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Eidechse In besonders gefährlichen Situationen verliert die Smaragdeidechse nicht den Kopf, sondern ihren Schwanz. Wie alle Eidechsen (und übrigens auch die Geckos) verrmag sie den Verlust des Schwanzes aktiv herbeizuführen, wenn sie von einem Angreifer unmittelbar bedroht wird. Als solche kommen neben Marder und Wiesel vor allem Greifvögel in Frage. Vom sechsten Wirbel an weist jeder Schwanzwirbel der Smaragdeidechse eine vorgebildete Bruchstelle auf. Durch ein kräftiges, abruptes Zusammenziehen der Ringmuskeln der einen oder anderen Schwanzpartie kann sie darum je nach Bedarf einen kleineren oder grösseren Teil des Schwanzes abwerfen. Das autonome Nervensystem des Schwanzfragments lässt den abgetrennten Körperteil noch bis zu zwanzig Minuten lang heftig zappeln. Während dieser die Aufmerksamkeit des Verfolgers auf sich zieht, kann das nunmehr schwanzlose Reptil die Flucht ergreifen. In den meisten Fällen gelingt es ihm so unter Opferung eines nicht lebenswichtigen Körperteils sein Leben zu retten. Der behenden Eidechse wächst nach einem solchen Vorfall bald ein neuer Schwanz. Anstelle der ehemaligen Wirbelsäule wird allerdings ein ungegliederter Knorpelstab als Stützelement aufgebaut, von dem fortan kein Teil mehr abgetrennt werden kann. [Internet: Markus Kappeler]
einfügen Eiter An Wundstellen kommt es aufgrund der verstärkten Blut-zufuhr zu einer schmerzenden, lokal erwärmten Schwel-lung. Wird die Haut mit den eingedrungenen Erregern nicht fertig, zersetzen sich die weisen Blutkörperchen und bilden zusammen mit dem geschädigten Gewebe den Eiter, der nach aussen abgeführt wird. Nur eine eiterfreie Stelle kann heilen. Ist die Wunde offen, ist der komplexe Prozess der Blutgerinnung eine lebenswichtige Abwehrreaktion. Dabei entsteht eine Kruste (Schorf), die den Defekt bedeckt. Im Gegensatz zum normalen Blut kann das Menstrua-tionsblut nicht gerinnen, sodass der Abfluss über mehrere Tage garantiert ist. [ffv 25122003] > beule Ellbogenschoner Während die Knieschoner eher dazu da sind, im Fussball oder anderen Sportarten mit dichten Zweikämpfen ( es wird mit harten Bandagen gekämpft ) die wichtigen Beingelenke vor Fremdeinwirkung zu schonen, sind die zumeist ledernen Ellbogenschoner Flickblätze, welche die durch Arbeit abgetragenen Textilstellen verdecken und damit dem Kleidungsstück eine eigene Antimodeästhetik verleihen. [ffv 09042003]
Emotion manchmal hab ich mich gern, manchmal etwas weniger, manchmal find ich mich ekelhaft. nicht immer hab ich das bedürfnis, diese zustände zu kommentieren. manchmal darf man auch verschwinden. dann tauch ich wieder auf : vieles (nicht alles) ist noch da. geflickt: in bezug auf ‹keine ahnung›, aber am morgen steh ich auf, und denk, das bin ich. (seltsam: als ob es so etwas wie ein ich nach so langer zeit (historisch: generell : daseinswahrnehmung, ichwahrnehmung) noch gäbe die ‹geschichte lehrt› (historia docet) null ahnung ausser der ahnung, dass da schon so etwas wie ein ‹ich› herumschwirrt.)
