Damm

 

Death poems

(the lovely ones – in chronological order)

life’s as we

find it – death too.

a parting poem?

why insist?            DAIE-SOKO (1089–1163)

 

Death poems

(the mean ones – in chronological order)

in einer dokumentation über das angola state prison in den USA : die geschichte eines relativ jungen (in seinen späten dreissigern, 15 jahre nach der tat) mörders wird gezeigt (zeigen im sinn von bildaufzeichnungen). eine tatsache ist: der mann hat einen anderen mann mit einem messer getötet, eingestandenermassen. er ist nicht sonderlich intelligent (das ist schon ein beisatz, der irrelevant ist). (hier beginnt meine erzählung über das, was ich im TV gesehen habe: blame me.)

ich bleibe trotzdem emotional und ganz persönlich: mich erstaunt an allem vieles: der mann ist tatsächlich nicht sehr gescheit. von seinem vierzehnten lebensjahr bis zu seiner mordtat hat er mehrere jahre in gefängnissen zugebracht. der mord ist brutal (so nennt man das (zu recht, aber das ist meine ansicht)). das ist der eine skandal: es geht einer hin und metzelt einen anderen hin.

der andere skandal ist: es geht ein staat hin und metzelt einen hin.

was mich aufbringt, sind die argumente des hinrichtenden staates. was mich aufbringt, ist die ehrlichkeit des staates: sie sagen ‹wir bringen um, was unseren staat gefährdet – und mord an anderen ist gefährdend›. was mich mehr aufbringt, sind die verbrämungen, die sie zur moralischen dekoration anbringen. da wird viel christentum bemüht. wie das in diesen köpfen abgeht, ist mir unerklärlich. nicht, dass ich christentum in seiner geschichte und in seiner präsenz je für menschenfreundlich gehalten hätte, aber man könnte so etwas wie ‹gnade vor vergeltung› daraus lesen. mindestens als ein ‹tun als ob›. nicht so in den vereinigten staaten von amerdrika, wo christentum in seiner institutialisierten form des machtstrebens am deutlichsten, vor allem weil auch am plumpsten, zutage tritt: nichts von der subtilen (und mörderischsten) form der societas jesu, die immerhin noch auf der höhe der jeweiligen zeit philosophisch zu argumentieren sich bemühend leute eliminiert. nein: amerika wartet noch immer auf das zeitalter der vernunft. das land, das seine constitution auf der basis der französischen revolution aufgebaut hat, steckt im tiefsten mittelalter: die zeit der inquisition ist gerade angebrochen. der dachschaden dieser ‹nation› kommt nicht deutlicher zutage als in den offiziell reportierten ‹letzten worten› des hingerichteten obigen: «wow». wers glaubt, ist ein US amerikaner, und ein typischer dazu (poll results). {hierhin gehört die schilderung des ganzen films: wie doof die alle sind, schmerzt. alle, jeder: dachschaden. im system soweit noch mitspielend, dass sie die von der verteidigung gewünschten worte nachsprechen. «i’m a christian now» – «what do you think that is?» «to be as much as christ as possible – but i know i m not very close yet.». der unglaubliche glaube an eine moral, die so tief gewurzelt verlogen und doppelt ist, dass es kein aufgeklärter mensch seit zwei jahrhunderten für möglich halten würde. spätestens seit sacco und vanzetti könnte jeder wissen, wie es um die moral in dem mächtigsten staat der welt steht. daraus kann man auch ableiten, dass moral nur verzierung ist, wenn irgendwelche menschen an der macht sind. die interessanten diskurse um macht der letzten jahre tendieren wieder dahin, dass man das phänomen macht wieder anerkennt: als conditio humana. soweit, so gut. aber der diskurs der macht eines foucault und der USA divergieren doch wesentlich. worum es hier im wesentlichen geht, sind verschiedene konzeptionen von freiheit und der umgang mit dem, was als freiheit definiert wird. das ist so alt als diskussion, das ich gleich müde werde, was ich aber nicht werden sollte, weil es trotz aller vergebenheit (schönes wort in diesem zusammenhang!) doch wieder gesagt werden darf. es ist das aufbegehren gegen die macht des anderen. es ist das begehren, gleichberechtigt zu sein mit dem anderen. es ist ein verlangen nach balance, das allen leben gewährt. (das allerdings schliesst mord am anderen aus, und hier sitzen wir wieder in der scheisse : no way out.) hier wirds so richtig verzwickt, wenn wir buddhistischerweise alles schonen – das missverständnis droht: dass wir unsere eigenen bedingungen nicht annehmen. wir müssen essen, selbst wenn die salatköpfe schreien. hier könnte ich auch sagen: wenn man schon einen ‹bösen› der gesellschaft entsorgt, warum ihn nicht zum wohle der gesellschaft weiterverwenden? der eingliederungsgedanke (hoch lebe das normative system) würde hier doch konsequenterweise an blut- & leberwürste, hohrückensteaks und mark­beinsuppe denken: warum zum ende noch dieses christliche zurück-zu-gott getute? den süssen geschmack von menschenfleisch kann man doch sicher mit E#… neutralisieren – wenn schon materialistischer zynismus, dann aber in der gestalt, wie es in den gehirnen spukt: einverleiben. was den menschen von den planarien und schnecken trennt, ist nicht die absenz von kannibalismus, sondern das ostentative leugnen der tatsache, dass des menschen grösste freude das verzehren und einverleiben der eigenen (und aller anderen gattungen) ist. da können alle sublimierungen mit göttern (die man ja mehr oder weniger immer noch metaphorisch in kommunionen frisst) und anderen hilfsmitteln (psychoanalyse etc.) nichts helfen: der mensch frisst den menschen. ehrlich wäre das angebot im supermarkt: menschenniere, verfalldatum siehe deckel.) das war eine abschweifung von umgang mit macht und gesellschaftsnormen zu praktischer anwendung von respekt gegenüber lebewesen : das allerdings betrifft das leben. und davon will ja niemand sprechen. das ist ein totentanz. da geht jeder dahin. so schön kann wiederspruch im gesellschaftlichen überdauern, wenn keiner den andern in der konservendose hat.

