Camerlboro
zigarettenmarke, nicht im handel erhältlich. sie wird von hand gedreht, mit tabak aus zigarettenstummeln der marken camel und marlboro, auf den strassen von aussenquartieren in lima, chicago, katmandu und anderen grossen städten zuhauf zu finden. [lh] • >heterogen; notbehelf; postkarten

Cementit
(Produktename). 1918 entwickelten die Firmengründer, Walter Merz und Albert Benteli, Leuchtstoffe für die Uhrenindustrie. Als merz+benteli belieferten sie jahrzehntelang die Schweizer Uhrenindustrie mit den qualitativ besten Leuchtfarben. Um den Phosphor auf den Zifferblättern zu fixieren, wurde später mit einer Mischung aus Kunstharz und Zellulose ein neuartiger Klebstoff entwickelt. Dieser war wesentlich vielseitiger als alle bekannten Klebstoffe und profilierte sich als eines der zufälligen Nebenprodukte in der Technikforschung. In den 1930er Jahren wurde Cementit als erster wasserfester und vollsynthetischer Klebstoff auf den Markt gebracht. Nach dem Kleistern mit Mehlpappe und Fischkleister lernte man nun in helvetischen Haushalten das Kleben. Im Laufe der Jahre wurde das Klebstoff-Sortiment stetig erweitert. Cementit-Produkte wie die Cyanoacrylat-Schnellkleber Record für alle glatten Oberflächen und Record Gel für poröse und nicht poröse Materialien, der bewährte Weissleim für Bastelarbeiten und Holzverleimungen, der praktische Stick und der umweltfreundliche Papier, der speziell für Kinder entwickelt wurde, stehen für erfolgreiche Klebearbeiten. Technische Innovationen mit neuen Kleb- und Dichtstoffen bieten Lösungen für industriell zu fertigende Bedürfnisse. Dazu gehören der spraybare Merbenit ST und der schnell härtende Merbenit HS. Diese Produkte werden in der Auto-, Transport- und Containerindustrie eingesetzt. Die Firma mit Sitz in Niederwangen bei Bern beschäftigt 55 Personen und setzt jährlich 20 Mio. Franken um, wovon 50% im Export. [ffv 28122003] • >klebstoff

Cento: Gutgeklaut, immer gewonnen
(lat. = aus Lappen zusammengeflicktes Kleid, Flickwerk), Flickgedicht, ein aus Zitaten (ganzen Versen, Versteilen, Redewendungen, Bildern) vorbildlicher Dichter (besonders Homer und Vergil) zusammengesetztes Gedicht. Voraussetzung ist erstaunliche Belesenheit des Dichters sowie genaue Kenntnis der als «Steinbruch» benutzten Werke beim Publikum. Weit verbreitet bereits bei den homerischen Rhapsoden, die Teile älterer Gedichte übernahmen, in hellenistischer und byzantinischer Zeit als Homer-Centonen, im späten Altertum (Hosidius Getas Tragödie Medea, Carmen nuptialis des Ausonius, christlicher Cento Vergilianus der Dichterin Proba ua.), im MA. für neulateinische geistliche Dichtungen (geistliche Lieder des Mönchs Metellus in Tegernsee aus Horaz- und Vergil-Versen im 12. Jahrhundert, in Byzanz ein Christus patiens aus 2610 Euripides-Versen; biblische Geschichten aus Homer-Versen u.ä.), in Renaissance und Barock (Petrarca-Cento in H. Maripetros Il Petrarca spirituale, 1536, ein anonymer englischer Cicero princeps, 1608, Etienne de Pleures Sacra Aeneis, 1618; Christi Taten in Vergils Versen; zahlreiche Jesuitendramen, ähnlich auch S. Brants Narrenschiff). Schließlich bis zur Gegenwart fortlebend als witzig kombinierte Aneinanderreihung von Klassikerzitaten, etwa aus Schillers Balladen. [Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur] • [Lit.: Ausonius, Cento Nuptialis. In: Opuscula. Hg. von Carl Schenkl. Wien 1888. – Probae Cento. Hg. von Carl Schenkl. Wien 1888. – Octave Delepierre, Tableau de la littérature du centon, chez les anciens et chez les modernes. 2 Bde. London 1874 f. – R. Lamacchia, Dall’arte allusiva al cento (Atene e Roma, N.S. 3, 1958). – Reinhart Herzog, Die Bibelepik der lateinischen Spätantike. München 1975. – Herbert Hunger, Die hochsprachliche profane Literatur der Byzantiner. Bd. 2. München 1978, 98–107. – Kurt Smolak: Beobachtungen zur Darstellungsweise in den Homerzentonen. In: Jahrbuch der Österreichischen Byzantinistik 28 (1979), 29–49. – Theodor Verweyen / Gunther Witting, Der Cento. In: Euphorion 87 (1993), 1–27]