ich bin sehr schnell im kapieren (capisci?! certo), wenn es um ??? geht. ich bin sehr schwerbegriffig, wenn es um ??? geht. [mvs: 030712] ® musik: etta james: mama didn’t raise no fool. > verschwinden; freud; vänçi; «indianerstatements»; zündhölzli, das leben ist wie ein; jakob böhme; kommentar; ens, entis; die fliege ‹felicitas›
entfetten, Liposuction
Enthaarungsmittel
Enthärter umgangssprachlicher ausdruck für chemische substanzen, welche die härtebildenden calcium- und magnesiumionen des wassers zu binden vermögen, was voraussetzung für optimal ablaufende waschprozesse ist. auf dem markt zum beispiel als so genannte weichspüler gehandelt. in härtefällen (maschine kaputt) kann man dann immer noch einen mechaniker bestellen, der alles auseinandernimmt, fachmännisch den filter putzt (enthärter) und ihn wieder einsetzt (drehung nach rechts). [lh]
entkalken
entrosten
Entschädigung
entschlacken
Entschuldigung klassisches sozialbeziehungsflickwort (du, sorry gäll). wird dort eingesetzt, wo man sich schuldig fühlt, seine integrität gefährdet glaubt und prophylaktisch postoperativ diese beim gegenüber wiederherstellen will. ‹entschuldigung› läuft aus pragmatischer sichtweise unter jenen aussagen, mit denen nicht nur etwas ausgesagt, sondern gleichzeitig eine handlung vollzogen wird, sie ist also performativ und dazu äusserst ritualisiert, und etwas für minimalisten, weil man sich mit einem einizigen wort in einer einmaligen aktion ganz elegant und eigenmächtig aus der affäre ziehen kann. der abstraktionsgrad der entschuldigung ist so hoch, dass man sich sogar stellvertretend für andere entschuldigen kann (unter politikern ist es so üblich, sich für eine ganze nation und ihre vergangenen missetaten bei anderen nationen zu entschuldigen, für schande also, die sie durch antreten des nationalen erbes verwalten wie all die anderen geschäfte auch). aber wie, bitte schön, flickt man zum beispiel gebrochene herzen? das hat mit schuld halt oft herzlich wenig zu tun, und somit auch nicht mit entschuldigen. es gibt eben auch situationen, die nicht mit einem sozial legitimierten allerweltswort geflickt werden können (so gern ich menschen habe, die sich ernsthaft entschuldigen: zeugt ja immer auch ein wenig von begreiffähigkeit, gemerkigkeit, aufrichtigkeit). [lh/gc]
Die Entschuldigungen seiner Fehler nehmen sich zum Teil gut aus, sie tragen aber zur Besserung seines Fehlwurfs gemeiniglich so wenig bei, als beim Kegeln das Nachhelfen mit Kopf, Schultern, Armen und Beinen, wenn die Kugel schon aus der Hand ist, es ist mehr Wunsch, als Einwürkung. [lit.: georg christoph lichtenberg: sudelhefte J 627] > ablass; beichte
entstopfen
Entstörung Gerne hätte ich dies hier erklärt; doch die Probleme um Wellen und Interferenzen, Ströme und Strömungen sind mir nicht vertraut. Hier besteht eindeutig ein Flickbedarf! [ffv 02012004]
Enttäuschung
entzwei Frau Marthe. Seht ihr den Krug, ihr werthgeschätzten Herren? Seht ihr den Krug?
Adam. O ja, wir sehen ihn.
Frau Marthe. Nichts seht ihr, mit Verlaub, die Scherben seht ihr; Der Krüge schönster ist entzwei geschlagen. [Heinrich von Kleist, Der zerbrochene Krug (1811), 54]
Mahomet II. hieb mit eigener Hand den Kopf seiner Geliebten Trena entzwei, um seinen Soldaten zu zeigen, daß die Liebe nicht fähig sei sein Herz zu verweichlichen. [Donatien-Alphonse-François Marquis de Sade, Juliette oder die Wonnen des Lasters (1797/1904), 86]
