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K2r (Produktname). Mitte der 1950er Jahre schaffte eine Seilschaft italienischer Alpinisten im Himalaja-Gebirge die Erstbesteigung des als unbezwingbar geltenden K2. Fasziniert von dieser Leistung buchstabierte Carlo Vanoni, ein italienischer Erfinder, fortan die Rezepturen all seiner neuen Entwicklungen mit dem Vorsatz K2 von K2a bis K2z durch. Aus der damaligen Rezepturnummer für die K2r Fleckenpaste entstand der Markenname K2r. Unter dieser Marke wurde der weltweit erste Fleckenspray entwickelt, der unter Druck die flecklösenden Wirksubstanzen und das Schmutz absorbierende Pulver in das Gewebe einsprüht. Dieser Fleckenspray ist heute weltweit die Nr. 1 und bis dato das bekannteste Produkt innerhalb des umfangreichen K2r-Sortimentes (Backofenspray, Grillreiniger, Imprägniersprays, Geruchsentferner, Textildeo, Fleckenwasser, Gallseife, Vorwaschfleckenlöser, Spezialentfärber etc.). Der klassische Fleckenentferner entfernt fett- und ölhaltige Flecken, ist besonders geeignet für nicht waschbare Textilien, Polster und Teppiche, aber auch zur Entfernung von Teer- und Klebstoffresten. Anwendung: Eine saugfähige Unterlage auf den Fleck legen und mit einem sauberen, trockenen Tuch den Fleck von aussen nach innen abtupfen. Trocknen lassen. Vorgang eventuell wiederholen. Das Textil sollte vor der Behandlung an einer verdeckten Stelle auf Farbechtheit geprüft werden. Auf gummierten und imprägnierten Stoffen, Kunststoffen, Leder, Pelz, Wildleder und Nadelfilz darf das Produkt nicht angewendet werden. Grundsätzlich gilt: möglichst den frischen Fleck behandeln! Die Iromedica AG in St. Gallen, die Herstellerin der K2r-Produktelinie, ist ein Schweizer Familien-unter-nehmen, das pharmazeutische, chemisch-technische und kosmetische Produkte herstellt und vertreibt. Die chemisch-technischen Produkte sind in die Firma K2r Produkte AG eingegliedert. Das Unternehmen hat eine lange Tradition: 1932 wurde in Glarus die Darmosan AG gegründet. Dr. Adolf Schmidgall verlegte dieses Unter-nehmen 1949 nach St. Gallen. Seither firmiert es unter dem Namen Iromedica AG. Anfang März 2003 rief die Firma den K2r-Imprägnierspray für Textilien und Leder 300 ml zurück; laut dem schweizerischen toxikologischen Informationszentrum wurden nach dem Einsatz von verschiedenen Imprägniersprays vermehrt Atemwegstörungen beobachtet. Ob die Beschwerden allein auf unsachgemässe Anwendung der Produkte zurückgeführt werden können, war zu diesem Zeitpunkt noch unklar und in Abklärung. Von dieser Massnahme war lediglich der Imprägnierspray mit dem Treibmittel Propan-Butan betroffen, nicht jedoch der K2r-Textilimprägnierer flüssig. [ffv 28122003]
Kabelbinder Dieses witterungsbeständige, unverwüstliche, billige Plastikprodukt (durch Kohlenstoffzusatz wird die Einwirkung von UV-Strahlen auf das Material verzögert) kann nicht nur, wie der Name suggeriert, Kabel befestigen. Die einfache Montage dieses Massenprodukts (abgepackt zu 100 Stück) hat es auch hoffähig gemacht, um renitente Personen festzusetzen. Festgezurrt um die Handgelenke auf dem Rücken wird jeder Demonstrant ausser Gefecht gesetzt. Das Produkt ist in den Längen 100, 140, 178, 290, 360 mm konfektioniert. Für den Innenbereich gibt es das Produkt neutral milchig, für den Aussenbereich in edlem Schwarz. [ffv 28122003]
kalfatern holzplanken eines schiffes mit werg und teer abdichten. in die fugen und risse zwischen den planken wird werg eingeschlagen, wozu spezielle kalfateisen benutzt werden. nachher werden die nähte mit pech ausgegossen. das kalfatern dient einerseits dem primären abdichten der fugen, andererseits gleicht es das zusammenziehen und das ausdehnen des holzes bei wechselnder feuchtigkeit aus, verkeilt die planken gegeneinander und gibt dem rumpf eine elastische stabilität. etymologisch liegt dem wort das gleichbedeutende arabische qalfata zugrunde, das wohl in den provenzalischen häfen ins galloromanische gelangte und altprovenzalisch calafatar, französisch calfater ergab. woraus dann die niederländischen und niederdeutschen formen kalefateren und kalvaten hervorgingen. [lh]
kaputt
Wenn der Amateur flickt, dann macht er etwas Kaputtes wieder funktionsfähig. Wenn der Fachmann flickt, dann sieht man nichts vom Flick, da darf man nichts merken, dass da etwas repariert ist. Und ein Fachmann ist derjenige, der Freude hat, dass man die Reparatur nicht sieht. Er ist ein Künstler, dessen Ideen, Einfälle, Gefühl, Augenmass, Präzision und ruhige Nerven im Flickopus amalgamieren. [ffv 14022003]
Aber jetzt hat der Max gesagt, weil ich drei Mark habe, müssen wir Eier kaufen; und wir möchten viel mehr Spaß haben, wenn wir mit die Eier schmeißen, weil es dann ganz gelb herunter rinnt. Ich habe gesagt, das ist wahr, und wir haben jetzt immer [147] Eier gekauft, wenn wir aus dem Gymnasium sind. Wir haben es entdeckt, daß kein Fenster nicht kaput geht, wenn man es mit dem Ei trifft. Es platscht, und die Leute unten lachen, weil es so gelb ist, und die Leute oben reißen das Fenster auf und schimpfen furchtbar. Aber es geht nicht kaput. [Ludwig Thoma, Tante Frieda (1907), 146f]
