn verwirrungsanfällig sind wir alle, alle), ist die ideologielosigkeit seiner aussage. keine und keiner (von den öffentlich gewordenen) im 20. jahrhundert hat das leben (ens) so sehr neu formuliert wie a.a. auch wenn ich zugeben muss, dass ich ihn nicht verstehe (wer schon versteht, und wenn vorgeblicherweise schon, dann was). das virus, das er freigesetzt hat, ist aktiv. (was sollen mir all die aliens-movies, die auf der engerling-maikäfer ebene operieren: das sind die ängste und übernahmeszenarien der hergebrachten oben-unten machtszenarien mit kopf ab und revolution und jetzt sind wir dran mentalität und dann kommen wieder die anderen dran ad.lib. was an artaud verstörend und in bestem sinne subversiv ist, ist der individuelle unfall ins unmächtige mit klarer existenz, der nicht nachvollziehbar sein will aber gemeingültigkeit haben kann, und so sich über artaud hinausfu(r)zt, im besten sinne des alchemistischen gases oder lebenshauches. (wer sich den stein der weisen als kristall vorstellt, soll sich die arterien testen lassen, wer ihn sich als fluidum vorstellt, soll was währschaftes in den magen bekommen, wer sich sonst noch was vorstellt, soll das in aller ruhe tun und darüber schweigen oder sprechen, je nach g(es)ang und gabe. so spricht einer, der jetzt aber gar nix kapiert und unverschämterweise noch spass hat, kreuz und quer rumzupfurzen (durchaus eingedenk der überflüssigkeit und der kommunizierenden röhren, trotzdem lachend, wenn das wort ‹relevanz› ertönt, gar noch mehr, wenn ‹valenz› aufgebracht wird (=schifffahrt: ein schiff aufbringen = kapern, was (und welche, man frage einen anständigen koch, jeden salat perfekt machen.) dann kommt mir wegen dem salat noch «the new world order» in den sinn: dann ess ich lieber salat. und: artaud lesen. oder so in etwa. weil mir so sehr gefällt an ihm, dass er keine befehle erteilt hat, oder hat er das? glaub nicht, und drum aber das hab ich schon gesagt. was ich zu neuorganisation sagen möchte, ist, dass nichts spannender ist als einen vollen kehrichtsack rauszunehmen und einen neuen leeren reinzutun. und dann, weil der neue leere auch nichts weiss, den alten vollen wieder reintun und noch was draufpacken. und dann, weil er prallvoll und schon am überlaufen ist, wieder rausnehmen, und wieder den neuen reintun. wenn man soweit gekommen ist, duzt man beide säcke schon. und dann sitzen wir an den küchentisch und erzählen uns, wie’s in der jugend war. das tut alles dem artaud unrecht (who am i to speak), aber mir entspricht es. mvs: 020608] > l.h.o.o.q.; ou mallon, new world order
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