Entzug jenseits ihrer biodynamischen und psychoaktiven unbestreitbarkeit ist die droge auch ein gesellschaftliches artefakt mit einer politischen, juristischen und ökonomischen, einer medizinischen, kulturellen und historischen dimension (und hier wie anderswo wird immer wieder gern die natur mit der geschichte verwechselt). zur zeit versuchen wir ihr mittels der trichotomie prophylaxe repression entgiftung beizukommen, immer in einer art physisch-moralischem analogiedenken. mit dem hehren ziel, eine gesellschaft ohne drogen zu generieren, wobei per gesetz festgelegt wird, was überhaupt als droge zu gelten hat und was nicht, das heisst, was sozial untragbar ist und was nicht. diejenigen, die sich jenseits des festgelegten rahmens bewegen, können immerhin gleich als abschreckendes beispiel herhalten und die gesunde gesellschaft in ihrem gesundsein bestätigen (abgeschreckt ist vorgeflickt). wo es dann schon zu spät ist, kommt die humanitär engagierte bürgerschaft zum zug und die willensschwache drogenkonsumschaft zum ent-zug. infolge des kollektiven schlechten gewissens wird also ein flickwerkzeug bereitgestellt, um das übel, das die gesellschaft produziert und definiert, wieder abzuschaffen. [lh]
Ergänzung
Erholungsurlaub
Erklärung
Erratum, das; Errata, die Errata sind die in Büchern auf einem separaten, losen oder eingeklebten Blatt mitgeteilten, vor allem inhaltlichen Korrekturen, die in den Druckfahnen übersehen wurden (z.B. Verwechslung von Daten oder Bildunterschriften, falsche Legenden, Hinweise auf seitenverkehrt wiedergegebene Abbildungen etc.). Früher wurden auf Errata-Zettel auch die nach der Imprimatur und Drucklegung gefundenen Satz- und Schreibfehler angezeigt, allenfalls sogar als ausführliches Fehlerverzeichnis (Corrigenda) auf dem letzten Bogen eingedruckt. Es gibt Bücher, die sind so schlampig redigiert, dass diese Korrekturen einen weiteren Bogen füllen würden. Auch Korrekturen kosten nämlich, und Genauigkeit braucht Lesezeit! [ffv 26122003] > korrekturlesen
Ersatz ersatzkaffee (eichelkaffee, wurzelkaffee), nur beispiele, das ganze leben ist voll davon: ersatz-was-auch-immer ist ein luxus mit verwindungsgütesiegel (wer den schmerz des verlustes verwunden hat, nimmt mit dem verwindungsgeschädigten vollwertersatz das höchst-/bestmögliche als ganzes. [mvs: 030618] > freud
Ersatzhandlung Æübergangsschnuppern, diplomatie, krieg
Ersatzteil
Erste Hilfe Wer leistet überhaupt zweite Hilfe, wenn das GABI-Programm durchexerziert ist? Æsanität; samariter
Erziehung Æsabberlätzchen; laufgitter
Eselsbrücke die eselsbrücke stellt zusammenhänge zwischen dingen und anderen dingen, undingen oder (un)menschen her, wo de facto keine solchen existieren. sie ist ein assoziatives denkwerkzeug, flickt gedächtnislücken, erinnerungsdefizite, lokale amnesien, kurz: alle arten kognitiver löcher. und so weiss ich zum beispiel, dass stalagmiten von unten nach oben wachsen und stalaktiten von oben herab, weil t wie tropfstein und m wie mäuse. auch etymologien, also wirkliche, aber nicht mehr per se ersichtliche zusammenhänge, sind als eselsbrücke immer wieder geeignet, zumindest für diachron denkende menschen. süddeutsch bezeichnet eselsbrücke den mathematischen lehrsatz von pythagoras. zugrunde liegt die auf plinius zurückgehende volksmeinung, dass ein esel keine brücke überschreitet, wenn er durch deren belag das wasser sehen kann. und so wie der esel durch die lücke (in der brücke) die gefahr sieht, so sieht der begriffstutzige (eselsmensch) durch die eselsbrücke die zuammenhänge im bereich der mathematik zum beispiel. aber ist jetzt ein steg auch eine brücke? gibt es auch unüberbrückbare eselslücken? und was hat das mit a2 + b2 = c2 zu tun? [lh/gc] > kompatibilität; vergessen; loch ness; panzerbrücken; kinderfragen
Esperanza del Mar die esperanza del mar ist ein ziviles sanitätsschiff, eigentum des Instituto Social de la Marina (ISM), das verunglückte spanische fischer auf see betreut. es ist komplett ausgerüstet mit einem operationssaal, röntgengerät, labor, einer abteilung für brandopfer, infektionen und psychisch kranke, einem kühlraum für menschliche leichen sowie einem helikopterlandeplatz für flüge nach las palmas. an bord sind neben dem kapitän, den offizieren und dem deckspersonal eine küchenmannschaft, diverse techniker und maschinisten, zwei mediziner und eine krankenschwester. ihr einsatzgebiet ist vorwiegend die ostafrikanische küste bis nach mauretanien, wo etwa 300 spanische schiffe mit insgesamt 5000 mann besatzung auf fischfang sind. die fischer arbeiten normalerweise in achtstunden-schichten mit vier