Das literarische Verfahren der zitierenden Übernahme von Teilen anderer Werke bezeichnet man spätestens seit dem 4. Jahrhundert nach Christus mit dem Begriff Cento. Nun ist ein Text, der mit vielen Zitaten zur Erläuterung oder Bestätigung der eigenen Argumentation arbeitet, noch lange kein Exempel dieser Schreibweise, die ein Spezialfall der Parodie ist.

Zitate setzt man im Schriftsatz gemeinhin in Anführungszeichen oder zeichnet sie durch Kursivsatz oder ähnliche typographische Verfahren aus und macht sie durch die Angabe der Quelle überprüfbar. Die Wissenschaft hat für die Einbettung und den Nachweis von Zitaten ein Regelwerk entwickelt, und nur derjenige verstößt gegen die Gepflogenheiten, bei dem die Balance von Eigenem und Fremdem außer Kontrolle gerät. Er offenbart sich zumindest als ‹unoriginell›.

Als kriminell dagegen erweist sich derjenige, der die Kennzeichnung seiner geistigen Entlehnungen gänzlich unterlässt; er macht sich als Plagiator schuldig und sein Produkt wird mit dem Begriff ‹Plagiat› (von lat. plagium = Menschenraub) stigmatisiert. Der Diebstahl geistigen Eigentums durch unerlaubte, heimlicherweise betriebene Wiedergabe von Werken und Werkteilen, dichterischen Motiven und Gedanken eines anderen ist erst seit dem 18./19. Jahrhundert als Verletzung der Rechte des Urhebers strafbar.

Zitat und Plagiat kennen problematische Grauzonen und fließende Übergänge, die besonders jenseits der wissenschaftlichen Diskurse auf schöngeistig-literarischem Gebiet oft schwer justiziabel sind, da andererseits Literatur stets Literatur in Form von stofflichen und gedanklichen Übernahmen, Anspielungen und kunstvollen Umformulierungen gebiert. Hier ist das «Zitieren» weit weniger reglementiert und organisiert. Je virtuoser der Autor eines Textes die verschiedenen Schreibweisen des parodistischen Produktionsverfahrens handhabt (Zitat, Plagiat, Imitation, Kopie, Pasticcio, Kontrafaktur, Allusion etc.), um so größer das Vergnügen des Kenners, der das kunstvolle Spiel mit den Stilmitteln und Verfahrensweisen entziffern kann.

Die konsequenteste und virtuoseste Spielart einer plagiierend-zitierenden Schreibweise entstand bereits in spätantik-lateinischer Zeit gemäß dem Prinzip der Imitatio, der Nachahmung vorbildlicher Schriftsteller. Die griechischen Vorgängertexte wurden aus Versen und Versteilen zu neuen Texten zusammengesetzt und seit dieser Zeit unter dem Begriff Cento geführt.

Bertolt Brecht wurde wegen seiner Übernahme von Versen aus der K. L. Ammerschen Übersetzung der Balladen des spätmittelalterlichen französischen Dichters François Villon für die Songs der Dreigroschenoper des Plagiats bezichtigt. Brecht hielt sich natürlich zugute, dass er durch sein zitierend-plagiierendes Vorgehen die Verse Villons der Vergessenheit entrissen und ihren Wert damit erhöht habe. Eine von ihm in dieser Angelegenheit mit großer Chuzpe verfasste ‹Erklärung› lautet: «Eine Berliner Zeitung hat spät, aber doch noch gemerkt, daß in der Kiepenheuerschen Ausgabe der Songs zur Dreigroschenoper neben dem Namen Villon der Name des deutschen Übersetzers Ammer fehlt, obwohl von meinen 625 Versen tatsächlich 25 mit der ausgezeichneten Übertragung Ammers identisch sind. Es wird eine Erklärung verlangt.»

