Makel

 

Mac-Doktor

 

Make-up

 

Mängelliste

Gemäss OR 259 muss der Mieter kleine Aus­besserungen (z.B. Fensterabdichtungen), kleine Repara­turen (z.B. Wasser­hahnendichtungen) und Reinigungen (z.B. Boiler entkalken) selber machen oder berappen. Grössere Mängel muss der Mieter dem Vermieter schriftlich melden, sonst wird der Mieter schadenersatzpflichtig (z.B. bei Pilzbefall aufgrund von kaputtem Fenster). Reagiert der Vermieter nicht ausreichend, kann der Mieter verlangen, dass der Mangel innerhalb einer be­stimm­ten Frist behoben wird, dass der Mietzins bis zur Be­hebung des Mangels verhältnismässig herabgesetzt wird, dass der Vermieter für entstandenen Schaden Ersatz leistet oder dass der Mieter auf Kosten des Vermieters den Mangel beseitigen lässt. Allenfalls kann der Mieter auch fristlos kündigen.

       [ffv 20092003]

 

Maulkorb (ein Präventivflick)

bissigen hunden wird ein maulkorb verpasst, damit man die arztkosten vermeiden kann. im politischen sinn ist ein maulkorb ein präventivflick für volksbewegungen und andere murrereien, damit das ungleichgewicht zwischen herrschenden und beherrschten nicht ins gleichgewicht kommt. [mvs: 030422] –> flic, zensur; CIA; FBI; geheimpolizei; karl kraus; anarchie

 

Maulschelle, Ohrfeige

ein simpler verzweiflungs- oder notflick – angewandt von erziehenden und anderweitig hilflos strengen stärkeren. wird meistens dann angewandt, wenn die not sprachlos machtvoll wird. dann wird das (brüll-) loch gestopft. aber tüchtig, sonst nützt es nichts.            [mvs: 030321] –> flic, le; lecksegel; teeren und
federn; strafen; eis at’schnurre

 

Mediation

Die Mediation ist ein Vermittlungsverfahren, um gegenseitig streitbare Parteien zu einer einvernehmlichen Lösung zu bewegen, statt dass sie sich in ein Gerichts-verfahren (sic!) mit unbekanntem Ausgang hineinmanövrieren. Die Aufgabe der Mediatoren oder Friedens-richterinnen, die nicht zwingend eine juristische Aus-bildung, aber doch immerhin rechtliche Grund-kenntnisse haben sollten, besteht darin, die Sachlage zu differenzieren (audi et altera pars), die strittigen Punkte jenseits von Schuldzuweisungen zu evaluieren, die Handlungs-möglichkeiten aufzuzeigen und die emotionalen Beweg-gründe von den effektiven Streitwerten zu trennen. In dieser Streitkultur gibt es weder Sieger noch Verlierer, weder Kläger noch Beklagte, dafür sind Vertraulichkeit und Lösungsorientiertheit wichtig. Zwar hat eine Mediation nicht juristisch bindende Funktion, doch geht es vor allem darum, das zerschlagene Geschirr unter der Obhut einer aussen stehenden Person zu betrachten, statt das Klima mit gegenseitigen Vorwürfen weiter zu vergiften, und (schnellere und damit kostengünstigere, meist auch für die Involvierten nachhaltige) Optionen zu vermitteln. Vorgänger solcher Mediations-verfahren sind die allerorts fest installierten Schiedsgerichte, seien es auf kommunaler Ebene die Friedensrichter oder branchenspezifische parajuristische Ämter wie z.B. die für die Streitparteien unentgeltliche Schlichtungsbehörde bei Miet-streitereien.               [ffv 25122003] –> mediator

 