stunden schlaf dazwischen und landgang gibt es erst, wenn die kühlräume voll sind, was je nachdem mehrere monate dauern kann. unfälle sind vorprogrammiert infolge von übermüdung, materialverschleiss und seegang, komplizierte beinbrüche und abgeschnittene finger sind keine seltenheit. bei einem unfall wird über funk die esperanza angefordert, der verletzte mit deren beiboot evaquiert und dort gesund gepflegt. die esperanza del mar kümmert sich nicht nur um menschliche schadenfälle. sie hat auch eine tauchequipe, die schiffsschrauben von netzen befreit oder tote riesenkraken birgt. die transportiert sie dann im kühlraum für menschliche leichen auf’s festland, wo sie von meeresbiologen seziert werden: womit sich der kreis schliesst (oder so). [lh] > sanität, samariter
Essigwickel
Ethnologie ein kompliziertes konstrukt der neugier, das allerseits in geflick ausartete. einerseits in imperialismus und kolonialismus : (protektorate (sic!, vor wem denn wurde da beschützt), missionen), andrerseits kulturimport (von frühem philosophieaustausch bis zu picassos porträts, die ohne afrikanische skulpturen nicht möglich gewesen wären). herrschaft als kulturen flicken in bezug auf die eigene, kulturimport als flickwerk an der eigenen kultur. (griechen, araber, chinesen, japaner in bezug auf abendland/europa.) und was hat antonin artaud von den tarahumaras gelernt/geflickt? [mvs: 020614] > kulturimport, kulturexport; hin & her
Euphemismen die verschönerungs- und flickworte par exellence: aus dem wörterbuch der schönredner: tod: «er/sie ist von uns gegangen», «friedlich eingeschlafen», «zum schöpfer heimgegangen / heimgekehrt», «zur ewigen ruhe eingekehrt» (>todesanzeigen) geselliges: «jemand schöntrinken»; «eine pizza hinlegen» = auf den tisch kotzen. alltag: «ein origami machen» = auf etwas unabsichtlich draufsitzen und es zerquetschen. gesundheit: «schublade» = künstliches gebiss derogativa: «eine taube nuss» = ein vielversprechendes gar nix taugt; «nicht alle tassen im schrank haben», «nicht ganz gebacken sein» = nicht sehr hell oder nicht ganz klar im kopf sein; «he is not the sharpest knife in the drawer» = nicht sehr schlau; «monolog» (von el mono = affe) = affengeschwätz, blahblah; «(head) shrink» = psychiater [mvs: 020313 etc.; gd; pa] > abgang; schöntrinken; todesanzeige
Beschönigungen gaukeln vor, etwas sei nicht so schlimm, so aufregend, so dramatisch. Euphemismen sind sprachliche Understatements, die Dinge nicht beim Namen nennen, den sie verdienten (z.B. Brustknospen statt -warzen, was sie ja in Wahrheit wirklich nicht sind). Mit dieser sprachlichen Distanzierung zeigt sich ein distinguiertes, für einige Interpretatoren sogar ein kultivierteres Verhalten. [ffv 30122003]
excerpieren die freiheit, zu werten und auszuwählen: aus musikstücken phrasen, sequenzen, aus büchern sätze, passagen, in der stadtforschung nur bei 25° C unterwegs sein, geschichte als abfolge von wichtigen ereignissen erzählen, die eigene biographie um die eckdaten herum drapieren. excerpieren ist schön, weil es einem die freiheit gibt, wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden, für die schwachen momente der welt nicht zuständig zu sein, und das wenige, was behaltenswert ist, auf eigene weise neu zusammenzuflicken. [lh] > sprache; auslassung;
Expertise die expertise vermeidet jegliche extreme. ihr häufigstes argument ist, man müsse einen mittelweg finden (den goldenen). sie verfährt meistens nach dem muster des klassischen schulaufsatzes, ehemals platonische dialektik, heute erörterung:
Thema: Darf man einen Menschen töten? 1. Einleitung: Was ist ein Mensch. Was heisst töten. 2. Hauptteil: Das Für und Wider. 2.1. Man darf nicht nur, man muss ihn töten. 2.2. Man darf ihn auf gar keinen Fall töten. 3. Schluss: Man darf ihm beide Beine amputieren.