 

/nochmals anfangen (um zu enden): preamble: there is no way out – wenn sich das wort müssig(keit) mit müssiggang versöhnen könnte – wäre dann das leben mit dem tod versöhnt? (woher kommt die ‹fatale› (schicksalshafte, tödliche?) idee der versöhnung? : ein missgriff, sozusagen, ein konstrukt, das mir über den tag und die nacht hinweghilft, obwohl ich keine ahnung habe, wovon ich sprech. alles angelernte sprache : was sich am 27.05.2001 um morgens 05.15 ff. vor meinem geöffneten fenster (parterre) ereignet, ist: ein vogel brüllt sehr bestimmt sein scharfes zeux in die umgebung, andere, melodiösere, beginnen ihr geräusch, nachdem der laute seinen auftritt beendet hat – der lärmt dann aber wieder dazwischen. nur kurz. dann wieder die anderen, entfernter. ein auto fährt vorbei, mit dem anschwellenden geräusch von vorbeigehender anwesenheit. das ist das konzert des morgens. jetzt hab ich dem lärm eine weile zugehört – die vögel sind schon gattungsgerecht abwechslungsreich lautig, ich bin dem schon, in einem abstrakten sinn, zugeneigt: es passiert halt so, wenn der morgen dämmert. fenster schliessen 05.27.

wenn ich all die vögel hör, wie die vor sich hinschreien, und, wie der mensch meint, ihr territorium markieren oder zu begattung aufrufen, da frag ich mich, wo all die katzen sind.