Die Kellnerin kam eilig aus der Gaststube gelaufen und sagte, sie habe nur geschwind die zerbrochenen Gläser gezählt. «Drei san kaput, und oans hat an Sprung, dös macht mitanand vier Mark achtzgi, und elf Halbi Bier hast g’habt, macht sechs Mark zwölfi, und a sauers Nierl macht sechs Mark zwoaraneunzig, und a Brot aa? Nacha san’s sechs Mark und fünfaneunzg Pfenning.» «Du werst do it glaab’n, daß i dir de Halbikrüagl zahl, wo de Diab, de Leutbetrüaga z’sammg’schmissen hamm?» «Oana muaß s’ zahl’n…» [115] «Na verlangst as von wem d’ magst, i zahl s’ amal net…» Der Unterbräu mischte sich ein: «De Kellnerin werd an Schaden net trag’n müassen, wenn’s ös rafft’s. Vorderhand zahlst du, und mit de andern ko’st d’as ausmacha, wia ‹s d’ magst…» «Fallt ma gar it ei…» «I laß eahm ‹s Roß net aus’n Stall, vor er net zahlt hat», sagte Wastl. «So? A so macht’s as ös an Bauernmenschen? Z’erscht laßt’s ös zua, daß in enkera Wirtschaft solchane Diab de Leut ‹s Geld stehl’n, und na tat’s ma ‹s Roß z’ruckhalt’n? Dös will i sehg’n, ob dös geht.» «Heut geht’s», entschied der Unterbräu. «Bal du de Saufgaudi g’richtsmaßi macha willst, is dei Sach. Da werst na dei Recht scho kriag’n. Jetzt amal werd de Kellnerin zahlt…» Der Ruepp sah, daß er auf andere Weise nicht zum Einspannen komme, und zählte der Kellnerin schimpfend das Geld auf. [Ludwig Thoma, Der Ruepp (1922), 114f] kaschieren (frz. ‹verbergen›, ‹verdecken›). das verdecken von unschönen stellen: ein schönheitspflästerchen. «In der Buchbinderei und der Kartonageindustrie das meist zweiseitige Bekleben von Pappe mit unbedrucktem oder bedrucktem Papier, oft mit Hilfe der Kaschier-maschi-ne». [lit.: Der Grosse Brockhaus 1931] > schönheitspflaster Katalysator
Katzentransportkörbe, geflickte bis vor einiger zeit die drahtigen und die plastiken tragkörbe aufkamen, waren viele katzentransportkörbe aus weidengeflecht. und ebensoviele körbe waren vielfältig geflickt: mit schnur, draht und holztüren wurden die löcher gestopft, die die katzen bei ihrem versuch, die freiheit zu erlangen, in die körbe rissen. ein doppeltes flicken aus zwei entgegengesetzten ganzheitsinteressen einerseits der fluchtsichere transportkorb, andrerseits die beschädigte freiheit, die es (durch das loch) wiederherzustellen gilt das sich gegenseitig ganz schön auf trab hält. [KatzenTran-SportKörbe : ist ja nur ein missverständnis, das schnurstracks zu den >turnvereinen und zu >lebertran führt.] [mvs: 030213] > revolution, gefängnis(ausbruch-versuche); lebertran; turnverein Kehr-richt-sack was in den abfall kommt, will man nicht mehr sehen, das kommt in den hades. dass die kehrrichtsäcke, für die man den hades-obolus bezahlt (überschiffen, kehrrichtsverbrennungsanstalt), aber unglaublich inkontinent sind: das ist eine renitenz des abfalls, der entsorgung (na ja: die produzenten der abfallsäcke wollen halt, neben der taxgebühr, auch was verdienen gewinnabschöpfung ist hier: materialqualität schwach, taxe stark dem abfall unterstelle ich jetzt mal kein bewusstsein des entsorgtseins : warum soll abfall utilitaristisch denken?). das wär mir als überlegung zugänglich. wenn ich aber am abfall-sackzukleben bin, weil er schon wieder (die erfahrung zeigt, dass so in etwa jeder zweite sack inkontinent ist) die küche durch seine löcher beschenkt, dann denk ich schon an die büchse der pandora und klebe weiter. dass ich das klebband mit schimpfwörtern verstärke: das stellt das verständnis zwischen dem abfallsack und mir wieder her. ein kleines nachwort zu den abfallsäcken: sie enthalten ja die wunderschönsten enzyklopädien. [mvs: 030429]
In den Kehrigthaufen vor der Stadt lesen und suchen was den Städten fehlt, wie der Arzt aus dem Stuhlgang und Urin. [lit.: georg christoph lichtenberg: sudelhefte J 990] > aside; mikro-justiz; freundlichkeit; alltag; utilitarismus; enzyklopädie; robidog Kesselflicker Abaellino lächelte. «Sagst du, wir treiben ein ehrloses Gewerbe? was ist Ehre? ein Wort, ein leerer Schall und ein leeres Hirn-gespinnst. Der Knikker sagt: Ehre ist es reich zu sein, und die Goldstükke zu Tausenden zählen zu können. Ehre, sagt der Wollüstling, ist es von jedem Mädchen angebetet zu werden und jedes schöne Weib zu besiegen. Nein, [22] sagt der Feldherr, Städte zu erobern, Armeen zu schlagen, Dörfer zu verheeren, das bringt Ehre. Der Gelehrte sezt seinen Ruhm in die Menge der Folian-ten die er geschrieben, oder gelesen hat; der Kesselflikker in die Kunst Scherben wieder genau zusammen zu kitten; die Nonne in die große Zahl ihrer Andachtsübungen; die Weltdame in die Menge ihrer Vergötterer; die Republik in die Größe ihrer Provinzen und so, Freundchen, sezt jeder seine Ehren in etwas anders. Warum ist es ehrlos, wenn wir uns in unsrer Kunst Glanz und Vollkommenheit erringen.» [Johann Heinrich Daniel Zschokke, Abaellino der große Bandit (1794), 21f]
Kinderflickwerk
wer kindern ausgesetzt ist, mag sich fragen: ‹warum lebe ich nicht mit katzen? das wär doch einfacher.› so ist es eben nicht wer mit diesem oder jenem lebt, flickt sich auf verschiedene art und weise. katzen sind ab origine nicht erziehbar, obwohl sie sehr lernbegierig sind (nach 3-monatiger grundschule werden sie dann auch von den müttern in die umwelt rausgesetzt, der näxte hormonschub wartet, die näxte schwangerschaft: get a life kiddie!). kinder sind leichter zu erziehen, aber weniger lernbegierig. was auch immer, jetzt brauch ich einen flick auf die entsorgung. [mvs: 030606] > blöde aussage; katzen; kinderfragen; laufgitter
Kinderfragen
kinderfragen sind fragen an ein weltbild, das in osmotischem diskurs in permanentem flick-erneuerungs- und ergänzungszustand ein erst erstehendes heranflickt. mit bauklötzchen türme bauen ist die entsprechende metapher: manchmals hälts, manchmal brichts zusammen. dann beginnt man neu und flickt weiter an der : enzyklopädie? dem weiterleben? «warum»? ist eine existentielle frage an das unverstandene, immer wieder inkongruente, auch flickbedürftige. warum ist die erde rund? warum ist die banane krumm? [mvs: 030430] Kinderlieder und -verse Bum bum bum, euses Hus isch chrumm. Es chund en al te Zim mer ma und will das Hus i d Gre di ha, bum bum bum, eues Hus isch chrumm. Meierskappel
Hei le hei le Sä ge, d Katz lit uf der Stäg ge, s Müs li uf em Dach, dass s Mai te li wi der lacht. Basel
Haile haile Säge, d Katz sitzt uf der Stäge, und wenn s Müsli fure kunnt, isch mi Kindli wider gsund.