Die Erklärung in der ‹Erklärung› wurde zu einem berühmten Statement: «Ich erkläre also wahrheitsgemäß, daß ich die Erwähnung des Namens Ammer leider vergessen habe. Das wiederum erkläre ich mit meiner grundsätzlichen Laxheit in Fragen geistigen Eigentums.» (Mai 1929)

Brecht war mit seinen Plagiatsleistungen in seinen frühen Werken trotz des damals spektakulären Falls nicht ganz zufrieden. In einer Einlassung Über Plagiate betitelt, schrieb er ironisch, dass er eine «Ehrung des literarischen Plagiats und seine Wiedereinsetzung in seine alten angestammten Rechte» plane, dass er sie aber im Augenblick noch nicht loslassen wollte, da er «selbst auf dem Gebiet des Plagiats noch nichts Rechtes geleistet hatte. Ich wollte damit groß herauskommen.»

Der kleine Text von 1930 endete mit einem ironisch-zweifelhaften Versprechen: «Die eigentlichen bedeutenden Unternehmungen meinerseits auf diesem vernachlässigten Gebiet lagen noch verschlossen in meinem Schreibtisch.»

Es ist nichts bekannt über derartige Schubladenunternehmungen. Brecht versäumte es, das Plagiat ehrende praktisch-literarische Exempel zu geben. Er hat jedoch zeitgleich zu diesen Äußerungen in den Geschichten vom Herrn Keuner in der Theorie das Beispiel eines ‹Wunderwerks› aus Zitat und Plagiat, aus Montage und Collage entworfen, ein literarisches Flickwerk als philosophisches Neuwerk schlechthin: «Heute», beklagte sich Herr K., «gibt es Unzählige, die sich öffentlich rühmen, ganz allein große Bücher verfassen zu können, und dies wird allgemein gebilligt. Der chinesische Philosoph Dschuang Dsi verfaßte noch im Mannesalter ein Buch von hunderttausend Wörtern, das zu neun Zehnteln aus Zitaten bestand. Solche Bücher können bei uns nicht mehr geschrieben werden, da der Geist fehlt. Infolgedessen werden Gedanken nur in eigener Werkstatt hergestellt, indem sich der faul vorkommt, der nicht genug davon fertigbringt. Freilich gibt es dann auch keinen Gedanken, der übernommen werden, und auch keine Formulierung eines Gedankens, die zitiert werden könnte. Wie wenig brauchen diese alle zu ihrer Tätigkeit! Ein Federhalter und etwas Papier ist das einzige, was sie vorzeigen können! Und ohne jede Hilfe, nur mit dem kümmerlichen Material, das ein einzelner auf seinen Armen herbeischaffen kann, errichten sie ihre Hütten! Größere Gebäude kennen sie nicht als solche, die ein einziger zu bauen imstande ist!» [Joseph Kiermeier-Debre]

Chirurgie, ästhetische

die ästhetische chirurgie umfasst eingriffe wie fettabsaugung (liposuction), brustvergrösserung (augmentation), bruststraffung und brustverkleinerung (reduktion), facelifting, lidstraffung, nasenkorrektur, ohrenanlegeplastik, faltenunterspritzung, lippenaugmentation, bauch---straffung und sonstige straffungsoperationen, narbenkorrektur und eigenhaartransplantationen. die plastischen chirurgen sind menschenflicker, deren gestaltungsbereich zwischen funktion und ästhetik einzelner körperteile zu vermitteln sucht, mit einem maximum an ästhetik. ihre kundschaft sind menschen mit geld zur korrektur von körperteilen, die irgendwo in der grauzone zwischen funktionalem defekt, ästhetischer sozialkonvention und persönlicher unwohlbefindklichkeit liegen. (aber vielleicht haben sie auch irgend etwas falsch verstanden: wir arbeiten daran, an uns etc.) [lh] –> implantat; ich-AG; phantombild; lobotomie; pseudo; frankenstein