eine expertise liefert immer ein fazit: «nach umfassender prüfung der sachlage sind wir übereingekommen, dass…». das tönt vielleicht trivial, aber ein guter experte ist ein magier, ein menschentröster, dessen sprache bannt. eine handvoll zahlen und ein amorphes vokabular mit grossem anwendungsradius sind sein instrument, er ist mehrheitsfähig, indem er phantombilder des fassbaren erzeugt. «die lage ist stabil, es bleibt nur ein geringes restrisiko, die bevölkerung wird informiert.» experten fördern den konsens (consensus, das zusammenempfinden, ein kollektives, vage gerichtetes gefühl), damit mensch sich nicht so ins unbeschreibliche dunkel hineinfürchten muss. experten machen zustandsanalysen und entwicklungsvorschläge, sie denken ‹vernetzt› und ‹prozessorientiert›, wobei die ziele nie wirklich diskutiert werden: das fiktive optimum, gegen das man strebt, ist immer implizit. die chiffren der expertise bahnen den weg in die grossräumige belanglosigkeit, in die ubiquität der allgemeinakzeptanz, der passepartouts und plastikbegriffe (plastik, weil er weniger substanz als vielmehr die idee ihrer endlosen umwandlung ist). [lit.: uwe pörksen: plastikwörter. die sprache der internationalen diktatur] ® [lh] Eidechse In besonders gefährlichen Situationen verliert die Smaragdeidechse nicht den Kopf, sondern ihren Schwanz. Wie alle Eidechsen (und übrigens auch die Geckos) verrmag sie den Verlust des Schwanzes aktiv herbeizuführen, wenn sie von einem Angreifer unmittelbar bedroht wird. Als solche kommen neben Marder und Wiesel vor allem Greifvögel in Frage. Vom sechsten Wirbel an weist jeder Schwanzwirbel der Smaragdeidechse eine vorgebildete Bruchstelle auf. Durch ein kräftiges, abruptes Zusammenziehen der Ringmuskeln der einen oder anderen Schwanzpartie kann sie darum je nach Bedarf einen kleineren oder grösseren Teil des Schwanzes abwerfen. Das autonome Nervensystem des Schwanzfragments lässt den abgetrennten Körperteil noch bis zu zwanzig Minuten lang heftig zappeln. Während dieser die Aufmerksamkeit des Verfolgers auf sich zieht, kann das nunmehr schwanzlose Reptil die Flucht ergreifen. In den meisten Fällen gelingt es ihm so unter Opferung eines nicht lebenswichtigen Körperteils sein Leben zu retten. Der behenden Eidechse wächst nach einem solchen Vorfall bald ein neuer Schwanz. Anstelle der ehemaligen Wirbelsäule wird allerdings ein ungegliederter Knorpelstab als Stützelement aufgebaut, von dem fortan kein Teil mehr abgetrennt werden kann. [Internet: Markus Kappeler]
einfügen
Eiter An Wundstellen kommt es aufgrund der verstärkten Blut-zufuhr zu einer schmerzenden, lokal erwärmten Schwel-lung. Wird die Haut mit den eingedrungenen Erregern nicht fertig, zersetzen sich die weisen Blutkörperchen und bilden zusammen mit dem geschädigten Gewebe den Eiter, der nach aussen abgeführt wird. Nur eine eiterfreie Stelle kann heilen. Ist die Wunde offen, ist der komplexe Prozess der Blutgerinnung eine lebenswichtige Abwehrreaktion. Dabei entsteht eine Kruste (Schorf), die den Defekt bedeckt. Im Gegensatz zum normalen Blut kann das Menstrua-tionsblut nicht gerinnen, sodass der Abfluss über mehrere Tage garantiert ist. [ffv 25122003] > beule Ellbogenschoner Während die Knieschoner eher dazu da sind, im Fussball oder anderen Sportarten mit dichten Zweikämpfen ( es wird mit harten Bandagen gekämpft ) die wichtigen Beingelenke vor Fremdeinwirkung zu schonen, sind die zumeist ledernen Ellbogenschoner Flickblätze, welche die durch Arbeit abgetragenen Textilstellen verdecken und damit dem Kleidungsstück eine eigene Antimodeästhetik verleihen. [ffv 09042003]
Emotion manchmal hab ich mich gern, manchmal etwas weniger, manchmal find ich mich ekelhaft. nicht immer hab ich das bedürfnis, diese zustände zu kommentieren. manchmal darf man auch verschwinden. dann tauch ich wieder auf : vieles (nicht alles) ist noch da. geflickt: in bezug auf ‹keine ahnung›, aber am morgen steh ich auf, und denk, das bin ich. (seltsam: als ob es so etwas wie ein ich nach so langer zeit (historisch: generell : daseinswahrnehmung, ichwahrnehmung) noch gäbe die ‹geschichte lehrt› (historia docet) null ahnung ausser der ahnung, dass da schon so etwas wie ein ‹ich› herumschwirrt.)