S Büebli isch vom Rössli gfalle, het e grossi Büle. «Büebli, muesch nit hüle! Weisch, bis du Grossvater bisch, alles wieder gheilet isch.» [rg]
Kitt «Fürchte dich nicht,» sagte der Minister, «ich werde niemals falsch mit meinen Freunden sein. Eine Stütze braucht man ja doch schließlich in der Welt, und worauf sollte man zählen, wenn nicht auf die Freunde? Ihr könnt also alle drei sicher sein, daß ich euch niemals täuschen werde, wenn ihr mir nur treu bleibt. Der Grund ist sehr einfach der, ich will ihn aus den Egoismus erklären, die einzige Norm sich und die anderen gut zu beurteilen: Wir leben zusammen; würdet ihr nicht, sobald ihr bemerkt daß ich euch täusche, mir es bald heimzahlen? Das ist das ganze Um und Auf der Freundschaft, ein gewiß schwer zu verstehendes Gefühl im selben Geschlecht, ausgeschlossen zwischen verschiedenen, denn dann müßte die Tugend der Kitt sein und damit würde es verflachen und bald in nichts zerfallen. Ist aber die Lust die Grundlage, so verändert jeder Gedanke die Bande. Die Begierde, die einzig wirkliche Nahrung der Freundschaft, verändert die Knoten jeden Augenblick. Man liebt sich von Tag zu Tag mehr, weil man von Tag zu Tag einander mehr bedarf. Man ergötzt sich an seinem Freund, mit seinen Freund und durch den[334]selben. Die Wollust verdoppelt sich, und dann erst lernt man sie wirklich kennen. Was habe ich hingegen von der Tugend? Einige vertrocknete Lustgefühle, eingebildete Freuden, die bei der ersten Probe dahinsiechen und darum so viel Bitterkeit hinterlassen, weil sie die Eigenliebe verletzen und es keine fühlbareren Wunden gibt, als die der Stolz empfindet.» Es war spät geworden. Wir gingen schlafen; wir legten uns alle vier in ein Bett, eigens zu solchen Szenen geschaffen, und nach einigen Schweinereien schliefen wir ein. [Donatien-Alphonse-François Marquis de Sade, Juliette oder die Wonnen des Lasters (1797/1904), 333f]
Klabautermann im aberglauben der seeleute ein schutzgeist, der an schadhafte stellen der schiffswände klopft und dem schiffs-zimmermann so anzeigt, wo er ausbessern soll. er ist aber auch ein unglückverheissender kobold, der den untergang anzeigt (und so manches schiff, so manche leich liegt irgendwo im wasser. später sagen sie dann: «er ist auf see geblieben.») [lh] > aberglaube; seemannsgarn; lecksegel
Klage
Klavierstimmen Ein Piano sollte ein- bis zweimal pro Jahr gestimmt werden. Bei sehr starker Benutzung oder professionellen Ansprüchen verkürzt sich dieser Zeitraum. Ein fabrikneues Instrument verstimmt sich schneller. Deshalb sollte dieses in den ersten 23 Jahren mindestens zweimal jährlich gestimmt werden. Klavierstimmen erfordert kein absolutes Musikgehör, weil das Stimmen durch den Vergleich mit einer Referenz ausgeführt wird. Dazu werden Schwebungen und die Bezugsfrequenz einer Stimmgabel genutzt. Das Vermeiden von direkter Wärmeeinwirkung durch Heizungsnähe oder Sonnenbestrahlung schont das Instrument. Auch die Umgebungsluftfeuchtigkeit sollte im Normalbereich gehalten werden. «Ihren telefonischen Stimmauftrag kann ich nach ca. 7 bis 10 Tagen ausführen» «Das Stimmen sollte in einem festgelegten Turnus wiederholt werden. Auf Wunsch nehme ich Sie in meine Kundenkartei auf und rufe Sie jeweils zwecks Vereinbarung eines Stimmtermins wieder an (Stimm-Abonnement).» «Den Stimmtermin benutze ich zudem, um das Piano innen zu reinigen und zu kontrollieren. So erkenne ich allfällige Veränderungen an Klangkörper oder Mechanik/Klaviatur und kann Sie rechtzeitig auf Mängel aufmerksam machen. Bei guter Pflege sollten selten Reparaturen anfallen, aber gelegentlich muss die Mechanik reguliert und intoniert werden. Dabei werden Klangcharakter und Spielbarkeit wieder egalisiert.» [rg]
Klebeband
Klebstoff Kleben gilt landläufig als Notbehelf: Schuhabsätze, Waschlappenhaken, Bilderrahmen etc. Doch wer weiss schon, vor allem kaum die Besitzer, dass ein neuer 7er BMW 140 Meter Klebnähte aufweist und den Luxus-schlitten zusammenhält. «Heimlich, still und leise hat das Kleben in vielen industriellen Bereichen begonnen, die herkömmlichen ‹Füge-techniken› wie Nageln, Nieten, Schrauben und Schweißen zu verdrängen. Das wird nicht an die große Glocke gehängt, weil das Image des Klebens nicht das allerbeste und der Hinweis auf eine Klebnaht nicht gerade ein Wett-bewerbsvorteil ist. Dennoch gibt es mittlerweile für jede Branche und jede Anwendung spezielle Wunsch-kleber mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften. Insgesamt 25000 Klebstoffe sind es weltweit, vielleicht auch schon 30000, denn jeden Tag kommen neue hinzu. […] Das größte Plus des Klebens liegt zweifellos in der schier unendlichen Anzahl von Eigenschaften, mit denen man entsprechende Haft-substanzen ausstatten kann. Längst ist dabei das eigentliche Kleben nur noch eine Funktion unter vielen anderen. In der Mikroelektronik etwa werden inzwischen Spezialklebstoffe eingesetzt, die elektrisch leitend sind. Sie