warum schreib ich weiter, als ob mir das das leben retten könnte – vogelgekreisch, nichts weiter. auch noch hier. warum dem ganzen mehr wert beigeben. es ist schon seltsam, dass sich die menschen der schrift bedienen. als ob das ein reich gedecktes buffet wär, und keine natürlichen feinde wären mehr im quartier. (der mensch hat sich die welt schon bequem erklärt: es gibt lebewesen, und jedes hat seinen natürlichen feind. der mensch ist die krone der schöpfung, und er hat sich gegen alle anderen durchgesetzt. er ist der überlegene feind aller anderen. das ist auf die dauer langweilig. drum befeindet der mensch nicht nur alle anderen lebewesen, sondern auch sich selbst. das ist schon spannender. und dann wird das gegenseitige auffressen in der eigenen spezies auch langweilig. da kommt dann die erfindung der sublimation : das gegenseitige auffressen wird tabuisiert aber nicht abgeschafft. ‹head on a platter› wird zur metapher. da wirds dann kompliziert und nicht weniger blutig. wenn man die geräusche des schädeleinschlagens vor 500 jahren, als die schweizer die schweiz gemacht haben, mit den heutigen, als die wer auch immer die wen auch immer gemacht haben vergleicht, dann fällt mir weder was auf noch ein. in meiner gegenwart scheint es mir das eine: tot ist tot.). was ich bedaure ist nicht nur, dass sich der mensch als krone der schöpfung fühlt, sondern auch, dass der schöne totentanzgedanke nicht zu mehr katzendosenfutter geführt hat. weil nämlich jedes ding sein (und da fehlt mir was in der erinnerung: aber es war was nützliches, was zum ende des satzes auftauchen müsste – das dann allem einen sinn gegeben hätte). was solls : ein jedes ding an seinem ort spart viel müh und not. (rhythmisch schwer daneben: aber so ist der mensch. ich plädier nur ungern und nach langem denkdrüber dafür: aber die menschheit wär doch ein gewinn für den planeten, wenn sie ratzebutz verschwinden tät. das tät mir dann sehr leid für mich und meine liebsten, aber vielleicht muss man um der lebewesen wohl dafür plädieren.)

was im ganzen theater so lustig ist: da halten sich menschen aller gattungen und provenienzen immer wieder spiegel vor – und nix ausser gelegentlichem narzissmus wird angeregt. da fällt mir ein: der mensch (generell: die menschheit) auf ein mal in katzenfutterdosen verpackt wär für die katzheit auch kein grosser gewinn: weil die katzen dosen nicht aufmachen können. man müsste die menschen dann halt schon einfach so tot rumliegen lassen. und dann kämen nicht nur die katzen in den genuss der nahrung. aber das hilft dann auch wieder dem ‹hmmmmm?!?› gleichgewicht. wie auch immer. there is no way out. aber immerhin: die menschen sollten ihren toten etwas mehr respekt bezeugen und sie zu futter für die unterdrückten species recyclen. (das mag ja etwas ungewohnt tönen : aber ich mein das schon ernst, wenn man dann die lebensmittelnorm einhält.)/

/wenn ich jetzt noch den satz : «ich wäre gern ein mensch gewesen ohne wenn und aber» anfügen würde, tät ich mich und alle meine mitmenschen und lebewesen desavouiren. dann wär ich ein riesenarschloch, das raketen in allen farben und mehrfachsprengköpfen (tolles wort, das: mehrfachsprengkopf: wo ist die lunte für des erfinders lücke) hinausfurzt zum erhalt der gottgeschaffenen schöpfung, genannt krone des deliriums./

 

postamble: «when the birds start falling from the sky and cats don’t bother i’ll drop dead». (and never ever make a song out of this line : you’ll drop dead if you do.)

 

ps: if i’d were as swift as jonathan, we’d sit in the same dump. time didn’t allow. that’s one of the few things i regret.