Mediator

f. robinson, mediator: «i personify – as a mediator – the potention of a solution.» hauptbestandteil der arbeit eines mediators ist demnach seine präsenz. nicht als psychologisch ausgebildeter mensch, sondern als mediator. ‹mediator› ist sein etickett, sein werkzeug, sein programm. (das ist vielleicht etwa so, wie einen hund zu haben: wenn man ohne hund spazieren geht, redet auf der strasse keiner mit einem, hat man aber einen hund dabei, dann sind die menschen auf einmal äusserst kommunikationsfreudig.) der titel ist bereits funktion, da mit ihm eine erwartung verbunden ist, eine lösungserwartung, und damit auch eine grundsätzliche offenheit für einen dialog. nach diesem muster funktionieren sämtliche titel, akademische, diplomatische, militärische. sie führen ein eigenleben, das je nach gesellschaftlichem kontext mehr oder weniger macht und ansehen geniesst.            [lh] –> mediation

 

Medikament

 

Medizinzentrum ruft Leichenteile zurück

Bizarre Vorfälle im US-Willed-Body-Programme

New York (pte, 7. Aug 2002 10:28) – Ein texanisches Medizin­zentrum muss Leichenteile zurückrufen, die For­schungseinrichtungen zur Verfügung gestellt wurden. Das Medizinzentrum warnt, dass einige Leichenteile infektiös sind und nicht auf Hepatitis und HIV getestet wurden. Die Überreste werden vorrangig für Übungszwecke herangezogen, an denen Ärzte ihre chirurgische Techniken trainieren können. Die Teile sollen aber auch für Gewebs­implanta­tionen herangezogen worden sein, Verwendungszwecke, die allerdings nicht vorgesehen sind. Wie das Medizinzentrum mitteilte, könnten Sehnen, Bänder und anderes Gewebe für Transplantationen verwendet worden sind, berichtet die New York Times http://www.nytimes.com.

«Nicht einbalsamierte Teile, die zwischen November 2000 und Mai 2002 im Zuge des Willed Body Programme verschifft wurden, sind nicht auf Hepatitis B, Hepatitis C und HIV untersucht», bedauert Sprecher Chris Comer in der Diens­tag-Ausgabe des Houston Chronicle http://www.chron. com. Eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit bestehe aber nicht, man könne aber nicht garantieren, dass Trans­plantations-Patienten vor einer Infektion gefeit sind. Die University of Texas Medical Branch http://www.utmb.edu bedauert das Versehen und hat bereits 60 Forschungs­programme landesweit ge­warnt und eine Rücksendung der Teile innerhalb von 18 Monaten angeordnet.

Das Willed Body Programme des Medizinzentrums erhielt jährlich bis zu 300 Leichname, die wissenschaftlichen Zwecken zur Verfügung gestellt wurden. Nach den For-schungstätigkeiten wurden die Leichenreste verbrannt und die Aschen an ihre Familien retourniert. Seit einigen Mona-ten kam es aber zu bizarren Vorfällen. Seit Juli ist auch das FBI eingeschaltet. Es besteht der Ver-dacht des illegalen Ver-kaufs von «gespendeten» Leichen-teilen durch Mitarbeiter des Programmes. Die Aschen der Spender sollen zudem noch vermischt worden sein. Für das Fiasko wird ein Mitarbeiter verantwortlich ge-macht, der das Handling der gespendeten Leichen und die Überstellung in ein Krematorium am Campus überwachte. (Ende)

 

Meineid

ein eid wird vorab dort geleistet, wo das einfache wort nicht ausreicht. wo also das fehlende vertrauen durch ein zusätzliches ritual und eine intersubjektive verbindlichkeit ersetzt werden soll. ein meineid ist nun aber ein falscher eid, der sich als richtiger eid ausgibt, was die sache unsäglich verkompliziert. er konkurrenziert als latente gefahr den richtigen eid, oder zumindest einen, der meint ein richtiger zu sein. und wenn sich dann das vereidigte gegenteil ereignet, oder das vermeintliche gegenteil: wäre das dann ein vermeintlicher eid? oder doch auch ein meineid? gar ein gemeineid?            [lh]

 

Merfen & Heftpflaster

immer noch äusserst beliebte methode zum flicken von schürfwunden. man tropfe einige rote flüssigkeit aus der pipette in die wunde, ignoriere das leichte brennen, tupfe die merfenrinnsale weg, bevor sie auf böden oder textil treffen und klebe die ganze sauerei mit einem strip zu.             [lh]