fixieren einerseits die winzigen Elektronikbauteile und er-setzen andererseits das herkömmliche Kupfer, indem sie als Leiterbahnen dienen und all das im Nanomaßstab. […] Die Bau- und Mikroelektronikbranche sind genau wie die Ver-packungs-industrie alte Kunden der Leimhersteller. Seit einigen Jahren kommen allerdings auch zunehmend Interessenten aus der Fahr- und Flugzeugindustrie, die nach Alternativen zur bisher unangefochtenen Fügetechnik des Schweißens suchen. Vor allem der Zwang, den Energie-ver-brauch zu senken, führt zu einem unerwarteten Klebeboom. Denn Energiesparen heißt: sparsame Antriebe entwickeln, windschlüpfrige Formen und Leichtbau. Um Ka-ros-serien abzuspecken, kommen immer dünnere Spezial-bleche, Alu-minium, Magnesium und Faserverbundwerkstoffe zum Einsatz und die sind schwer oder gar nicht zu schweißen. Bei einem Materialmix führt am Kleben sowieso kein Weg vorbei. […] Auch traditionelle Energieverschwender wie die schweren alten Eisen- und Strassenbahnen werden seit einigen Jahren gewichtsoptimiert und aus geklebten Leicht-bau-modulen gefertigt. Der Regio-Shuttle der Berliner Adtranz etwa wiegt mit seiner geklebten Kunststoff-Außenhaut 25 Prozent weniger als ein Vergleichsfahrzeug aus Stahlblech. Bei einem Lebenszyklus von 30 Jahren kann diese Bahn bis zu 80000 Euro an Energiekosten einsparen.» [Burkhard Strassmann: «Gott gebe, dass es klebe». In: Die Zeit, 4.7.2002, 25]. Jenseits von Universalkleber auf Kaseinbasis, Polymer-Klebstoff, Epoxyd-Kitt, Hydraulik-Pneumatik-Dichtung, Sekundenkleber, Hochtemperatur- und Extremklebstoffen sind aber die Klebeigenschaften im Wandel der Zeit und der Alterung ungeklärt. Während genietete Materialien ein Jahrhundert überdauern können (cf. Eiffelturm), kennt jeder das Phänomen von Klebstreifen, die nach einiger Zeit im Sonnenlicht zwar den Klebstoff am aufgeklebten Material zurücklassen, doch der Träger davon abfällt. Die physikalischen und chemischen Einflüsse auf (bearbeitete) Untergründe wirken sich z.T. stark auf die Haftung aus. Und wer übernimmt dann die versicherungstechnische Haftung? Dabei sind genau intelligente Klebstoffe die Herausforderung der Zukunft: auf Knopfdruck würden sie sich lösen, auf Knopfdruck würden sie kleben. So wie Post-It! [ffv 16022003]
Kleider, des Kaisers neue «das isch dä füdliblutt wahnsinn!» so einfach werden schöne kleider geflickt oder muss man eher sagen: weggeputzt. [mvs: 03070]
Kleinkredit
Klempner Ohne Sinn für Ästhetik flickt der Klempner. Allein die unmittelbare (und nicht unbedingt die dauerhafte) Wiederherstellung der Funktion ist ihm wichtig; er will ja später wieder etwas zu tun haben. Er ist sozusagen die mobile und personifizierte Sollbruchstelle. [ffv 09042003]
Klitterwerk Kneipe die kneipe hat eine lange historische flick- sprich überbrückungstradition. da haben die arbeiterkinder nach schulschluss bei einem sirup auf den fabrikfeierabend gewartet, wonach sie dann von ihren müttern und vätern abgeholt worden sind (das mit den so genannten schlüsselkindern kam später). da versammeln sich immer wieder all jene, die ein exilzuhause brauchen und kein ferienhaus an der riviera, keine zweitwohnung in savognin besitzen. da flickt man heute den übergang von arbeit in freizeit (lounching, afterworkparty), den übergang von single- in partnerdasein (flirt etc.), den abgang (von fussballweltmeistertitelverteidiger z.b.), den alleingang, den kollektivgang, den untergang. [lh] > übergangsschnuppern
Knochenmarktransplantation Knochenschlosser Umgangssprachlich für Chirurg. Der Begriff erinnert daran, dass chirurgisches Handwerk nicht in jedem Fall zimperlich ist. Der Zahnarzt erhielt im Volksmund den Begriff Zahnklempner und spielt damit auf die Akustik des zahnärztlichen Bestecks an. [ffv 28122003] > euphemismen; handwerk Kollekte (Glückskette) kommerzialisiertes Flicken Zu kaufende geflickte Hose als Teil der Mode-industrie, die das Flicken als Motiv in ihr Design eingebaut hat. In diesen Kreationen, die den Flick zum ästhetischen Blickfang züchten und das Stigma der Notlösung a priori ausblenden, sedimentiert eine handwerkliche Praxis aus dem Kontext der Armut und Not zum modischen Gag. Armut wird damit in einer geläuterten Form salonfähig. [ffv 15022003] > jeans Kompatibilität wer wo welche sprache spricht wer wo welche sprache versteht: welch wunder (und welche alliterationen auf ‹w›! (weh)). [mvs: 030214] > turnverein; katzentransportkörbe Konfliktbereinigung Dass Jakob Böhm ein enthusiastischer Pinsel gewesen, will ich jedem, der es behauptet, gerne zugeben, wenn er mir erlaubt ihn dafür für einen noch grösseren zu halten. [Georg Christoph Lichtenberg] Konditionstraining Konstrukt mit den parametern der einen wirklichkeit auf das wesen einer andern schliessen. [lh] > grenzwerte; horoskop; asylwesen; axiom; anders