ich bin sehr schnell im kapieren (capisci?! certo), wenn es um ??? geht. ich bin sehr schwerbegriffig, wenn es um ??? geht. [mvs: 030712] ® musik: etta james: mama didn’t raise no fool. > verschwinden; freud; vänçi; «indianerstatements»; zündhölzli, das leben ist wie ein; jakob böhme; kommentar; ens, entis; die fliege ‹felicitas›
entfetten, Liposuction
Enthaarungsmittel
Enthärter umgangssprachlicher ausdruck für chemische substanzen, welche die härtebildenden calcium- und magnesiumionen des wassers zu binden vermögen, was voraussetzung für optimal ablaufende waschprozesse ist. auf dem markt zum beispiel als so genannte weichspüler gehandelt. in härtefällen (maschine kaputt) kann man dann immer noch einen mechaniker bestellen, der alles auseinandernimmt, fachmännisch den filter putzt (enthärter) und ihn wieder einsetzt (drehung nach rechts). [lh]
entkalken
entrosten
Entschädigung entschlacken Entschuldigung klassisches sozialbeziehungsflickwort (du, sorry gäll). wird dort eingesetzt, wo man sich schuldig fühlt, seine integrität gefährdet glaubt und prophylaktisch postoperativ diese beim gegenüber wiederherstellen will. ‹entschuldigung› läuft aus pragmatischer sichtweise unter jenen aussagen, mit denen nicht nur etwas ausgesagt, sondern gleichzeitig eine handlung vollzogen wird, sie ist also performativ und dazu äusserst ritualisiert, und etwas für minimalisten, weil man sich mit einem einizigen wort in einer einmaligen aktion ganz elegant und eigenmächtig aus der affäre ziehen kann. der abstraktionsgrad der entschuldigung ist so hoch, dass man sich sogar stellvertretend für andere entschuldigen kann (unter politikern ist es so üblich, sich für eine ganze nation und ihre vergangenen missetaten bei anderen nationen zu entschuldigen, für schande also, die sie durch antreten des nationalen erbes verwalten wie all die anderen geschäfte auch). aber wie, bitte schön, flickt man zum beispiel gebrochene herzen? das hat mit schuld halt oft herzlich wenig zu tun, und somit auch nicht mit entschuldigen. es gibt eben auch situationen, die nicht mit einem sozial legitimierten allerweltswort geflickt werden können (so gern ich menschen habe, die sich ernsthaft entschuldigen: zeugt ja immer auch ein wenig von begreiffähigkeit, gemerkigkeit, aufrichtigkeit). [lh/gc]
Die Entschuldigungen seiner Fehler nehmen sich zum Teil gut aus, sie tragen aber zur Besserung seines Fehlwurfs gemeiniglich so wenig bei, als beim Kegeln das Nachhelfen mit Kopf, Schultern, Armen und Beinen, wenn die Kugel schon aus der Hand ist, es ist mehr Wunsch, als Einwürkung. [lit.: georg christoph lichtenberg: sudelhefte J 627] > ablass; beichte entstopfen Entstörung Gerne hätte ich dies hier erklärt; doch die Probleme um Wellen und Interferenzen, Ströme und Strömungen sind mir nicht vertraut. Hier besteht eindeutig ein Flickbedarf! [ffv 02012004] Enttäuschung entzwei Frau Marthe. Seht ihr den Krug, ihr werthgeschätzten Herren? Seht ihr den Krug?
Adam. O ja, wir sehen ihn.
Frau Marthe. Nichts seht ihr, mit Verlaub, die Scherben seht ihr; Der Krüge schönster ist entzwei geschlagen. [Heinrich von Kleist, Der zerbrochene Krug (1811), 54]
Mahomet II. hieb mit eigener Hand den Kopf seiner Geliebten Trena entzwei, um seinen Soldaten zu zeigen, daß die Liebe nicht fähig sei sein Herz zu verweichlichen. [Donatien-Alphonse-François Marquis de Sade, Juliette oder die Wonnen des Lasters (1797/1904), 86] Entzug jenseits ihrer biodynamischen und psychoaktiven unbestreitbarkeit ist die droge auch ein gesellschaftliches artefakt mit einer politischen, juristischen und ökonomischen, einer medizinischen, kulturellen und historischen dimension (und hier wie anderswo wird immer wieder gern die natur mit der geschichte verwechselt). zur zeit versuchen wir ihr mittels der trichotomie prophylaxe repression entgiftung beizukommen, immer in einer art physisch-moralischem analogiedenken. mit dem hehren ziel, eine gesellschaft ohne drogen zu generieren, wobei per gesetz festgelegt wird, was überhaupt als droge zu gelten hat und was nicht, das heisst, was sozial untragbar ist und was nicht. diejenigen, die sich jenseits des festgelegten rahmens bewegen, können immerhin gleich als abschreckendes beispiel herhalten und die gesunde gesellschaft in ihrem gesundsein bestätigen (abgeschreckt ist vorgeflickt). wo es dann schon zu spät ist, kommt die humanitär engagierte bürgerschaft zum