 

noch ein (freies) zitat aus dem dokumentarfilm «Henker. Der Tod hat ein Gesicht»:

«wenn ein zum tode verurteilter selbstmord begeht, wird dem gerechtigkeitsbedürfnis der gesellschaft nicht genüge getan.» (Henker aus der DDR.)

 

«Wir wissen nichts, solange wir nicht wissen, ob wir das Recht haben, den anderen vor uns zu töten oder zuzustimmen, dass er getötet werde. Da jede Handlung heute direkt oder indirekt in den Mord einmündet, können wir nicht wissen, ob und warum wir töten sollen. […] Die Hinrichtung eines Menschen untersagen, hiesse öffentlich verkünden, dass die Gesellschaft und der Staat keine ab-soluten Werte sind und dass nichts sie dazu ermächtigt, die endgültigen Gesetze zu erlassen und Nichtwiedergut-zumachen-des zu schaffen»            [Albert Camus] ® [lit.: Scott Turow: Annals of Law: To Kill or Not to Kill. New Yorker, Jan..6, 2003; Albert Camus: Der Mensch in der Revolte; video: Henker. Der Tod hat ein Gesicht. gesendet von BR am 8.3.2003 (22:45 uhr)] ® [mvs:010526/28; 030308] –>gefängnis; katzentransportkörbe; mikrophysik der macht

 

Debugging

entlausung von crashender software. der debugger ist die laustante, der kammerjäger der computergesellschaft.

 

(auch interessant, wie sich computer gegenseitig anstecken, verseuchen – als mitglieder einer sozietät (netzwerk)).

norton meldet: this e-mail was deleted because of kletzh32 (oder sowas ähnliches – der namen sind viele (‚ach wie gut, dass niemand weiss, dass ich rumpelstilzchen heiss›– gut dass jemand sie kennt – spät zwar, aber doch)).   [mvs / regula e.: 020618] –>rumpelstilzchen; mac-doktor, pc-doktor; viren

 

Defekt

Je nach Defektart – Sprache, Körper, Sucht, Verhalten, Ideologie… – wird eine andere Intervention empfohlen: Logopädie, Rehabilitation, Entzug, Erziehungskur, Gehirn­wäsche… oder anders gesagt: man interveniert therapeutisch, anatomisch, sozial, medizinisch, chemisch…             [ffv 16022003]

 

Delle

Auch ein verbeultes Auto lässt sich fahren. Wird ein Karosserieteil ersetzt durch ein billiges Ersatzteil eines artfremden Autos, wird zwar die Funktions- und Gebrauchstüchtigkeit wieder hergestellt. Die ästhetische Erscheinung, der originale Schein, der die Aura des Authentischen ausmacht und die inneren Eigenschaften des Produkts proliferiert, bleibt dabei aber unberücksichtigt. Das Äussere ist aber in einem andern Kontext z.B. entscheidend: an der Grenze. Dort wird die Flickästhetik mit dem Eigner eines Gefährts in Zusammenhang gebracht, das Flickwerk wird auf den Chauffeur projiziert, das Auto repräsentiert den Fahrer, der sich an Stelle des Gefährts zu verantworten oder zu verteidigen hat. Damit kitzeln wir das Kapitel des Vorurteils, der Stigmatisierung via äusserer Schicht, die als Spiegelbild des Seelenzustandes für wahr genommen und taxiert wird.             [ffv 15022003]

 

Dementi

 

Dem Weine

schimmeligen oder vom Fass oder von Korkstöpseln angenommenen Geruch oder Geschmack zu benehmen.