 

Collage

In meiner Kindheit der frühen 1960er Jahre gab es noch keinen Leim im Haushalt. Meine Mutter machte eine Mehlpappe, d.h. sie verrührte Wasser und etwas Mehl und ich gebrauchte die klebrige Masse als Leim. Als Klebstoff für Papier reichte die Masse alleweil.             [ffv 14022003] –> klebstoff, notbehelf

 

CFK

wenn betonbrücken brüchig wurden und verstärkung brauchten, hatte man bisher zuerst ein gerüst aufgestellt, anschliessend schwere stahlbänder von unten auf den beton angebracht und diese dann so lange mit pressen befestigt, bis der leim (ein expoxidharz) trocken war. heute fährt das empa-team mit kleinlaster und hebebühne vor, klebt leichte, faserverstärkte kunststoffbänder auf den beton und erledigt die flickarbeit innert weniger stunden mit einer kleinen bauequipe, ohne pressvorrichtung und ohne gerüst. CFK, ein dauerhafter, kohlenstofffaserverstärkter kunststoff, wird vorgespannt und an-schliessend wie ein pflästerli auf den beton geklebt. [lh] –> klebstoff

 

Conversationslexikon

mit dem aufstrebenden bürgertum und dem damit verbundenen aufgeklärten kulturbegriff waren immer wissenslücken zu stopfen: dafür wurden die Con­versationslexika geschaffen, die für möglichst jede wissenslücke ein stopfmittel bereit stellten.

(seit es das fernsehen gibt, existieren auch diese quizsendungen, die auf das ungeflickte wissensloch bei den kandidaten hinzielen: nach wie vor scheint die wissenslücke mit scham verbunden zu sein, die schadenfreude ist damit in einklang.)

in einem gewissen widerspruch zu den conversationslexica, die mit mikrologischen lemmata kurzinformationen liefern, stehen die enzyklopädien mit zum teil sehr makrologischen beiträgen (weite stichwörter), die essaiistisch grössere bereiche, oft unter philosophiphem blickwinkel, abhandeln. dies entspricht auch dem sinne der enzyklopädie (ab 1751) von denis diderot, d’alembert und ihren mitarbeitern, die im geiste der aufklärung das bürgerliche wissen des 18.jahrhunderts systematisch zusammenfassten.             [mvs: 030220]

 

Den krassen Gegensatz zu allen pragmatisch-verlegerischen Versuchen, die unüberschaubare Wissensfülle zu bändigen, bildet die philosophische Reflexion der Methoden. Sie ist freilich nicht so leicht lexikontauglich, weil sie die Erwartungen nicht erfüllt, man erhalte leicht verwertbare Informationen. Gerade nicht in der Absicht, Wissen zu vermitteln, sondern um die Geschichte der Irrtümer auf der Suche nach Wahrheit darzulegen, hat einst Pierre Bayle seinen «Dictionnaire historique et critique» vorgelegt, […], 1696 kam die erste französische Ausgabe heraus, 1741–44 die deutsche Übersetzung von Gottsched. Nicht auf Vollständigkeit der Wissens-vermittlung zielte Bayle mit seinem Geniestreich, sondern auf die Dokumentation des Weges von Irrtum zu Irrtum auf der Suche nach Wahrheit. In der Geschichte der Lexikographie hat dies anspruchsvoll-aufklärerische Konzept in so grossen Dimensionen keine Nachfolge mehr gefunden.            [Hans-Albrecht Koch: Wissenswerte: Über Lexika, Enzyklopädien und ihre Vermehrung. NZZ 17./18.8.2002] –> gänseleber; flick; enzyklopädie, schadenfreude

 

Corporate Identity

aus dem gleichen holz geschnitzt.            [lh] –> bauernschläue; entzug; moderne; expertise; management by objectives