zug und die willensschwache drogenkonsumschaft zum ent-zug. infolge des kollektiven schlechten gewissens wird also ein flickwerkzeug bereitgestellt, um das übel, das die gesellschaft produziert und definiert, wieder abzuschaffen. [lh] Ergänzung Erholungsurlaub Erklärung Erratum, das; Errata, die Errata sind die in Büchern auf einem separaten, losen oder eingeklebten Blatt mitgeteilten, vor allem inhaltlichen Korrekturen, die in den Druckfahnen übersehen wurden (z.B. Verwechslung von Daten oder Bildunterschriften, falsche Legenden, Hinweise auf seitenverkehrt wiedergegebene Abbildungen etc.). Früher wurden auf Errata-Zettel auch die nach der Imprimatur und Drucklegung gefundenen Satz- und Schreibfehler angezeigt, allenfalls sogar als ausführliches Fehlerverzeichnis (Corrigenda) auf dem letzten Bogen eingedruckt. Es gibt Bücher, die sind so schlampig redigiert, dass diese Korrekturen einen weiteren Bogen füllen würden. Auch Korrekturen kosten nämlich, und Genauigkeit braucht Lesezeit! [ffv 26122003] > korrekturlesen Ersatz ersatzkaffee (eichelkaffee, wurzelkaffee), nur beispiele, das ganze leben ist voll davon: ersatz-was-auch-immer ist ein luxus mit verwindungsgütesiegel (wer den schmerz des verlustes verwunden hat, nimmt mit dem verwindungsgeschädigten vollwertersatz das höchst-/bestmögliche als ganzes. [mvs: 030618] > freud
Ersatzhandlung Æübergangsschnuppern, diplomatie, krieg
Ersatzteil
Erste Hilfe Wer leistet überhaupt zweite Hilfe, wenn das GABI-Programm durchexerziert ist? Æsanität; samariter
Erziehung Æsabberlätzchen; laufgitter
Eselsbrücke die eselsbrücke stellt zusammenhänge zwischen dingen und anderen dingen, undingen oder (un)menschen her, wo de facto keine solchen existieren. sie ist ein assoziatives denkwerkzeug, flickt gedächtnislücken, erinnerungsdefizite, lokale amnesien, kurz: alle arten kognitiver löcher. und so weiss ich zum beispiel, dass stalagmiten von unten nach oben wachsen und stalaktiten von oben herab, weil t wie tropfstein und m wie mäuse. auch etymologien, also wirkliche, aber nicht mehr per se ersichtliche zusammenhänge, sind als eselsbrücke immer wieder geeignet, zumindest für diachron denkende menschen. süddeutsch bezeichnet eselsbrücke den mathematischen lehrsatz von pythagoras. zugrunde liegt die auf plinius zurückgehende volksmeinung, dass ein esel keine brücke überschreitet, wenn er durch deren belag das wasser sehen kann. und so wie der esel durch die lücke (in der brücke) die gefahr sieht, so sieht der begriffstutzige (eselsmensch) durch die eselsbrücke die zuammenhänge im bereich der mathematik zum beispiel. aber ist jetzt ein steg auch eine brücke? gibt es auch unüberbrückbare eselslücken? und was hat das mit a2 + b2 = c2 zu tun? [lh/gc] > kompatibilität; vergessen; loch ness; panzerbrücken; kinderfragen
Esperanza del Mar die esperanza del mar ist ein ziviles sanitätsschiff, eigentum des Instituto Social de la Marina (ISM), das verunglückte spanische fischer auf see betreut. es ist komplett ausgerüstet mit einem operationssaal, röntgengerät, labor, einer abteilung für brandopfer, infektionen und psychisch kranke, einem kühlraum für menschliche leichen sowie einem helikopterlandeplatz für flüge nach las palmas. an bord sind neben dem kapitän, den offizieren und dem deckspersonal eine küchenmannschaft, diverse techniker und maschinisten, zwei mediziner und eine krankenschwester. ihr einsatzgebiet ist vorwiegend die ostafrikanische küste bis nach mauretanien, wo etwa 300 spanische schiffe mit insgesamt 5000 mann besatzung auf fischfang sind. die fischer arbeiten normalerweise in achtstunden-schichten mit vier stunden schlaf dazwischen und landgang gibt es erst, wenn die kühlräume voll sind, was je nachdem mehrere monate dauern kann. unfälle sind vorprogrammiert infolge von übermüdung, materialverschleiss und seegang, komplizierte beinbrüche und abgeschnittene finger sind keine seltenheit. bei einem unfall wird über funk die esperanza angefordert, der verletzte mit deren beiboot evaquiert und dort gesund gepflegt. die esperanza del mar kümmert sich nicht nur um menschliche schadenfälle. sie hat auch eine tauchequipe, die schiffsschrauben von netzen befreit oder tote riesenkraken birgt. die transportiert sie dann im kühlraum für menschliche leichen auf’s festland, wo sie von meeresbiologen seziert werden: womit sich der kreis schliesst (oder so). [lh] > sanität, samariter