Man füllt den angegriffenen Wein um und setzt ihm Holz­kohlenpulver zu und zwar 2–3 Esslöffel voll per Liter und rührt dies tüchtig um, dann lässt man gehörig absetzen und zieht später den Wein auf Flaschen. Alle Kohle setzt sich mit der Hefe am Boden ab. War der Wein schon in Flaschen gefüllt, so setzt man in oben genanntem Masse das Kohlen­pulver zu, schüttet den Wein tüchtig und filtriert ihn nach Verlauf von zwei Stunden. Der schlechte Geschmack soll hier­durch völlig verschwinden, der Wein aber nicht das Ge­ringste von seiner Güte verlieren.            [E. Schrader: Bewährte Recepte für Haus- u. Landwirtschaft, Mühlheim a. d. Ruhr]

 

Denkgebälk, gemadet

das geflickte stört mich auf gedanklicher ebene, obwohl kein grund dafür vorliegt: jedes denken ist primär nicht originär. wir sind die maden im kuhfladen: nur: wenn daraus direkt wieder kuhfladen wird, dann schmeckt es etwas schal.             [mvs: 030217] –>langeweile; überdruss

 

Deodorant

Mittel gegen unerwünschte Körpergerüche. Deodo­rants gibt’s in Sprühform (bitte ohne FCKW!) oder als Roll ons. Zudem werden auch Deodorantsteine angeboten, die angeblich 300% effektiver sind als herkömmliche Deos und darüberhinaus 100% aus puren und natürlichen Materialien bestehen. Interessierten steht die Seite ww.kombuchapower.vom/deodorant_stone.htm zur Ver­fügung. Der «Deodorant Container», www.text. from-nature-with-love.com/products.asp?category=Deodorant, komme «from nature with love». Ultimativen Schutz vor unerwünschten Düften bietet die «definitive Deodorant company» an. Zu finden auf: www.odor­less.com/ Ob Parfümvariante oder duftlos – die Hersteller versprechen vierundzwanzig Stunden Schutz.                  [rg]

 

detachieren

Nicht mit Unrecht wird behauptet, dass das Aus-bringen von Flecken aus Kleidungsstücken und Bedarfs-gegenständen, das Detachieren oder Fleckputzen, eine Kunst ist.

Das Detachieren bezweckt eine nur teilweise, örtliche Reinigung der Kleider usw. und erfüllt daher, gleich der Chemiewäscherei, hygienische, ästhetische und wirtschaftliche Aufgaben.

Kaffeeflecke in weisser Acetatseide: Nach vorsichtigerweiser Entfettung mit Benzin benetzt man den Fleck mit 1%iger Ammoniaklösung, wässert gut durch und bleicht mit 1%iger Chlorlauge; anschliessend behandelt man mit Antichlor, wässert sorgfältig aus und trocknet ab.       [lit.: Kopf / Jenko: Das Entfernen von Flecken aus Geweben (Kunstdetachieren), 1931]

 

Diagnose der Abweichung

Die Normierungsindustrie, die sich aus dem Normie-rungsdiskurs des 19. Jahrhunderts entwickelte und auf messbaren Daten, Durchschnittswerten und Klassi-fikationen basierte, hatte dort ihren Vorteil und ihre Berechtigung, wo sie zur Rehabilitation Kriegsversehrter nach dem Ersten Weltkrieg eingesetzt werden konnte. Weil der Körper als ein mechanisches System, als normalisierbare Maschine betrachtet wurde, war es das erklärte Ziel, mit Ersatzgliedern aus den durch Am-pu-tationen und von Phantomschmerzen geplagten Kriegs-ver-stümmelten wieder vollwertige psychische und physische Menschen zu machen. Das wissenschaftlich-technische Problem des Gliederersatzes, also die Entwicklung von Arbeits-hilfen in Form von Prothesen wurde durch die Gründung einer «Prüfstelle für Ersatzglieder» durch den Verein Deutscher Ingenieure (VDI) im Herbst 1915 intensiviert.