Kontaktanzeige auf der suche nach xy, zwecks vervollkommnung der beziehungsstruktur. und damit das dann auch passt, gibt man eine kurze beschreibung seiner selbst und eine kurze beschreibung von unbekannt: sie haben 1000 zeichen. und mit diesen 1000 zeichen schreiben dann alle, dass sie ein wenig so sind wie alle: zwei beine (zum in-der-welt-herum-spazieren), zwei arme (zum umarmen), ein körper (dito), ein kopf (?), zwei augen (augenblick, augenweide etc.), ein mund (zum küssen, wozu denn sonst). vielseitig interessiert, gern zu hause, aber auch gern unterwegs, draussen zum beispiel, in der so genannten natur, ein wenig sportlich-dynamisch, ein wenig kulturell-archaisch, ein wenig soso und lala, ein wenig tiger oder bär, ein wenig miezekatze, eigenständig, unabhängig, geistreich und tiefsinnig (ist das nicht paradox?), gut aussehend so sagt man mir auf jeden fall und humorvoll (aber ja). und was lernt man daraus? nichts besonderes. alles da, recht eigentlich. [lh] > ver-lassen; sehnsucht; kneipe
Kontaktlinsen der unsichtbare sehflick. [lh]
Kontamination kontaminierte, verseuchte gebiete, objekte werden, abhängig von der art der verunreinigung, auf verschiedenste weisen gesäubert. Peking: 11000 in Quarantäne. In China breitet sich die Lungenkrankheit Sars weiter aus. Innerhalb eines Tages berichtete das Gesundheitsministerium in Peking über 187 neue Fälle, davon allein 122 in der Hauptstadt. 11000 Menschen stünden unter Quarantäne, berichteten staatliche Medien. Die Schweiz dagegen gilt als sicher. Wegen Sars treffen sich nächste Woche erstmals die EU-Gesundheitsminister zu einer Sondersitzung zusammen. [20 Minuten, 2.5.2003] ® [mvs: 030513]
Konversion Wenn Werkzeuge nicht mehr geflickt werden können (wegen Materialverschleiss, wegen unmöglicher aufzutreibender Ersatzteile etc.) kommt auch für den sonst gewohnten Reparateur und Flicker eine Modifikation des Geräts in Frage. Diese Umnutzung kann mit dem ursprünglichen Verwendungszweck, der ursprünglichen Funktion noch in Verbindung stehen, muss aber nicht. Dabei ist wichtig zu sehen, dass es dem Alltagsmenschen darum geht, eine Funktion zu erhalten und nicht den Gegenstand, interesse- und funktionslos, museumsreif und bloss als nutzlose Selbstrepräsentation zu präsentieren. Der homo faber denkt und gestaltet sich seine Welt utilitär, sein Nützlichkeitsdenken endet, wenn alle unmittelbaren Praktikabilitäten ausgereizt sind, zuletzt im Schönen, im Dekorativen, im die Welt der Überlebenden wieder Erfreuenden, bisweilen Kitschigen. Beispiele: Schwerter werden Pflugscharen; Sen-senblätter werden Messer; Mistgabeln werden Schür-haken; Getreidesäcke werden Putzlumpen; Käsekessel wird Blumentrog; Bananen-transportkiste wird Umzugs-karton; Stahlhelm wird Kochtopf, Küchensieb, Güllen-schöpfer; Strumpfhosen werden Stofftiere; Sofortbild-kamerabatterien werden Puppen-hausbeleuchtungs-energie; gerissene Transmis-sions-riemen werden Schuhsohlen; und Weinkisten werden Regale; Kisten-bretter werden Hasen-ställe; Transport-paletten werden Bettroste; ausrangierte Vorfenster werden Wintergärten; Eisenbahnschwellen werden Ab-schrankungen, Garten-zäune oder Geländehalterungen; Weinflaschenkorken werden Bodenbelag; Parksäulen-schoner und Lastwagen-planen werden Umhänge-taschen; ausgemusterte Eisen-bahnschienen werden Äxte; Plastikfässer werden Most-fässer oder Regen-wassersammler; Kupferkessel und Wagen-räder werden Blumengefässe; Senfglas wird Trinkglas; Speise-essig-flasche wird Blumenvase; Betten-roste werden Garten-tore; Kleiderkittel werden Vogel-scheuchen; Badewannen werden Wasserversorgungs-tröge für Kühe; Unterwäsche werden Spül-lappen; Fässer werden Instrumente; Sicher-heits- wird Ziergurte; Telefon-hörer und Elektronikabfälle werden Spiel-zeug-autos; Armeewolldecken werden Gilets; Konserven-dosen werden Uhrenzifferblätter oder Kinderinstru-mente… [ffv 16022003] Konvertit Konzentrationslager Kopfnuss Æerziehung korrektionelle Nachhaft «: zusammenfassende Bezeichnung für die Überweisung von Strafgefangenen in Arbeitshäuser oder an die Landespolizeibehörde. Der neue deutsche Strafgesetzentwurf sieht in den §§ 55 63 mehrere Arten der K.N. zur Besserung und Sicherung vor, wie die Unterbringung geisteskranker, vermindert zurechnungsfähiger, trunk- und giftsüchtiger Verbrecher in Heil- oder Pflegeanstalten und in Trinkerheilanstalten oder Entziehungsanstalten, die Unterbringung von Bettlern, Landstreichern, Dirnen usw. in einem Arbeitshaus, die Sicherheitsverwahrung gemeingefährlicher Gewohnheitsverbrecher sowie die Schutzaufsicht. In Österreich kann nach dem Ges. v. 24. Mai 1885 das Gericht bei der Verurteilung wegen Landstreicherei, Bettelei, Arbeitsscheu, Verweigerung einer von der Gemeinde zugewiesenen Arbeit, Übertretung der Prostitutionsvorschriften, Zuhälterei, Bruch der Polizeiaufsicht die Überweisung in eine Zwangsarbeitsanstalt bis zur Höchstdauer von 3 Jahren aussprechen. Nach Art. III des Ges. v. 23. Juli 1920 können ferner mehr als zweimal vorbestrafte, mindestens 18jährige