 

Metronom

 

Meuterei

 

Mikro-Justiz

michel foucault benennt in ‹Überwachen und Strafen› (230 ff.) folgende mikro-justiz-verfahren: «Was in der Werkstatt, in der Schule, in der Armee überhandnimmt, ist eine Mikro-Ju­stiz der Zeit (Verspätungen, Abwesen­heiten, Unter­bre­chungen), der Tätigkeit (Unaufmerk­samkeit, Nach­lässig­keit, Faulheit), des Körpers («falsche» Körper­haltungen und Gesten, Unsauber­keit), der Sexualität (Un­anständigkeit, Schamlosigkeit). Gleich­zeitig werden als Bestrafungen eine Reihe subtiler Verfahren eingesetzt: von der leichten körperlichen Züchtigungen bis zu geringfügigen Entziehungen und kleinen Demütigungen. Einerseits sollen die kleinsten Verhaltensfehler mit Strafen belegt werden, andrerseits sollen anscheinend harmlose Elemente des Disziplinar­apparates zu Strafen umfunktioniert werden: bis alles dazu dienen kann, alles zu bestrafen; bis jedes Subjekt in einem Universum von Strafbarkeiten und Straf­mitteln heimisch wird. ‹Unter Bestrafung, Züchtigung, Kor­rektion etc. muss alles verstanden werden, was fähig ist, die Kinder die Fehler fühlen zu lassen, die sie begangen haben; alles, was geeignet ist, sie zu demütigen, zu beschämen…; sie gewissermassen kaltsinnig, gleichgültig, demütigend zu behandeln, ihnen etwas zu entziehen, sie von einem ihnen übertragenen Amte zu entsetzen…»

so wurde der gesellschaftsflick in bezug auf kinder im späten 18. und frühen 19. jahrhundert formuliert. formulieren heisst hier (auf sprache übertragen, die keinen geringen anteil an diesem prozess hat – auch im 20. jahrhundert gab es noch erziehungsmethoden, die das mundauswaschen mit seife nach ‹unwortäusserungen› vorsahen –) in form bringen: das ‹zerbrochene› oder ‹unfertige› individuum in gesellschaftsfähige form zu bringen. das ‹gesellschaftliche ganze›, von dem ausgegangen wird, selbst das kleinste teil dieses gesellschaftlichen ganzen sind ein kunstprodukte, zu dem alle individuen sich hinentwickeln sollen in einem unaufhörlichen flickprozess. man könnte das, je nach blickwinkel, auch selbstzensur, selbstgeisselung, analytischer prozess, normatives system, reifung oder was immer die euphemismen für hiercharische flicke sind, nennen.

in amerikanischen jugendstrafanstalten wird mit einem strengen gegenseitigen kontroll und- denunziationssystem gearbeitet: die ‹schüler› gewinnen punkte und steigen in der hierarchie auf, indem sie fehlerhaftes verhalten anderer schüler verpfeifen (z.b. nicht gerade auf einem stuhl sitzen, das hemd nicht in der hose haben etc.): der ertappte schüler muss sein vergehen gegenzeichnen. der ‹erfinder› dieser doch eher zweifelhaften methode ist stolz auf seine erfolgsquote – wie diese definiert ist, wird leider nicht erwähnt. interessant ist, dass diesem ‹protofaschistischen› modell gegenüber in europa ausgerechnet die türkischen jugendanstalten vorbildhaft sind: kein einschluss, ausbildung ausserhalb einer strafanstalt (dazu wüsste ich gern mehr…).             [lit.: michel foucault. überwachen und strafen] ® [mvs: 030309] –> michel foucault; katzentransportkörbe; zensur; gegenseitige kontrolle

 