Als technisches Problem galt immer die Fixierung eines toten Werkzeuges am lebenden, organischen Armstummel, um an der durch die Prüfstelle für mehrere Länder normierten Scharnierstelle, resp. An­schluss­normen Werkzeuge zu befestigen, die alle Inkompa­tibilitäten, unabhängig vom Ort und von der Arbeit, ausmerzen sollten. Auf der andern Seite galt es, durch Bandagenormen, die vorgaben, wie eine Prothese am Fleisch zu befestigen war, ganze Prothesen austauschbar zu machen. Die «Wissenschaft der Prothese, die an der Prüfstelle betrieben wurde, bestand in der Ver­kopplung aller Ebenen: von weichen Körpern mit Pro­thesen aus Metall, Holz, Leder; von Prothesen mit starren Werkzeugen aus Metall; von Werkzeugen mit Maschinen; von Maschinen mit einer ganzen industriellen Ökonomie. Jede Verkopplung paßt ein Element seinem Partner an, jedes Element schränkt die Bewegungen aller anderen Elemente in einer erzwungenen, bestimmten Richtung ein.» [Peter Berz / Matthew Price: Ersatzglieder. In: Der [im]perfekte Mensch. Metamorphosen von Normalität und Abweichung. Köln 2003, 143–161, 155]. Die Kriegsversehrten waren also die Ver­suchs­­kaninchen, um die Schnittstelle Mensch/Maschine zu perfektionieren. Der mechanische Gliedersatz wie Arbeitsklauen oder -krallen war dazu bestimmt, eine gesellschaftliche Integration zu ermöglichen, indem die verloren gegangene Funktion in möglichst vollkommener Weise restituiert wurde.   [ffv 17012004]

 

digitale Datenreparatur

 

digitale Retusche

Die digitale Retusche dient der Verschönerung, Verfeinerung, Ästhetisierung einer für das Auge vermeintlich nicht genügenden Wirklichkeit. Mit digitalen Funktionen wird eine aseptische Unwirklichkeit gezaubert, die in jedem Fall vom Original abweicht. So können neue Fotos alt aussehen, aber alte auch wieder aufgehübscht werden, sodass man meint, sie seien neusten Datums. Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop der Firma Adobe haben dafür Werkzeuge wie den Repara­turpinsel, das Ausbesserungswerkzeug, den magischen Radiergummi, das Werkzeug zum Abwedeln oder Nach­belichten oder den Musterstempel erfunden, resp. aus dem herkömmlichen Fotolabor exportiert, ganz zu schwei­gen von all den im Programm eingebauten Filtern oder käuflich zu erwerbenden PlugIns, die Routine­arbeiten abnehmen.             [ffv 28122003]

 

 

Diplomatie

versuche, mit politischen mitteln auseinandergehaltenes, verstrittenes oder unstimmiges wieder in form zu bringen. balance: = gegenseitiges flicken.  [mvs: 020406] –>bismarck; UN (United Nations: sicherheitsrat); krieg

 

DNS-Reparatur

 

Dogma, (lack of dissonance)

dogma: a lack of dissonance.

and since we are talking about dissonance (vide failure), and not about dogmata, we will have way much more fun. the contradiction implied here is punning* itself through the universe of misunderstandings. dogma seen as a bad joke mostly: the glass house of killings.

*: ‹punning› is just a word for the somersault which is rocketing high up and landing on it’s feet. (not saying who is doing that: the words, the person thinking the words, or the person reading the words or, even worse, attending the performance).            [mvs: 990916] –>th.w.adorno: ‹jargon der eigentlichkeit›; axiom

 

Dübel

 

Duell

sehr effizienter zweikampf mit waffen infolge einer meinungsverschiedenheit, einer verlorenen wette, einer doppelt geliebten frau, einer durchzechten nacht. meistens stirbt einer, und der hat dann verloren, was er kaum mehr merkt und sich somit auch kaum mehr grämen kann. wenn beide sterben, gibt es nur verlierer und keine gewinner (ausser meinung, wette, frau und nacht, die übrigbleiben). ich plädiere dafür, die todesstrafe weltweit abzuschaffen und dafür das duell wieder einzuführen. dann könnte man sowohl zwischenstaatliche wie auch zwischenmenschliche differenzen elegant unter denen lösen, die sie konstruiert haben – mit einem äusserst geringen mass an ziviltoten und einer hohen einschaltquote. vorformen existieren bereits: promiboxen heisst das und da können dann zwei prominente, also auch frauen, gegeneinander in den ring treten, sich ordentlich in die fresse hauen und streitigkeiten, die sie erst nach dem kampf haben werden, vorsorglich schlichten, damit sie dann entstehen. weil nachher ja beide noch leben entsteht daraus: streitkultur.            [lh/gc] –>diplomatie, panzerbrücken