Verbrecher bei Verhängung einer mindestens sechsmonatigen Freiheitsstrafe, wenn sie eingewurzelte Abneigung gegen einen rechtschaffenen und arbeitsamen Lebenswandel bekunden, in der gleichen Weise bis zur Höchstdauer von 5 Jahren in der Zwangsarbeitsanstalt untergebracht werden. Ähnl. Bestimmungen wie der deutsche Strafgesetz-entwurf enthält der Schweizer Entwurf von 1918 in den Art. 40 42.» [lit.: Exner: Theorie der Sicherungsmittel (1914); Der grosse Brockhaus, Leipzig 1931] ® [mvs: 030422] > mikro-justiz; gesellschaftsflick Korrektorin/Korrektor «Ihre Deutschkenntnisse sind sehr gut. Das heisst, Sie sind in der Grammatik, Orthografie, Morphologie, Syntax, Interpunktion und Typografie sattelfest. Sie arbeiten gerne exakt und schnell und beherrschen die neue Recht-schreibung. Ihre PC-Kenntnisse können sich sehen lassen, und die Funktion zwischen den Ressorts und der Produktion ist für Sie eine spannende Herausforderung. Und besonders wichtig: Es macht Ihnen Freude, im Team und in der lebendigen Welt eines Zeitschriftenbetriebs zu arbeiten.» [Stellen-anzeiger des Tages-Anzeigers, 13.02.2003, Stellenausschreibung für das Korrektorat der «Schweizer Familie», 28] ® [rg] > sprache Korrekturen In dieser Enzyklopädie wurde dank aufmerksamen Augen u.a. Folgendes korrigiert: Amerdrika>Amerika, Ank-doten>Anekdoten, argumetieren>argumentieren, Athma>As-thma, Authorität>Autorität, Bismark>Bis-marck, Chas-see>Chas-sis, disputantum>disputandum, eingestandermassen>eingestandenermassen, Eti-ckett>Eti-kett, Forsungspro-gram-me>Forschungs-pro-gramme, Gefielden>Gefilden, gegrille Brat-wurst>ge-grill-te Bratwurst, ghekomässig>geckomässig, Güte-sigel>Gütesiegel, hiner>hinter, hochexpolsives>hochexplosives, Inqusition>Inquisition, kapputt>kaputt, Kom-patilibität>Kompatibilität, Lakmus-probe>Lackmusprobe, leuch-tedes>leuchtendes, Loghorröe>Logorrhöe, Nietze-sche>Nietzsche, nighmare>nightmare, pfeifft>pfeift, Pro-visurium>Provisorium, represäntativ>repräsentativ, rießige Mäuse>riesige Mäuse, Satndorte>Standorte, schnur-straks>schnurstracks, Schweister Meister-schaft>Schweizer Meisterschaft, Setziermes-ser>Se-ziermesser, Therat-peu-ten>Therapeuten, tortzdem>trotzdem, Übergansbestimmung>Übergangsbestimmung, Überwachsungsdienst>Überwachungsdienst, verteildigen>verteidigen, Vokssee-le>Volks-seele, vokstüm-lich>volkstümlich, Wahrnehmug>Wahr-nehmung, Winter-spotaktivisten>Wintersportaktivisten. [ffv 24122003] > erratum; autokorrektur
Korrekturlesen ein bewährtes mittel: den text wort für wort rückwärts lesen. so wird verhindert, dass das hirn des geübten lesers ‹automatisch› den fehler korrigiert und somit nicht bewusst zur kenntnis nimmt. diese automatische korrekturfunktion ist unter viellesern sehr verbreitet. computer spell-check-programme haben dieses problem nicht: sie schlagen dafür alles über einen leisten und kommen bei wörtern, die sie nicht kennen, auf die wunderlichsten vorschläge: aus empedokles wird empedoklessig. drum haben diese programme eine funktion, mit der man sie flicken kann, indem man sein eigenes wörterbuch anlegt. [mvs: 040107] > erratum; autokorrektur Korrekturtaste «Mit der Korrekturtaste können Sie vorgenommene Einstellungen zurücksetzen…», «Das Betätigen der Kor-rekturtaste führt zur Ausgabe des bisher eingeworfenen Geldes…», «Die Korrekturtaste (Backspace) löscht das Zeichen links vom Cursor…»
Korrekturzeichen Grundsätzlich gilt, Korrekturen so deutlich vorzunehmen, dass kein Irrtum entstehen kann, ansonsten es zur Korrektur der Korrektur kommt. Korrekturzeichen sind nicht nur an der entsprechenden Textstelle anzubringen, sondern auch am Papierrand zu wiederholen. Dabei sollten die Korrekturzeichen logisch nacheinander am Papierrand erscheinen und je eindeutig sein. Wenn also 5 Rechtschreibfehler innerhalb einer Textzeile vorhanden sind, muss jede Korrektur ein besonderes, eindeutiges Korrekturzeichen aufweisen. Ergeben sich in einem Absatz umfangreichere Korrekturen wird das Neuschreiben des Absatzes empfohlen. Erklärende Vermerke zu einer Korrektur sind durch Doppelklammern zu kennzeichnen und somit vom eigentlichen Korrekturtext zu unterscheiden. Der Sichtbarkeit wegen wird empfohlen, die Korrekturen farbig auszuzeichnen. Ob allerdings der Rotstift als schrille Alarmfarbe zum Einsatz kommt, ist eine Frage des Stils und der Zielperson. Lese- und Schreibschwache werden z.B. bei Rotanhäufungen oft an ihre Schreibblockaden in der Schulzeit erinnert und reproduzieren darauf hin ihre mangelnde Kompetenz. [ffv 28122003] Korsett Kosmetik Kotz, kotzen der kotz ist ein unglaublich befreiender (wenn auch oft schmerzhafter und schlecht duftender) entsorgungsflick: weniger ist oft besser. ‹erbrechen› ist auch ein schönes wort: entbrechen wär auch gut ‹sich übergeben› ist allerdings etwas defätistisch angehaucht. wenn der magen sich geflickt hat, gehts bald besser. ein entbrechen anderer art ist der gruss ‹grüss kotz›, gebraucht von in katholisch epidemisierten landschaften ansässigen unbotmässigen: das ist wohl eher ein notflick. [mvs: 030214 etc.] > entlassungen; wirtschftssanierungen; seefahrt; schunkeln; kamillentee; klosterfrau melissengeist; euphemismus; blasphemie; notflick Krankenkasse Krieg, der Hoffnungs- und Verzweiflungsflick (Dummheit) (wenn die einen den anderen (im namen von freiheit, glauben, bestimmung etc.) am zeux herumflicken und vice versa.) Aus E.T.A. Hoffmans Tagebüchern: Dresden, 25. August 1813. Nachmittags die grösste Unruhe. Gefecht zwischen Russen und Franzosen in der Ferne angesehen. Verwundete blutig und schreiend brennendes Haus Hoffnungen! 