Missbildungen im Pflanzenreich und anderswo

ist der titel eines reichbebilderten büchleins aus der kosmos bibliothek (1959): was da noch als kuriosa abgehandelt wird, wurde nicht lange später in bezug auf atomkraftwerke hin behandelt, nach tschernobyl wimmelt es in gewissen nahen gegenden nur noch von dem, was 500 jahre früher in jede wunderkammer gepasst hätte, weil es eben selten gewesen wäre. heute will man solche sachen gar nicht mehr sehen, weil die ursache ein technologisches versagen ist. das schlägt den omnipotenzgefühlen ‹natürlich› schwer aufs gemüt.

dass natürliche missbildungen durchaus schön sein können in einem ästhetischen sinn, auch lebensfähig und durchaus glückempfindend, scheint, nach tausend jahren euthanasiedunkelheit und reinheitsgeboten, erst im laufe der gentechnologie infrage gestellt. wenn man nichttechnologieverursachte abweichungen betrachtet, könnte man annehmen, dass die evolution auch ein labor betreibt: manchmal gelingts, manchmal weniger. wer weiss, ob wir nicht etwas eine missbildung nennen, was in zukunft die norm sein wird.             [lit.: Klaus Napp-Zinn: Missbildungen im Pflanzenreich] ® [mvs: 030607] –> ästhetik; sinnestäuschung; kunst am bau; down-syndrom; euthanasie im 3.reich; DNS-reparatur

 

Miststock, gezöpfelt

in meiner jugend hab ich (fünfzigerjahre, als elvis the pelvis grad die schwarze musik auf weiss umschockierte, den blues für die weissen halbwegs hingebastelt hatte), mit der familie im auto überland fahrend, ab und zu noch gezöpfelte miststöcke gesehen. diese visuelle verschönerung am riechbaren ist eine wunderbar wirksame sinnestäuschung. er, der miststock, der kackhaufen, stinkt nicht mehr, sondern sieht schön aus.            [mvs: 030308] –> ästhetik; sinnestäuschung; mediatisierung; kunst am bau; jailhouse rock

 

Mitleid

 

Moderne

vermeintlich homogenes substrat nach einer reihe von so genannten revolutionen, trennungen und säuberungen. moderne ist keine tatsache, sondern ein begriff. moderne ist kein prozess, sondern ein zustand, ohne geschichte und ohne zukunft. moderne behauptet, jederzeit unterscheiden zu können zwischen akten und fakten, zwischen dingen und bedingungen, zwischen gut und blöde (ja, eben), zwischen intrige und interesse, zwischen natur und kultur und subkultur, zwischen gesellschaft und wissenschaft und aberwissenschaft (oder aberglaube) etc., und produziert gleichzeitig ganz anachronistische mischwesen, die ihren höhepunkt in der biogenetik, dem ozonloch und der prophylaktischen massenimpfung gegen pocken erreichen: flickwerke unbestimmter herkunft und destination.

       [lit.: latour, bruno: nous n’avons jamais été modernes. essai d’anthropologie
symétrique. paris 1991] ® [lh] –> altlasten; stimmigkeiten; weltbild; death poems; voodoo

 

Moral

Der Mensch, ein vielfach verlogenes, künstliches und undurchsichtiges Tier, den anderen Tieren weniger durch Kraft als durch List und Klugheit unheimlich, hat das gute Gewissen erfunden, um seine Seele einmal als einfach zu geniessen; und die ganze Moral ist eine beherzte lange Fälschung, vermöge deren überhaupt ein Genuss im An­blick der Seele möglich wird. Unter diesem Gesichts­punkte gehört vielleicht viel mehr der Begriff ‹Kunst› « hinein, als man gemeinhin glaubt.  [Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse, 291]

 

Morosophie

muss noch geschrieben werden – wegen kurzzeitiger absenz fällt der text vorübergehend aus, wird aber wieder erscheinen: in dieser oder einer anderen form.

(geht aber schon um ‹de stultitia›, ‹dummheit› und andere überlebensstrategien.)       [mvs: 030429 etc.] ®
Æmorosophie; de stultitia, autobiographien; überlebensstrategien

 

Mumie