Essigwickel
Ethnologie ein kompliziertes konstrukt der neugier, das allerseits in geflick ausartete. einerseits in imperialismus und kolonialismus : (protektorate (sic!, vor wem denn wurde da beschützt), missionen), andrerseits kulturimport (von frühem philosophieaustausch bis zu picassos porträts, die ohne afrikanische skulpturen nicht möglich gewesen wären). herrschaft als kulturen flicken in bezug auf die eigene, kulturimport als flickwerk an der eigenen kultur. (griechen, araber, chinesen, japaner in bezug auf abendland/europa.) und was hat antonin artaud von den tarahumaras gelernt/geflickt? [mvs: 020614] > kulturimport, kulturexport; hin & her
Euphemismen die verschönerungs- und flickworte par exellence: aus dem wörterbuch der schönredner: tod: «er/sie ist von uns gegangen», «friedlich eingeschlafen», «zum schöpfer heimgegangen / heimgekehrt», «zur ewigen ruhe eingekehrt» (>todesanzeigen) geselliges: «jemand schöntrinken»; «eine pizza hinlegen» = auf den tisch kotzen. alltag: «ein origami machen» = auf etwas unabsichtlich draufsitzen und es zerquetschen. gesundheit: «schublade» = künstliches gebiss derogativa: «eine taube nuss» = ein vielversprechendes gar nix taugt; «nicht alle tassen im schrank haben», «nicht ganz gebacken sein» = nicht sehr hell oder nicht ganz klar im kopf sein; «he is not the sharpest knife in the drawer» = nicht sehr schlau; «monolog» (von el mono = affe) = affengeschwätz, blahblah; «(head) shrink» = psychiater [mvs: 020313 etc.; gd; pa] > abgang; schöntrinken; todesanzeige
Beschönigungen gaukeln vor, etwas sei nicht so schlimm, so aufregend, so dramatisch. Euphemismen sind sprachliche Understatements, die Dinge nicht beim Namen nennen, den sie verdienten (z.B. Brustknospen statt -warzen, was sie ja in Wahrheit wirklich nicht sind). Mit dieser sprachlichen Distanzierung zeigt sich ein distinguiertes, für einige Interpretatoren sogar ein kultivierteres Verhalten. [ffv 30122003]
excerpieren die freiheit, zu werten und auszuwählen: aus musikstücken phrasen, sequenzen, aus büchern sätze, passagen, in der stadtforschung nur bei 25° C unterwegs sein, geschichte als abfolge von wichtigen ereignissen erzählen, die eigene biographie um die eckdaten herum drapieren. excerpieren ist schön, weil es einem die freiheit gibt, wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden, für die schwachen momente der welt nicht zuständig zu sein, und das wenige, was behaltenswert ist, auf eigene weise neu zusammenzuflicken. [lh] > sprache; auslassung;
Expertise die expertise vermeidet jegliche extreme. ihr häufigstes argument ist, man müsse einen mittelweg finden (den goldenen). sie verfährt meistens nach dem muster des klassischen schulaufsatzes, ehemals platonische dialektik, heute erörterung:
Thema: Darf man einen Menschen töten? 1. Einleitung: Was ist ein Mensch. Was heisst töten. 2. Hauptteil: Das Für und Wider. 2.1. Man darf nicht nur, man muss ihn töten. 2.2. Man darf ihn auf gar keinen Fall töten. 3. Schluss: Man darf ihm beide Beine amputieren.
eine expertise liefert immer ein fazit: «nach umfassender prüfung der sachlage sind wir übereingekommen, dass…». das tönt vielleicht trivial, aber ein guter experte ist ein magier, ein menschentröster, dessen sprache bannt. eine handvoll zahlen und ein amorphes vokabular mit grossem anwendungsradius sind sein instrument, er ist mehrheitsfähig, indem er phantombilder des fassbaren erzeugt. «die lage ist stabil, es bleibt nur ein geringes restrisiko, die bevölkerung wird informiert.» experten fördern den konsens (consensus, das zusammenempfinden, ein kollektives, vage gerichtetes gefühl), damit mensch sich nicht so ins unbeschreibliche dunkel hineinfürchten muss. experten machen zustandsanalysen und entwicklungsvorschläge, sie denken ‹vernetzt› und ‹prozessorientiert›, wobei die ziele nie wirklich diskutiert werden: das fiktive optimum, gegen das man strebt, ist immer implizit. die chiffren der expertise bahnen den weg in die grossräumige belanglosigkeit, in die ubiquität der allgemeinakzeptanz, der passepartouts und plastikbegriffe (plastik, weil er weniger substanz als vielmehr die idee ihrer endlosen umwandlung ist). [lit.: uwe pörksen: plastikwörter. die sprache der internationalen diktatur] ® [lh] > schlaflied; trost bei goethe (u.a.); gleitcrème; nirvana; death poems schlaflied; trost bei goethe (u.a.); gleitcrème; nirvana; death poems |