26. August. Einer der merkwürdigsten Tage meines Lebens . Schon früh 7 3/4 Uhr sah ich vom Boden des Nebenhauses, dass die Russen in Kolonnen anrückten; um 11 Uhr kam der Kaiser Napoleon mit einem Teil der Garden, ich sah ihn lange an der Elbebrücke, umgeben von seinen Marschallen, halten, wie er Befehle austeilte pp. Zwischen 4 und 5 Uhr griffen die Russen und Österreicher die Stadt auf allen Seiten an, und ich sah vom Boden die fürchterliche Kanonade, Schlag auf Schlag. Eben als ich nach Hause gehen wollte, sauste eine Granate über meinem Kopfe durch die Luft und fiel zehn Schritt von mir nieder zwischen Pulverwagen! Eine zweite schlug in das Dach des gegenüberstehenden Hauses… Ich schlich leise zur Hintertür heraus und durch Hintergässchen zum Schauspieler Keller, der auf dem Neumarkt wohnt. Wir sahen ganz gemütlich mit einem Glase Wein in der Hand zum Fenster heraus, als eine Granate mitten auf dem Markte niederfiel und platzte. In demselben Augenblick fiel ein westfälischer Soldat, der eben Wasser pumpen wollte, mit zerschmettertem Kopfe tot nieder… Der Schauspieler Keller liess sein Glas fallen, ich trank das meinige aus und rief: «Was ist das Leben?! Nicht das bisschen glühend Eisen ertragen zu können, schwach ist die menschliche Natur!» Gott erhalte mir die Ruhe und den Mut in Lebensgefahr, so übersteht sich alles besser!… Die Kanonade dauerte fort, bis es ganz finster war, und nun sahen wir an dem feuerroten Himmel, dass überall Feuer sein müsste. Die Russen haben sich wahrscheinlich zurückgezogen, und man sieht einer Schlacht entgegen. Mehrere Bürger sind heute durch Granaten blessiert und getötet. 27. August. Ruhige Nacht. Um 8 Uhr fing eine lebhafte Kanonade an, dass die Fenster bebten. Nachmittags entfernte sich das Feuer, und um 6 Uhr kam die Nachricht, dass Russen und Österreicher 5 Stunden weit zurückgedrängt wären, 16000 Gefangene und 10 Fahnen… Wie wird’s noch gehen?! Dem Anschein nach haben die Franzosen wirklich gesiegt, indessen nicht entscheidend. Wenn sie nur nicht zurückkommen! Quod deus bene vertat! 29. August. Das Kriegsgetümmel hat sich entfernt, der Kaiser ist in Dresden geblieben. Vormittags war ich bei Hopfgarten auf dem Schlachtgefielde. Scheusslicher Anblick Leichen mit zerschmetterten Köpfen und Leibern… Was ich so oft im Traume gesehen, ist mir erfüllt worden auf furchtbare Weise! Verstümmelte, zerrissene Menschen!! 21. Oktober. Ein dunkles Gerücht von der Schlacht bei Leipzig verbreitet sich. Der Kaiser soll die Hauptschlacht verloren haben. 22. Oktober. Der Kaiser ist geschlagen und retiriert nach Erfurt der König von Sachsen ist gefangen! So habe ich gegründete Hoffnung zum besseren fröhlichen Leben in der Kunst, alle Not wird geendet sein! 5. November. Heute sah man offenbare Zurüstungen zum Ausmarsch; abends gingen mehrere Regimenter zum Tor hinaus, Kanonen, Bagage . Man hofft, dass sie wirklich fortgehen. 11. November. Nachmittags einen österreichischen und einen russischen Offizier in voller Gala gesehen ganz eigenes, herrliches Gefühl! Ja, es ist wahr! Freiheit! Abends bei Eichelkraut die Kapitulation gesehen Franzosen sind kriegsgefangen! An Kunz. Dresden, 17. November 1813. Freiheit! Freiheit! Freiheit! Meine schönsten Hoffnungen sind erfüllt, und mein fester Glaube, an dem ich selbst in der trübsten Zeit treulich gehalten, ist bewährt worden. Haben nicht selbst manche meiner Freunde … gar kleinmütig mich in einem frommen Wahn befangen geglaubt, wenn ich immer hoffte und hoffte, und Ansichten, die so weit entfernt schienen, ins Leben trug? Freilich wurde ich durch manches, was ich vor meinen Augen sah und was wohl manchem entgangen, gar oft gestärkt und erhoben; aber ich musste schweigen, da es unmöglich war, irgend einen überzeugenden Beweis meiner innigsten Meinung zu geben. Was soll ich von der letzten Zeit, die ich hier erlebt, sagen? Sie war gewiss die merkwürdigste meines Lebens, da ich alles das, was sonst lebhafte Träume mir vor Augen brachten, wirklich und in der Tat vor mir erblickte! [lit.: Bartels, Hans: E.T.A. Hoffmann als Mensch und Künstler in Selbstzeugnissen, 1928] > diplo-ma-tie; dummheit; überzeugung; freiheit; utopie Kritik Krücke Kruschtkammer Rumpel-, Gerümpelkammer. Magazin defekter Werk-zeuge und Materialien, um sie entweder wiederaufzubereiten, Bestandteile als Ersatzteile zu finden oder neue Geräte oder sonstwie Nützliches aus den Abjekten herzustellen. Die Sammlung von solchem Aufgehobenem spiegelt, z.B. anhand einer Knopfsammlung, die Kleider- und Familiengeschichte. [ffv 12022003] > herft; gerümpel