 

Dummheit

die dummheit, die eigene, die ultimative, kann nie selbst in sich als solche erkannt werden. das ist ein schon beinahe ultimativer metaphysischer purzelbaum – und in sprache kaum zu fassen (vom hirni schon gar nicht, weil das hirni immer in die falle der eigenen dummheit trampt) ein purzelbaum, der, wenn er als bild auftritt, schon schnell mal die haltungsnote 9.9 erhalten wird. im bilde (im bild sein) kann die dummheit das paradoxon (manchmal) auflösen: ereignen tut sich dummheit ohne ‹ordnende› sprache, die adäquate ‹einsicht› oder ‹wahrheit› ist gleichermassen ‹jenseits›. (es gibt nichts dümmeres als die erklärung der dummheit: da fällt man in die falle des paradoxons: endlos. dumm ist die erkenntnis der dummheit, wenn sie als kategorie auftritt. – naja, das soll verstehen wer will.)

schön ist an der dummheit, dass sie zu flicken ihrer selbst führt, endlos mit allen implikationen.

das narrenflickenkleid sagt aus über die dummheit: in relation zum wissen, zur weisheit: ‹du kannst mir erzählen was du willst: ich nähs mir aufs kleid›.

de stultibus (stultitia) non est disputandum. (vänçi: kann man auf diese aussage stolz sein: nur, wenn man drauf reinfällt. (und da kann der ‹gustibus› noch eins, zwei, drei davon lernen! und wer jetzt lacht oder schmunzelt: ab ins bett und träumen))            [mvs:0304281 etc.] –>dummheit, ein als; falle; paradoxon; kunst; blöd sein

 

Dummheit, ein als

die dummheit, ein als resource noch weitgehend nicht analysiertes potential, wird doch immer wieder verwendet, um gesellschaftliche mängel zu kaschieren.

‹wenn die dummen halt dumm sind, dann verdienen sie nicht mehr als noch mehr dummheit›. als euphemismus kommt das dann als «wir wollen nur eures bestes» daher. dieser kalauer wurde zwar immer wieder entlarvt und belacht, ist aber als politische realität immer wieder wirksam.

(hier dürfte man silvio berlusconis lebensweisheiten einfügen, als leuchtendes beispiel: er flickt sich seine gesetzesübertretungen mit gesetzesänderungen zu wohltätigkeiten.)            [mvs: 030301] –>überlebensstrategie; politik; religion; euphemismus; blöd sein

 

Dylan, Bob

«Bob Dylan’s 115th Dream» – was er, mit seinem falschbeginnen, lachen darüber, neubeginnen in die pop-musik eingeführt hat, ist, nach wie vor, bemerkenswert. niemand hätte sich vorher erlaubt, eine blösse, eine klare flickstelle als teil der arbeit = kunstwerk = musike zu erklären. und, na ja, nachher hats auch niemand mehr gemacht, weil er es schon gemacht hat. und in der literatur wars halt auch schon, spätestens im barock, ausgekostet, ein altgeschriebener hut.

und nicht viel später, in australien (nur auf raubdruck erhältlich (wer weiss, wo sonst noch, mittlerweile:)), bringt er (dylan, bob) die perfekteste intonation eines gedichtes (na ja: soweit gedichte halt reichen), die ich kenne: «Desolation Row».   [mvs: 030626] –>ersatz; überlebensstrategie; politik; religion; euphemismus; barock; manierismus