Kultur der Armut Flicken als klischeehaftes, pittoreskes Zeichen für den sozialen Rang des Proletariats, als Signum einer Zugehörigkeit der verarmten Schichten, des Armutsstandes. «Gerade im Umgang mit Autoritäten wie Staat und Kirche wurde die moralische Bewertung von Geflicktem und Zerrissenem deutlich. Man war bemüht möglichst ordentlich zu erscheinen. Das eigene Elend und konkret die eigene schäbige Kleidung wurden und werden versteckt.» [Herbert Eichhorn: «Buntscheckig geflickte arme Teufel». Beispiele zu einer moralischen Ikonologie zerrissener und geflickter Kleidung. In: Flick-Werk, 115121, 118]
Kundenservice Euphemismus für Flickwerkstatt, wo man zumeist keine dreckigen Hände mehr bekommt, sondern allenfalls das Ganze in die Fabrik einschickt oder kompakte Teile vor Ort auswechselt. [ffv 05032003] > euphemismen
Kunst: ein weites Feld «ich kam auf die idee, dass das leben interessanter wäre, mehr ein spiel, wenn man die gesetze der physik und der chemie ein wenig ausdehnen könnte. letzten endes müssen wir diese sogenannten gesetze der wissenschaft akzeptieren, weil es das leben bequemer macht, aber das heisst überhaupt nichts, was ihre gültigkeit betrifft. vielleicht ist eben alles nur eine täuschung. wir mögen uns selber so gern, wir glauben wir seien kleine götter auf erden ich habe darüber meine zweifel, das ist alles. das wort ‹gesetz› ist wider meine prinzipien. die wissenschaft ist offensichtlich ein geschlossener kreislauf, aber alle 50 jahre oder so wird ein neues ‹gesetz› entdeckt, das alles verändert. ich sah eben nicht ein, weshalb wir vor der wissenschaft eine solche ehrfurcht haben sollten und deshalb musste ich eine andere form der pseudo-erklärung liefern. ich bin ein ‹pseudo› durch und durch, das ist mein charakteristikum. ich konnte die ernsthaftigkeit des lebens nie ausstehen, wenn aber der ernst mit humor getönt ist, ergibt das eine hübschere färbung.» [marcel duchamp] > utopie; bloch; pseudo; beispiel; haustiere im altersheim: missbrauch
Kunst am Bau
Ækotz; lebertran; kunst Kunstfehler Die Schadenersatzzahlungen für die Opfer von medizinischen Kunstfehlern haben in den letzten Jahren massiv zugenommen und betragen heute rund 30 Millionen Franken. Noch etwas stärker gestiegen sind die Ver-sicherungsprämien, die Spitäler bezahlen, um sich bei solchen Haftpflichtfällen schadlos zu halten. Als wahrscheinliches oder nachweisbares Fehlverhalten seitens eines Arztes oder einer Pflegeperson gelten 4 Arten: postoperative Komplikationen, die vom Pflege-personal oder Arzt nicht rechtzeitig erkannt werden; Hinweise auf ernsthafte Krankheiten, die vom Hausarzt nicht korrekt gedeutet werden (und viele Menschen deshalb statt den Hausarzt gleich den viel teureren Spitalnotfall aufbieten); Fehler am Operationstisch durch den Chirurgen; Fehler aufgrund von Überlastung der Notfallabteilung, wo untergeordnete Chargen wichtige, nicht immer richtige Entscheide fällen. Verantwortlich für die Klagen sind oft Kommunikations-probleme zwischen Patient, Hausarzt, Krankenpersonal, Chirurg oder Radiologe. Es wird damit gerechnet, dass die Hälfte der Beanstandungen nicht auf einem Behandlungsfehler gründen, sondern eine Ver-letzung der ärztlichen Auf-klärungs-pflicht meinen. Solche Probleme entstehen vor allem dort, wo das Personal einem permanenten Wechsel unterworfen ist, also keine personenzentrierte Teams Hand in Hand arbeiten. [ffv 07022004] Kunstschnee analoge substanz zum naturschnee, hergestellt aus wasser, chemischen zusätzen und energie in form von druckluft bei entsprechender aussentemperatur. er wird dort eingesetzt, wo der naturschnee unzuverlässig oder unausreichend hinfällt, aber aus sicht von winterspotaktivisten und vor allem von wintertourismusförderungsaktivisten hinfallen sollte. (dort bleibt er dann auch noch liegen, wenn der naturschnee rundherum infolge frühling schon weggeschmolzen ist, was frühlingsblumen am frühlingserwachen hindert, aber dann sind die winteraktivisten schon wieder weg.) kunstschnee wird auch bei dreharbeiten und auf theaterbühnen benötigt, da drehtermine und spielpläne wenig rücksicht auf die jahreszeit nehmen. wer es bei warmen temperaturen schneien lassen will, musste bislang teuren plastikschnee aus hollywood importieren. nun bietet das fraunhofer-institut für chemische technologie (ICT) eine elegante und biologisch abbaubare alternative an: kunstschnee aus kartoffel- und maisstärke. wenn bisher nach dreharbeiten die weissen schnipsel aus polyethylenfolie mühsam wieder beseitigt werden mussten, genügt nun ein bisschen regen und er löst sich von selbst wieder auf. [lh] kurieren |